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Visionen für eine Ernährungspolitik von morgen

„Wir wollten provozieren“. So Pirmin Spiegel, MISEREOR-Hauptgeschäftsführer zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „95 Thesen für Kopf und Bauch“, gemeinsam mit Slow Food Deutschland. „Wir wollten Visionen aufzeigen. Wir wollten zeigen, dass wir etwas verändern können und dass es einen Grund dafür gibt, dass Ernährungspolitik ist, wie sie ist“.

Dr. Ursula Hudson, Vorstandsvorsitzende von Slow Food Deutschland, und MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel halten stolz die gemeinsame Broschüre "95 Thesen für Kopf und Bauch" hoch. Foto: MISEREOR.

Dr. Ursula Hudson, Vorstandsvorsitzende von Slow Food Deutschland, und MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel halten stolz die gemeinsame Broschüre „95 Thesen für Kopf und Bauch“ hoch. Foto: MISEREOR.

Dass dies gelungen ist, dem stimmte auch Dr. Ursula Hudson, Vorstandsvorsitzende von Slow Food Deutschland, zu, ohne ein Resümee ziehen zu wollen. „Die Probleme sind ja noch nicht gelöst, die Kooperation muss also fortgesetzt werden. Im letzten Jahr haben wir einen guten Anfang gemacht und dazu beigetragen, eine ganzheitliche Debatte am Leben zu erhalten.“

Dr. Ursula Hudson: „Die Probleme sind ja noch nicht gelöst, die Kooperation muss also fortgesetzt werden. Im letzten Jahr haben wir einen guten Anstoß gegeben und dazu beigetragen, eine ganzheitliche Debatte am Leben zu erhalten.“ Foto: MISEREOR.

Dr. Ursula Hudson: „Die Probleme sind ja noch nicht gelöst, die Kooperation muss also fortgesetzt werden. Im letzten Jahr haben wir einen guten Anstoß gegeben und dazu beigetragen, eine ganzheitliche Debatte am Leben zu erhalten.“ Foto: MISEREOR.

Warum ist Ernährungspolitik denn nun so, wie sie ist?

Da sind sich die Rednerinnen und Redner des Abends, neben Hudson und Spiegel noch Alexandra Kessler, Vorstandsmitglied Urbane Gemeinschaftsgärten Aachen e.V., einig: Politische Interessen! Denn bisher profitierten die westlichen Industrieländer und die großen Konzerne von der aktuellen Situation. Insbesondere ein immer mehr an (Massen-)Produktion diene ausschließlich den großen Konzernen. Die Welternährung jedenfalls sei kein Problem von Mehrproduktion, wie Pirmin Spiegel erklärt:

„Schon jetzt werden bei einer aktuellen Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden genügend Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen produziert. Es ist also keine Frage von Produktionssteigerung. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, der Verteilung und der besseren Nutzung. Oft fehlen die Brücken, in Form von Infrastruktur, zwischen Produzentinnen und Produzenten einerseits und den Märkten andererseits.“

Pirmin Spiegel: „Schon jetzt werden bei einer aktuellen Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden genügend Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen produziert. Es ist also keine Frage von Produktionssteigerung. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, der Verteilung und der besseren Nutzung. Oft fehlen die Brücken, in Form von Infrastruktur, zwischen Produzentinnen und Produzenten einerseits und den Märkten andererseits.“ Foto: MISEREOR.

Pirmin Spiegel: „Schon jetzt werden bei einer aktuellen Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden genügend Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen produziert. Es ist also keine Frage von Produktionssteigerung. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, der Verteilung und der besseren Nutzung. Oft fehlen die Brücken, in Form von Infrastruktur, zwischen Produzentinnen und Produzenten einerseits und den Märkten andererseits.“ Foto: MISEREOR.

Welche Visionen gibt es?

Die Rednerinnen und Redner teilten eine Vision: eine Ernährungswende; hin zu einem bewussten, fairen, zukunftsfähigen, wertschätzenden Konsum und Umgang mit unseren Lebensmitteln. Dezentrale, kleinbäuerliche Strukturen müssen gefördert werden. Soziale und ethische Aspekte werden von Unternehmen bisher nur auf freiwilliger Basis berücksichtigt. Hier bedarf es stärkerer Regulierungen. Gemeinschaftsgärten wie die in Aachen schaffen Räume für ganzheitliche Ernährungsbildung. Sie regen zum Austausch und zum Mitmachen an.

