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Südafrika: Warum Frauen gegen Kohleminen kämpfen

In Brüssel haben wir Samantha Hargraves aus Südafrika getroffen. Sie arbeitet für WOMIN, ein afrikanisches Bündnis von Organisationen, die Frauen in elf Ländern in ihrem Widerstand gegen Großprojekte unterstützt.


Samantha Hargraves (l) traf unsere Energieexpertin Kathrin Schroeder in Brüssel

Samantha, welchen Stellenwert hat Kohle in Südafrika?

Südafrika gewinnt 90 % seiner Energie aus Kohle. Also haben wir ein sehr kohlezentriertes Energiesystem. Und viele der negativen Auswirkungen der Kohle – sei es beim Abbau, beim Transport als auch bei der Verbrennung – wirken sich besonders auf Frauen aus.

Welche Auswirkungen hat die Kohlenutzung?

Die Auswirkungen reichen von Beeinträchtigung der Landwirtschaft über Land-Enteignungen, bis hin zu sehr starker Umweltverschmutzung. Kohleminen und -Kraftwerke verschmutzen Wasser und verursachen Gesundheitsprobleme – vor allem Atemwegserkrankungen wie Asthma.

Mondlandschaft einer verlassenen Mine in Südafrikas Kohlerevier. MISEREOR/Nkosi

Warum betrifft das besonders Frauen?

Aufgrund der traditionellen Arbeitsteilung leisten Frauen den Großteil der Sorgearbeit. Wenn ein Familienmitglied krank ist – sei es ein Arbeiter oder ein Kind – steigt die unbezahlte Arbeit durch Frauen stark an.

Außerdem gibt es in den Kohlegebieten viel Zuwanderung von männlichen Arbeitern. Das verändert die Zusammensetzung der Gemeinden. In der Provinz Limpopo sind so aus Bauerndörfern große Wellblech-Siedlungen geworden.

Die Menschen verlieren ihre Identität, ihre Verbindung zum Land, ihre Möglichkeiten, für sich selbst zu sorgen. Und dadurch entstehen viele soziale Probleme. Es gibt starke Drogen- und Alkoholprobleme, denn viele Menschen haben trotz der Minen keine Arbeit. Und es gibt viel Gewalt. Frauen werden durch Vergewaltigung, durch Gruppenvergewaltigung oder sogar Mord bedroht.

In den Wellblechsiedlungen der Kohleregionen herschen, Wassermangel, Armut und Gewalt. Photo: Oupa Nkosi

Wie arbeitet ihr?

Wir möchten Frauen dabei unterstützen, sich selbst zu organisieren und für sich selbst zu sprechen. Wir arbeiten an neun Orten in unterschiedlichen Regionen Südafrikas, wo Frauen gegen Kohleabbau und Kohlekraftwerke kämpfen.

Ein Teil unserer Arbeit ist, Räume für Frauen zu schaffen, wo sie sich treffen können. Diese Räume sind sehr wichtig für den Austausch, um voneinander zu lernen und gemeinsam Ideen zu entwickeln.

In der Provinz KwaZulu Natal haben wir zum Beispiel Frauen, die gegen eine geplante Kohlemine protestiert haben, mit Frauen zusammengebracht, die bereits seit Jahren gegen Kohlebergbau und Kraftwerke kämpfen. Für die Frauen aus KwaZulu Natal war es wichtig zu sehen, wie es auch bei ihnen möglicherweise bald aussehen könnte, wenn das Projekt umgesetzt würde. Die Firmen kommen ja immer mit schönen Versprechungen. Aber nichts davon ist wahr und das Land der Menschen wird zerstört.

Dieses Jahr geht es vor allem in Südafrika verstärkt um energiepolitische Vorschläge an die südafrikanische Regierung. Dafür erarbeiten die Frauen aus unserem Netzwerk Prinzipien und Leitlinien für ein anderes Energiesystem, das gerechter ist für Frauen und ihnen Zugang zu Energie ermöglicht. Denn unser derzeitiges Energiesystem liefert den Strom vor allem für große Unternehmen und an die Mittelklasse, nicht aber an normale Leute, die vor allem die Kosten unseres Energiesystems tragen. Sie haben keine Vorteile davon.

Demonstration gegen Südafrikas Kohleindustrie in Johannesburg. Foto: MISEREOR/Nkosi

Welche Chancen hat Widerstand?

Wir haben leider nicht sehr viele Beispiele aus Südafrika, wo der Widerstand erfolgreich war. Ein interessantes Beispiel gibt es aus Newcastle in KwaZulu Natal. Dort waren die Menschen so verärgert über die Auswirkungen der Mine und die Enteignungen, dass sie so stark protestiert haben, dass die Mine geschlossen wurde. Das ist aber sehr außergewöhnlich!

Ein jüngeres Beispiel ist ein Titanbergwerk an der Küste von Eastern Cape, wo die Menschen im Dorf Xolobeni seit 12 Jahren gegen das Bergwerk protestieren. Die Gemeinde hat bei ihrer Klage am höchsten Gerichts in Südafrika Recht bekommen. Das Gericht hat klargestellt, das wenn Bergbau auf dem Land der Gemeinde betrieben werden soll, dies nur mit der Einwilligung der Gemeinde geschehen darf. Das ist ein sehr wichtiges Urteil, das weit über Südafrika hinaus Wirkung zeigen wird.
Die südafrikanische Regierung ist dadurch jetzt ziemlich nervös und versucht, das Urteil zu umgehen. Das sind übliche Konflikte bei uns.

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Autor:

Marianne Pötter-J.

Marianne Pötter-J. arbeitet als Referentin für Kommunikation und Politik bei MISEREOR. Sie bloggt über interessante Begegnungen und Kampagnen.

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