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Bleiben oder gehen? – Sechs Perspektiven auf das Thema Flucht

Tagtäglich sehen, lesen und hören wir von Menschen, die den gefährlichen Weg durch die Sahara und das Mittelmeer auf sich nehmen, um nach Europa zu fliehen. Dabei braucht es nur wenig, meint Fotograf und Filmemacher Roland Brockmann, um die Menschen dabei zu unterstützen, in ihrem Heimatland ein sicheres und lebenswertes Zuhause aufzubauen. In diesem Beitrag stellt er sechs Perspektiven auf das Thema Flucht vor.
Milka Kemunto

„Viele Mädchen aus Kenia wollen einen Weißen heiraten, um nach Übersee zu kommen. Aber Leute, die illegal über das Meer wollen kenne ich keine. Ich würde nur wegen der Liebe heiraten, nicht um ein besseres Leben zu haben. Dass es in Europa oder Amerika besser ist, glaube ich schon, wenn man einen Job hat.“

Milka Kemunto, 25, Kenia, Friseurin

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„Niemals würde ich hier alles aufgeben, um in ein Land zu gehen, das ich gar nicht kenne. Also, wo ich vorher noch nie war. Ich liebe Kenia, das ist meine Heimat und hier lebt ja auch meine Familie. Als Motorradtaxifahrer komme ich hier auch ganz gut über die Runden. Anschauen würde ich mir Europa schon gerne, als Besucher.“

Cornell Baraza, 29, Kenia, Motoradtaxifahrer

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„Ich hatte schon Geld gespart, war fest entschlossen zum Trip nach Europa. Von den Gefahren wusste ich: Als Frau hätte ich unterwegs vergewaltigt werden können. Aber hier in Tamale hatte ich einfach keine Hoffnung mehr. Aminu Munkaila hat mich überzeugt zu bleiben. Seine Organisation AFDOM finanzierte mir eine zweijährige Ausbildung zur Schneiderin und dann eine eigene Nähmaschine. Nur mit Handantrieb, aber egal. Ich arbeite im freien im Schatten eines Baums, da gibt es eh keinen Strom. Für eine Werkstatt fehlt mir noch das Geld. Aber ich habe genug Kundschaft.“

Humu Mohamad, 23, Ghana, Schneiderin

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„Ich habe es zuerst in Accra versucht, Ghanas größter Stadt. Da schlug ich mich mit Müllsammeln durch. Es war schlimmer als zuhause auf dem Land, denn dort gab es wenigstens genug zu Essen. In Accra traf ich aber auch Aminu.  Er hat mir diese Ausbildungsstelle zum Schweißer verschafft. In Ghana muss man für eine Lehrstelle bezahlen. Das hätte ich mir nie leisten können. Dank der Unterstützung von AFDOM habe ich jetzt genug zum Essen und ein kleines Zimmer, vor allem aber: eine Zukunftsperspektive. Wenn ich erst meine eigene Werkstatt habe, werde ich andere ausbilden – ohne dafür Geld zu nehmen.“

Awal Sulemana, 21, Ghana, Auszubildender in einer Schweißerwerkstatt

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Die meisten Afrikaner glauben, in Europa ist alles nur gut, aber das glaube ich nicht. Auch da gibt es arme Leute. Das Leben ist dort vielleicht besser, aber nur weil die Leute hart arbeiten. Sicher würde ich da auch gerne mal leben, aber wirklich nachdenken tue ich darüber nicht – und auch unter meinen Freunden ist das kein Thema. Niemals würde ich ohne Einladung in ein fremdes Land gehen, also wenn die mich da gar nicht haben wollen.

Keneth Chinyama, 19, Tansania, Auszubildender in einer Druckerei

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Ich weiß wovon ich rede, und das merken die Leute. Schliesslich habe ich es selbst versucht. Bei zweiten Mal wurde ich auf hoher See von der Cap Anamur aufgegriffen. Am Ende landete ich wieder in Ghana. Und da wurde mir klar: Die Leute hier wissen nicht, auf was sie sich bei einer Flucht einlassen. Mit der Hilfe von Misereor gründete ich die “ African Development Organisation for Migration“.  AFDOM will den Leuten zuhause helfen. Und das funktioniert nur durch Ausbildung. Die Leute müssen eine Perspektive finden, die sie in ihrer Heimat hält. Eine Chance, sich hier ein Leben aufzubauen.

Aminu Munkaila, 39, gründete die Organisation “African Development Organisation for Migration” ( AFDOM )

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Mehr zum Thema Flucht…

.. in unserem Onliner-Dossier: Flüchtlingsarbeit – den Weg bereiten aus Angst und Not

Autor:

Julia Frielinghausen

Julia Frielinghausen arbeitet als Online-Redakteurin bei MISEREOR. Dort ist sie u.a. für den Bereich Soziale Medien zuständig.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. ..das ist wirkliche Flucht-URSACHEN-Bekämpfung; danke!

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