Gute Ideen und tolle Konzepte, die schon heute ein Umdenken beim Thema "Essen" und "Ernährung" aufzeigen, kamen auch aus dem Publikum. Foto: MISEREOR.

Gute Ideen und tolle Konzepte, die schon heute ein Umdenken beim Thema „Essen“ und „Ernährung“ aufzeigen, kamen auch aus dem Publikum. Foto: MISEREOR.

Auch die Teilnehmenden der Veranstaltung stellten gute Konzepte vor:

Solidarische Landwirtschaftsprojekte sind gute Möglichkeiten, auch in der Stadt nachhaltige, regionale Landwirtinnen und Landwirte zu unterstützen. Hier werden Gemüse- und Obst-Abos erworben, mit dem Vorteil, regelmäßig saisonale und regionale Produkte zu erhalten. Bei diesen Produkten weiß man dann auch, woher sie kommen. Gleichzeitig behält der landwirtschaftliche Betrieb aufgrund der längerfristigen Verpflichtung der Verbraucherinnen und Verbraucher Planungssicherheit und ein geregeltes Einkommen.

In Aachen entsteht aktuell ein sogenannter Ernährungsrat: Ziel der verschiedenen Ernährungsräte, verteilt in ganz Deutschland, ist eine neues, städtisches Ernährungssystem, dass durch eine jeweilige lokale Ernährungspolitik erreicht werden soll.

Dr. Ursula Hudson berichtet von intelligenten, kollektiven Stadtgärten in Indien: Eine Folge der wachsenden Zuwanderung in die Stadt ist, dass Menschen bestimmte Nahrungsmittel in einer bestimmten Qualität gewohnt sind, die sie nun in der Stadt nicht mehr beziehen können. Eine Lösung: Der gemeinschaftlich organisierte Anbau von Lebensmitteln auf Balkonen in riesigen indischen Wohnblocks. „Dort wird gemeinschaftlich entschieden, auf welchem Balkon, was am besten wächst. Die Ernte wird geteilt.“

Alexandra Kessler, Vorstandsmitglied urbane Gemeinschaftsgärten Aachen: „Wenn wir von Verzicht und Arbeit sprechen, ist ein anderer Lebenswandel natürlich nicht sehr attraktiv. Wenn wir aber hervorheben, welchen Zugewinn ein ernährungsbewusster Lebensstil hat. Dass es Spaß macht in der Gemeinschaft zu gärtnern, man sich gesünder und fitter fühlt und Teil einer sozialen Bewegung ist, sieht das ganz anders aus“. Foto: MISEREOR.

Alexandra Kessler, Vorstandsmitglied urbane Gemeinschaftsgärten Aachen: „Wenn wir von Verzicht und Arbeit sprechen, ist ein anderer Lebenswandel natürlich nicht sehr attraktiv. Wenn wir aber hervorheben, welchen Zugewinn ein ernährungsbewusster Lebensstil hat. Dass es Spaß macht in der Gemeinschaft zu gärtnern, man sich gesünder und fitter fühlt und Teil einer sozialen Bewegung ist, sieht das ganz anders aus“. Foto: MISEREOR.

Was können wir verändern?

Bewusster essen und einkaufen: Das bedeutet konkret z.B.: Nachhaltig, regional, saisonal und weniger Fleisch und Milchprodukte kaufen. Aber auch fair, denn diejenigen, die unsere Lebensmittel herstellen, sollten selbst gut von ihrem Lohn leben können.

Den Diskurs: „Wenn wir von Verzicht und Arbeit sprechen, ist ein anderer Lebenswandel natürlich nicht sehr attraktiv. Wenn wir aber hervorheben, welchen Zugewinn ein ernährungsbewusster Lebensstil hat. Dass es Spaß macht in der Gemeinschaft zu gärtnern, man sich gesünder und fitter fühlt und Teil einer sozialen Bewegung ist, sieht das ganz anders aus“, ist Alexandra Kessler überzeugt.

Nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt anfangen. Vielleicht ja auch im Gemeinschaftsgarten bei Ihnen um die Ecke?!https://blog.misereor.de/2018/02/09/solawie-solidarische-landwirtschaft-in-berlin-bekommt-brasilianischen-besuch/

„Ich kann es gut vermeiden, einen Fuß in einen Supermarkt zu setzen.“

SoLaWi(e)? Solidarische Landwirtschaft in Berlin bekommt brasilianischen Besuch

Über unser Essen mitbestimmen – Erster Kongress zur Vernetzung der Ernährungsräte in Deutschland

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