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Zentralamerika: Eine Region unterm Radar

„Die Solidarität der Menschen“, „die nicht unterzukriegende Hoffnung der Leute“, „die Solidarität miteinander“, sind nur einige der Antworten auf meine Frage, was das Schöne an den Ländern Zentralamerikas ist, die ich Anfang des Jahres 2019 drei Wochen bereiste.

Armenviertel in San Salvador in El Salvador. © Schwarzbach | MISEREOR
Armenviertel in San Salvador in El Salvador. © Schwarzbach | MISEREOR

Dieser schmale Streifen Erde, der Nord- mit Südamerika verbindet, wird selten wahrgenommen. Und wenn, dann erhalten sie wegen der anhaltenden Korruption, der extremen Gewalt, politischer Unterdrückung, oder wie zuletzt, der massiven Migrationsbewegungen in Richtung USA Aufmerksamkeit. Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua werden bisweilen sogar als shithole countries bezeichnet. Damit werden pauschal ganze Bevölkerungen in Misskredit gebracht. Die vielen positiven Potentiale, die Herzlichkeit der Menschen, die wunderschöne Natur, finden dabei so gut wie keine Erwähnung. Mit der Fastenaktion 2019 stellt MISEREOR dem die positiven Erfahrungen aus El Salvador entgegen, ohne dabei den schwierigen Kontext des Landes zu ignorieren.

Gewalttätige Lebensverhältnisse

Und die Kontextbedingungen in den Ländern sind wahrlich extrem, allen voran ist dabei die irrationale Gewaltsituation zu nennen. Jugendbanden bekriegen sich untereinander, schikanieren die Zivilbevölkerung und liefern sich Auseinandersetzungen mit staatlichen Sicherheitskräften. Ich habe Jugendliche getroffen, die auf dem Weg nach Costa Rica oder Kanada sind, da ihr Leben bedroht wird. Sie haben öffentlich die Gewaltsituation angeprangert und sind damit selbst zu Opfern geworden. Zudem treffe ich Jugendliche, die Opfer von Polizeigewalt geworden sind, allein aufgrund der Tatsache, Jugendliche zu sein und potentiell zu einer Bande gehören zu können. Hinzu kommt die hohe Gefahrensituation für Menschenrechtsverteidiger in Honduras und Guatemala. Legitimer Protest wird kriminalisiert, Menschenrechts- und Umweltorganisationen diffamiert und Aktivisten werden als Terroristen sowie Gefahr für die öffentliche Ordnung dargestellt. „Ohne Polizeischutz kann ich das Haus nicht mehr verlassen, ich musste umziehen und meine bisherige Tätigkeit aufgeben“, berichtet mir ein Anwalt. Aufgrund seiner Arbeit für marginalisierte Stadtbevölkerung entgegen übergeordneter politischer und ökonomischer Interessen, ist ein Mordattentat auf ihn verübt worden.

Politische Unterdrückung in Nicaragua und Migration als Protest

Nicaragua galt lange Zeit als Ausnahmeerscheinung in Zentralamerika. Entgegen der regionalen Entwicklung, galt das Land als weitestgehend sicher. Doch als im April vergangenen Jahres die Menschen gegen geplante Sozialreformen auf die Straße gehen, wird der Protest gewalttätig beendet. Mehrere Monate liefern sich Protestierende Auseinandersetzungen mit Polizei, Militär und paramilitärischen Gruppierungen. Dabei gab es zahlreiche Tote, viele Protestierende sitzen noch immer in Haft und regimekritische Menschen haben das Land aufgrund von Schikane und Verfolgung verlassen. „Sei vorsichtig mit deiner Tasche, die Polizei könnte das Missverstehen“ sagt mir eine Passantin. Meine Tasche ist blau und weiss, die Farben der Nationalflagge Nicaraguas, die zum Symbol des Protestes geworden ist und seitdem nur noch selten im öffentlichen Raum zu sehen ist.

„Letztlich sind die Karawanen von Migrantinnen und Migranten ein verkleideter Protest gegen die Lebensverhältnisse hier“, sagt Padre Melo von der Menschenrechtsorganisation ERIC in Honduras. „Die Menschen protestieren damit gegen die staatliche Willkür und prekären Lebensverhältnisse, die die Region beherrschen.“

Hoffnungsschimmer überall

Jugendliche in einem MISEREOR-geförderten Projekt in El Salvador. © Schwazrbach | MISEREOR
Jugendliche in einem MISEREOR-geförderten Projekt in El Salvador. © Schwazrbach | MISEREOR

Doch zurück zu den positiven Dingen: Während der drei Wochen in Zentralamerika durfte ich eine Reihe von jungen Menschen kennenlernen, die sehr engagiert sind. Trotz der prekären Lage in der Region nehmen sie ihr Leben in die Hand. Junge Menschen auf dem Land, die mit Begeisterung an Fortbildungen zur agrarökologischen Landwirtschaft teilnehmen und voller Stolz ihre vielfältigen Parzellen vorzeigen. Ich habe Organisationen kennengelernt, die den Dialog mit staatlichen Organisationen suchen und gemeinsam mit Richterinnen und Richtern gegen die ausufernde Gewalt gegen Frauen kämpfen. Zudem habe ich mit Menschen gesprochen, die sich in lokalen Komitees organisieren und lokale Politiker dazu drängen, Projekte für das Allgemeinwohl umzusetzen. All diese Begegnungen machen Hoffnung, dass sich die Lebensverhältnisse für die Menschen zum besseren ändern und Frieden in Zentralamerika einkehrt.

Über den Autor: Dominik Pieper arbeitet in der Lateinamerikaabteilung bei MISEREOR.


Mehr zur Fastenaktion…

Zur Website misereor.de/fastenaktion >

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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