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Vale ist verantwortlich für Brasiliens schlimmste ökologische Bergbau-Katastrophe

Redebeitrag von Maíra Sertão, Mitarbeiterin der brasilianischen MISEREOR- Partnerorganisation „Articulação Internacional dos Atingidos pela Vale“ (Internationales Netzwerk der vom Bergbaukonzern Vale Betroffenen) während der Rohstoffkonferenz des Umweltbundesamts „Raw Materials and Environment“ am 19. Februar 2019 in Berlin.

Maíra Sertão, Mitarbeiterin der brasilianischen MISEREOR- Partnerorganisation "Articulaço Internacional dos Atingidos pela Vale"
Maíra Sertão, Mitarbeiterin der brasilianischen MISEREOR- Partnerorganisation „Articulaço Internacional dos Atingidos pela Vale“

„Mein Name ist Maíra Sertão, ich komme aus Brasilien und gehöre zum Internationalen Netzwerk der Vale-Betroffenen.

Unser Netzwerk macht Menschenrechtsverletzungen, die von dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale überall auf der Welt begangen werden, bekannt. Seit 2010 haben wir viele Fälle von Menschenrechtsverletzungen durch Vale dokumentiert. Das macht uns zur Zielscheibe von Angriffen durch Vale: der Konzern spioniert uns aus und kriminalisiert uns, weil wir seine Praktiken offenlegen und kritisieren.

Seit 2010 berichten wir alljährlich bei der Jahreshauptversammlung der Aktionäre von Vale von Missständen und Menschenrechtsverletzungen in Vale-Minen in Brasilien und anderswo auf der Welt. Doch man wollte uns nie wirklich hören.

Vale ist verantwortlich für Brasiliens schlimmste ökologische Katastrophe im Zusammenhang mit Bergbau: im November 2015 brach in der Nähe der Stadt Mariana der Damm eines Rückhaltebeckens für Minenschlämme einer Eisenerzmine von Vale und setzte eine riesige Schlammwelle frei, die 19 Menschenleben forderte und das Flusstal des Rio Doce auf einer Länge von mehr als 650 km verschmutzte. Jetzt – drei Jahre später – ist Vale verantwortlich für einen weiteren Dammbruch eines Rückhaltebeckens für Minenschlämme. Der Dammbruch von Brumadinho ist weltweit der schlimmste seit 35 Jahren – mehr als 300 Menschen verloren dabei ihr Leben.

Die laufenden juristischen Untersuchungen zeigen, dass Vale die Risiken des Dammbruchs kannte und dass es seine machtvolle Position nutzte, um das deutsche Unternehmen TÜV-SÜD unter Druck zu setzen, damit es die Sicherheit des Damms attestierte, obwohl es diesbezüglich große Bedenken gab.

Nach diesem zweiten Dammbruch innerhalb von drei Jahren ist offensichtlich, dass es sich hier nicht um „Unfälle“ handelt, sondern dass diese Dammbrücke Ausdruck von einem fehlerhaften System sind. Die TÜV-Mitarbeiter, die die Sicherheit des Damms bescheinigten, sagten aus, dass sie von Vale unter Druck gesetzt wurden, den Prüfbericht zu unterzeichnen und somit die Sicherheit des Damms zu attestieren. Sie sagten auch, dass diese Art von Druck im Bergbausektor üblich ist.

Nach dem Dammbruch von Brumadinho werden jetzt viele Dämme von Rückhaltebecken eilig inspiziert. Viele Prüfunternehmen, die – wie TÜV-SÜD – früher ihren Stempel unter die Prüfberichte setzten, tun das jetzt nicht mehr, weil sie nicht mehr die Verantwortung für die Risiken übernehmen wollen. Somit treten die Mängel an den Dämmen jetzt offen zutage und Vale muss die Gemeinden in der Nähe der Dämme evakuieren. Die Fehler im System treten jetzt offen zutage.

Vale ist der größte Exporteur von Eisenerz in der Welt. Praktisch die gesamte Produktion von Vale wird in andere Länder exportiert – so zum Beispiel auch nach Deutschland -.

Deutschland ist der viertwichtigste Handelspartner von Brasilien. 55% des Eisenerzes, das Deutschland importiert, kommen aus Brasilien. Ein großer Teil dieses Eisenerzes wird in Deutschland in der Automobilindustrie verarbeitet, im Bausektor order in anderen Industrien.

Es ist unabdingbar, dass alle diese Industrien Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette übernehmen. Internationale Handelspartner und Investoren von Vale müssen mehr Verantwortung übernehmen und effektiver Druck ausüben auf Konzerne, die in ihrer Produktion Menschenrechtsverletzungen begehen oder die Umwelt verschmutzen.  Dies darf kein freiwillige Akt sein, der auf dem guten Willen jedes Unternehmens beruht, sondern muss durch entsprechende Gesetzgebung in den rohstoffimportierenden Ländern geregelt werden.

Freiwillige Standards und Zertifizierungen sind aus unserer Sicht keine wirksamen Instrumente, um Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Vale hat verschiedene Standards unterzeichnet und sogar Preise für die Umsetzung gewonnen – aber ganz offensichtlich wurden die Tragödien von Mariana und Brumadinho dadurch nicht verhindert werden.  Unser Eindruck ist, dass diese Instrumente den Bergbaukonzernen dabei helfen, ihr Image zu verbessern, aber sie ändern nichts an den fehlerhaften Strukturen. Zertifizierungen und freiwillige Standards sind keine Garantieren in einem Sektor, der Null Toleranz erlaubt.

Was vor  drei Jahren in Mariana passierte, ist längst noch nicht aufgearbeitet: die Verantwortlichen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen, die Opfer warten immer noch auf Entschädigung. Strukturell hat sich seitdem nichts verbessert. Jetzt sind wir mit einer neuen Tragödie konfrontiert, die das Leben der Menschen in der Gemeinde Brumadinho für immer verändert hat. Wir brauchen dringend strukturelle Veränderungen. Die Dinge müssen sich ändern, um derer Willen, die beim Dammbruch von Brumadinho ihr Leben verloren haben und um derer Willen, die nach dem Dammbruch in Angst und Schrecken leben.

© picture alliance

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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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