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Nachgefragt: Wie stellst du dir einen sozial-ökologischen Wandel vor?

Wir stehen vor einer Vielzahl an drängenden sozialen und ökologischen Herausforderungen, die uns zur Verantwortung ziehen, einem Wandel mit Offenheit zu begegnen. Darüber möchten wir uns während der diesjährigen MISEREOR-Jahrestagung zum Thema „Sorge für das gemeinsame Haus – Ökologie und Menschenrechte“ austauschen, Orientierung schaffen und Hoffnung verbreiten. Wir haben Fragen vorbereitet, die inspirieren und zum Austausch einladen!

Foto: Lippoth/MISEREOR

Bei welchen Strecken benutzt du keine öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad? Und warum?

Fast 95% der Treibhausemissionen des Verkehrssektors entstehen durch Pkw und Lkw. Trotz technischen Fortschritts bezüglich des CO₂–Ausstoßes pro Fahrzeug, gingen die Emissionen durch den Gebrauch von Pkws und Lkws in den letzten Jahren nicht merklich zurück. Die technische Verbesserung wurde durch den Anstieg des Verkehrs weitestgehend kompensiert. Heute kommen auf 100 Haushalte in Deutschland etwa 102 Pkws, im Jahr 2000 betrug die Zahl noch 95. Dabei kann durch eine Veränderung der Mobilität besonders viel für das Klima bewirkt werden, man selbst nutzt seine Zeit sinnvoll und oft kommt man sogar günstiger ans Ziel.

Welche Veränderungen wünschst du dir im Bereich Mobilität, damit du dein Auto auch öfter stehen lässt?

Foto: Paasch/MISEREOR

Nach welchen Kriterien  entscheidest du beim Einkaufen?

Umweltschutz, Gesundheit, Gerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit. Alle vier Kategorien sind für eine nachhaltige Ernährung von Bedeutung. Darunter fallen Kriterien wie eine ökologische Erzeugung, die Minimierung von Schadstoffbelastung und Abfall, ein eigenes Bewusstsein für eine gesunde Ernährung, angemessen Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Produzenten und kein Export auf Kosten der Versorgung.

Manchmal ist da die Entscheidung gar nicht so einfach. So steht man im Supermarkt und weiß nicht: Kaufe ich den biologischen GEPA-Rotwein aus Chile für 5,49 Euro oder den konventionellen Rotwein aus Rheinlandpfalz für 2,99 Euro?

Doch der erste Schritt ist, sich über die Auswirkungen seines Konsums bewusst zu werden. Der Einkauf wird somit zu einem Akt der Verantwortung aktiv an einer Veränderung hin zu einer sozial gerechteren sowie nachhaltigeren Wirtschaft mitzuwirken.

Nach welchen Kriterien suchst du deine Produkte im Supermarkt aus?

Warum fällt es uns in Deutschland so schwer Lebensmittelverschwendung zu vermeiden?

Ein Drittel aller Lebensmittel wird jährlich weggeworfen. Dafür werden fast 30% der weltweiten Agrarflächen und ein Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs verschwendet, außerdem tonnenweise CO₂-Emissionen verursacht. Das alles, obwohl etwa 800 Millionen Menschen weltweit nach wie vor an Hunger leiden. Weist das nicht deutlich auf eine Krise unseres derzeitigen Produktionsmodells hin?

In Frankreich gibt es seit drei Jahren ein Gesetz, um der Verschwendung entgegen zu wirken. Dieses verpflichtet Supermärkte, alle nicht verkauften oder unverkäuflichen Lebensmittel entweder für wohltätige Zwecke zu spenden oder als Tierfutter bzw. Kompost der Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Gewusst? Auch MISEREOR hat 2015 mit der Kampagne „Kein Essen für den Eimer“ einen Wegwerfstopp für Supermärkte gefordert. Trotz freiwilliger Initiativen von Anbietern und Verbrauchern, ist das Thema in der Politik jedoch immer noch viel zu wenig präsent.

Mit welchen Handlungen kannst du als Konsument der Verschwendung trotzdem entgegen wirken?

Ist „Gutes Leben“ käuflich?

Wir leben in einer Kultur des Konsums. Papst Franziskus beschreibt: „Während das Herz des Menschen immer leerer wird, braucht er immer nötiger Dinge, die er kaufen, besitzen und kon­sumieren kann.“ (LS 204) Er spricht von einer daraus folgenden Abkehr von unserer eigenen Freiheit.  Das darüber hinaus unsere derzeitige Konsumweise weltweit die Fundamente unserer Werte untergräbt, sollte uns zum Nachdenken bringen. MISEREOR setzt sich deswegen mit vielen weiteren Organisationen für ein Lieferkettengesetz ein, welches deutsche Unternehmen verpflichteten soll Menschenrechte und Umweltstandards auch im Ausland zu achten. Außerdem würde es Geschädigten erlauben, auch vor deutschen Gerichten zu klagen.

Vielleicht sollten wir  trotzdem unsere Konsumgewohnheiten weiter hinterfragen. Das heißt nicht, dass man komplett verzichten soll, aber man kann Prioritäten setzen. Denn warum überhaupt sehen wir Veränderungen in unseren Konsumgewohnheiten oft als Verzicht und nicht als Befreiung?

Hast du schon einmal darüber nachgedacht deine Konsumgewohnheiten zu verändern? Würde das für dich Verzicht oder Befreiung bedeuten?

Foto: Kopp/MISEREOR

Welches persönliche Erlebnis hat dir Mut gemacht, dass ein sozial-ökologischer Wandel machbar ist?

„Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen“ Das sagte die Klimaaktivistin Greta Thunberg vergangenes Jahr auf der Klimakonferenz in der polnischen Stadt Kattowitz. Auch wenn die Herausforderungen manchmal so riesig erscheinen, zeigt jeder Einsatz eine Wirkung und leistet einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit. Jeder selbst steht in der Verantwortung in seinem Alltag mit gutem Beispiel voran zu gehen. Papst Franziskus lädt darüber hinaus „dringlich zu einem neuen Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten“. (LS14)

Über die Autorin: Agnes Sieben begleitet die MISEREOR-Jahrestagung 2019 als Praktikantin in der Bildungsabteilung MISEREORs.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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