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Streiken fürs Klima in Zeiten der Krise? – Ja, genau jetzt!

Heute an diesem Freitag heißt es wieder: Zusammen mit Fridays for Future streiken fürs Klima! Diesmal – etwas ungewöhnlich – nicht auf der Straße, sondern im Netz. Banner und Plakate werden trotzdem gebastelt und in den sozialen Medien kann jeder mitmachen: #NetzstreikFürsKlima. Dieses Mal zeigen sich die Demonstrierenden auf ganz neue Weise kreativ. Online wird es sogar ein buntes Demoprogramm geben. Nicht nur deshalb ist dieser Streik so viel weniger Routine als die vergangenen Klimastreiks, die MISEREOR aktiv unterstützt hat.

Dies ist eine KRISE, kein Wandel.
© Johanna, Freiwilligendienst / MISEREOR

Denn: Ist es überhaupt angemessen, in diesen Zeiten zu streiken? Zeiten, in denen Milliarden Menschen existenziell durch das Corona-Virus und die Maßnahmen zur Begrenzung der Pandemie bedroht sind. Weil sie krank sind oder Sorge haben, es zu werden und das Gesundheitssystem sie im Krankheitsfall nicht angemessen versorgen kann. Weil sie infolge der Ausgangssperren hungern, wie so viele Menschen derzeit. Vor allem im Globalen Süden. Oder weil sie ihren Job verlieren oder nur noch einen Bruchteil ihres Einkommens beziehen?

Die Klimakrise drängt – die Warnungen der Wissenschaft sind deutlich

Ja, der digitale Klimastreik ist gerade jetzt wichtig! Denn die Klimakrise stoppt nicht, weil eine weitere Bedrohungslage hinzugekommen ist. Heuschreckenplagen in Afrika, heftige Stürme im Pazifik und nicht zuletzt der sich ankündigende erneute Dürre-Sommer in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache. Die Wissenschaft warnt unmissverständlich, dass sich das Zeitfenster zur Bewältigung der Klimakrise schließt. Klimaschutz und die Unterstützung zum Umgang mit nicht-vermeidbaren Klimawandelfolgen erlauben keinerlei Aufschub.

Kurzstreckenflüge nur für Insekten
© Charlotte, Freiwilligendienst / MISEREOR

„Wir befinden uns nun sowohl in einer Klima- als auch in einer Gesundheitskrise. Beide bedrohen das menschliche Leben“, sagt Yolanda Esguerra vom zivilgesellschaftlichen Netzwerk PMPI aus den Philippinen. Die MISEREOR-Partnerorganisation ist überzeugt, dass ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wandel längst überfällig ist. Ein Wandel unserer Wirtschaftsweise sowie unserer Gewohnheiten und Lebensweisen. Ein Wandel mit dem wir unsere Beziehung zur Natur neu definieren.

Wege für mehr Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit

Derzeit werden immer wieder Rufe laut, die Klimapolitik solle angesichts der Corona-Krise weiter vertagt werden. Doch sie scheinen zu verhallen. Denn die aktuelle Situation macht uns bewusst, wie angreifbar und fragil unser globalisiertes System ist, das auf kurzfristige wirtschaftliche Gewinne statt auf das Gemeinwohl der Menschen und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ausgerichtet ist.

„COVID-19 verdeutlicht die Herausforderungen, mit denen sich verletzliche Menschen konfrontiert sehen. Der Aufbau von Widerstandsfähigkeit war nie dringender“, sagt Lorna Fuller, Direktorin der Klima- und Umweltorganisation Project90-by-2030 aus Südafrika: „Genau jetzt hat die Gesellschaft die Möglichkeit umzusteuern, hin zu nachhaltigen und gerechten, kohlenstoffarmen Wirtschaftsweisen.“ Wenn jetzt die Konjunktur angekurbelt werden soll, wäre es ein erster wichtiger Schritt, die Agenda 2030 für globale Nachhaltigkeit und das Pariser Klimaabkommen als verbindliche Richtschnur zu nehmen für nationale wie auch global koordinierte Hilfspakete.

Project 90
Project90-by-2030 aus Südafrika: „Genau jetzt hat die Gesellschaft die Möglichkeit, umzusteuern.“ © Project90 / Buhle Nokoyo

Klimastreik in Nord und Süd: „Gerade wegen Corona“

Während Fridays for Future in Deutschland im Livestream und den sozialen Medien demonstrieren, organisiert auch das peruanische Klimanetzwerk MOCICC ein digitales Festival anlässlich des Klimastreikes. „Wir wollen gemeinsame Lösungen anregen und diskutieren, damit die Maßnahmen zur Bekämpfung der Krisen nicht auf Kosten der Bevölkerung, besonders der Verletzlichsten in der Stadt und auf dem Land, gehen“, erklärt Antonio Zambrano, Koordinator des peruanischen Klimanetzwerks MOCICC. Neben Webinaren, in denen Fragen zur Klimakrise beantwortet werden, wird es auch Musik und Konzerte geben. Denn auch und gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, das Leben zu feiern und aus frohen Momenten Kraft und Motivation zu schöpfen.

Act now or swim later
© Cara, Freiwilligendienst / MISEREOR

MISEREOR nimmt also nicht nur „trotz Corona“ sondern „gerade wegen Corona“ am Klimastreik teil. Wir leben in EINER Welt. Nie war den Menschen bewusster, dass sie gerechter und widerstandsfähiger werden muss. Dazu braucht es Kreativität, globalen Zusammenhalt und Tatkraft. Lassen wir die Warnungen der Wissenschaft zur Klimakrise nicht ein weiteres Mal ungehört. Wir haben das Wissen und die Möglichkeiten, etwas zu verändern: also packen wir es an!


Machen Sie mit! Zum Digitalen Klimastreik: https://www.klima-streik.org/ und hier geht’s zum Livestream!

Autorinnen

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Armutsbekämpfung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen.

Clara-Luisa Weichelt arbeitet als Referentin für Nachhaltige Stadtentwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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