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Gemeinsam gegen Landraub

In ganz Afrika bringen ausländische Investoren riesige Flächen unter ihre Kontrolle. Die Folgen: Menschen, die das Land seit Generationen bewirtschaften, aber keine Besitzurkunde haben, verlieren ihre Existenz und stehen vor dem Nichts.

Es klingt absurd: Länder, in denen viele Menschen hungern, verkaufen fruchtbares Land an ausländische Unternehmen, die dort dann für den Export produzieren. Weil die Rechte der Kleinbauern, Pastoralisten und indigenen Gruppen in vielen afrikanischen Staaten sehr schwach sind, können nationale Eliten das von Bauern genutzte Land verkaufen oder verpachten. Damit nehmen sie den Betroffenen ihre Lebensgrundlage ohne für Ausgleich zu sorgen. So sind viele afrikanische Länder zu Brennpunkten des sogenannten „Landgrabbing“ geworden.

Misereor-Plakat zum Thema Landgrabbing

Mit welchen Strategien kann die Zivilgesellschaft dem fortschreitenden Landraub in Afrika begegnen? Darum geht es auf einer Konferenz im Vorfeld des EU-Afrika-Gipfels in Abidjan, Elfenbeinküste. Dort diskutieren mehr als 70 Vertreter und Vertreterinnen von kirchlichen Institutionen, sozialen Bewegungen, Graswurzel-Initiativen und Nichtregierungsorganisationen, darunter viele MISEREOR-Partner. MISEREOR-Referentin Alessa Heuser war vor Ort und hat sich unter den Teilnehmern und Teilnehmerinnen umgehört.

Plenum im Konferenzsaal. Hier traf man sich, um gemeinsam Strategien gegen den fortschreitenden Landraub in Afrika zu entwickeln. Foto: MISEREOR/Heuser

Zitate von der Konferenz

Kadidja Koné – Convergence Globale des Luttes pour la Terre et l’Eau (CGLTE). Foto: MISEREOR/Heuser

Kadidja Koné, Convergence Globale des Luttes pour la Terre et l’Eau (CGLTE):
„Land, Wasser und bäuerliches Saatgut sind keine Ware, sondern Gemeingüter, die wir für die zukünftigen Generationen erhalten müssen.  Das heißt auch, sich Investitionsprogrammen wie der ‚Neuen Allianz‘  der G7-Staaten zu widersetzen.“

Bischöfe aus den Ländern Benin, Burkina Faso, Kamerun, Elfenbeinküste, Gabon, Guinea, Niger and Togo waren auf der Konferenz. Foto: MISEREOR/Heuser

Bischof Joseph Spiteri:
„Landraub breitet sich in allen Regionen Afrikas aus. Wir müssen uns anschauen: Welche Formen von Landgrabbing gibt es? Wie unterscheidet sich das Phänomen in den verschiedenen Ländern? Den Analysen müssen aber auch Taten folgen. Wir müssen diskutieren, welche Rolle die Kirche hierbei spielen kann.“

Schwester Modestine Rasolofoarivola – Organisation Vahatra Madagascar. Foto: MISEREOR/Heuser

Schwester Modestine Rasolofoarivola, Organisation Vahatra aus Madagascar:
„Die Politiker schützen uns nicht vor Landraub. Und Landtitel zu erwerben um Land zu sichern, ist sehr aufwendig und teuer.“

Rose Oppong – MISEREOR Partnerorganisation CIKOD in Ghana. Foto: MISEREOR/Heuser

Rose Oppong, MISEREOR-Partnerorganisation CIKOD in Ghana:
„Ich bin hier, um von den Erfahrungen der frankophonen Nachbarländer zu lernen. Die vorgestellten Landraub-Fälle haben viele Gemeinsamkeiten: Den Verlust des Lebensunterhalts, die Verletzung der Landrechte der Gemeinden, leere Versprechungen der InvestorInnen und die Nichtberücksichtigung der Langzeitfolgen für die lokale Bevölkerung.“

Mariam Sow, senegalesische Partnerorganisation ENDA-Pronat:
„Unsere Erfahrungen im Senegal zeigen, dass Agrarökologie und eine gute Landpolitik zusammen umgesetzt werden müssen. Dies ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Ohne den gerechten Zugang zu Land können die Gemeinden keine Landwirtschaft nach agrarökologischen Prinzipien betreiben.“

Die Konferenz endete mit der Veröffentlichung einer gemeinsam erarbeiteten Konferenz-Deklaration und Aktionsplänen für die Zukunft.

Dazu Alessa Heuser: „Die Deklaration ist sehr stark. Zum einen, weil sie von rund 50 kirchlichen und nicht-kirchlichen Institutionen und Organisationen unterzeichnet wurde. Aber auch, weil sie die Themen aufgreift, die den von Landraub Betroffenen am Herzen liegt: Ihr Recht, Land als Gemeingut zu verwalten, die Produktion und Verbreitung von Wissen, um ihre Rechte zu kennen und zu verteidigen sowie der Schutz ihres Engagements, das durch die Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidigungen zunehmend eingeschränkt wird.“

 

Alessa Heuser ist MISEREOR-Referentin für Agrar- und Ernährungspolitik.


Mehr zum Thema Landraub

Interview:   „Landgrabbing: Der neue Hunger nach Land“  

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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Vor ein paar Jahren war ich im Rahmen der MISEREOR-Fastenaktion in Paraguay und habe diesen entsetzlichen Wahnsinn gesehen. Auch die Blicke der Indigenen und Campesinos, in denen während unserer Gespräche neben mürber Hoffnungslosigkeit immer auch die Bereitschaft zum Widerstand zu sehen waren. Ich empfehle folgenden Film: http://www.pandorafilm.de/filme/raising-resistance.html

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