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Petra läuft für Stadtgärten in Bolivien und Brasilien

Im Frühjahr 2020 war ich drei Wochen lang „für MISEREOR“ zu Fuß unterwegs: zur Unterstützung der Corona-Nothilfe. 36 Sponsoren, 22 Wandertagen und 306 Kilometern betrug die phänomenale Spendensumme am Ende 7.080,40€. Auch in diesem Jahr bin ich wieder unterwegs und laufe diesmal für Stadtgärten in Brasilien. Wie es mir dabei ergeht, könnt ihr in meinen Beiträgen lesen:

Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung © Petra Gaidetzka

14. April 2021

Auch meine zweite Wanderwoche gestaltete sich abwechslungsreich: Sonne, Schnee, Regen und Graupel folgten schnell aufeinander und ein lebhafter Wind blies mir um die Nase. Drei Dinge sind beim Wandern wichtig: Ausrüstung, Schuhwerk und Moral. Die Ausrüstung muss wetterfest sein, das Schuhwerk wasserdicht. Und die Moral – die steigt von Tag zu Tag, so wie ja auch ein Fußball-Team im Turnier mit jedem Spiel besser wird (ausgenommen die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2018).

Klosterruine Heisterbach im Siebengebirge: „Gelobt seist du, mein Herr, durch jegliches Wetter“ – manchmal auch durch strahlenden Sonnenschein! © Petra Gaidetzka

Gelobt seist du, mein Herr, durch jegliches Wetter!“

Ich schrieb bereits, dass ich das Wandern auch ein wenig als Meditationsübung verstehe – Geh-Beten nenne ich das. Wenn sich der Himmel wieder einmal innerhalb weniger Minuten zuzog und die ersten Hagelkörner fielen, kam mir oft der Sonnengesang des Hl. Franz von Assisi in den Sinn. Besonders die vierte Strophe:

Gelobt seist du, mein Herr!

Durch Bruder Wind und die Luft,

durch bewölkten und heiteren Himmel und jegliches Wetter;

so erhältst du deine Geschöpfe am Leben.

„Gelobt seist du, mein Herr, durch jegliches Wetter“, wurde geradezu zu meinem Mantra, zum Beispiel auf der zweiten Etappe des Krönungsweges von Kornelimünster nach Zweifall, die von intensivem Regen begleitet wurde. Ich schwamm sozusagen durch den Wald und nahm seine Farben – Braun und Ocker, Grün in allen Schattierungen, Gelb und Rostrot, Grau und Schwarz – verstärkt wahr. Der Matschfaktor ist an solchen Tagen hoch. Abends wird die Wanderhose eingeweicht, am nächsten Tag die zweite Garnitur angezogen – und auf geht es zur nächsten Tour: durch das Vichtbachtal oder den Öcher Bösch am Kupferbach entlang, von Einruhr über die Eifelhöhen nach Dedenborn und von Abenden durch den Kühlenbusch zur Burg Nideggen…

Abenden im Rurtal unter einem apriltypisch dramatischen Himmel. © Petra Gaidetzka

Das Paradies liegt sozusagen vor der Haustür, an jeder Wegkehre öffnen sich neue Perspektiven und der kleinste Sonnenstrahl wird freudig begrüßt.

Auch Umwege führen zum Ziel

Das Paradies liegt vor der Haustür, aber wie es nun einmal so ist im Paradies: Dort lauert auch immer eine Schlange, die einen auf Irrwege führt. Diese Schlange versteckt sich zum Beispiel in manchmal missverständlichen Routenbeschreibungen oder sie hat mutwillig einen Wegweiser umgedreht. An der krummen Birke soll ich links abzweigen, sagt der Eifel-Wanderführer – doch ein solcher Baum ist nirgends zu sehen; wahrscheinlich inzwischen gefällt. Vor einer roten Bank auf einen Graspfad abbiegen – die Bank hat ihre Farbe längst verloren und der Pfad ist überwuchert. Der Wegemarkierung „12“ folgen – doch der Eifelverein hat die Route neu beschildert und ältere Wegzeichen entfernt. Das passiert ständig. So gerät man immer wieder auf Abwege, muss umkehren, den Weg neu suchen, dem eigenen Orientierungssinn mehr vertrauen als dem geschriebenen Wort.

Auf Um- und Irrwegen unterwegs bei Nideggen: „Zwei Brüder“ heißen diese beiden gewaltigen Buntandsteinfelsen unterhalb der Burg. © Petra Gaidetzka

Die zusätzlichen Strecken verbessern meine Kondition und die Kilometerbilanz des Tages. Oft denke ich, wenn ich wieder einmal einen Umweg gegangen bin, an die Arbeit der MISEREOR-Partner, die ich ja mit meiner Aktion unterstützen möchte: Da führt auch nicht immer der gerade Weg schnellstmöglich zum Ziel – stattdessen muss ausprobiert und nachjustiert werden, mancher Plan erweist sich als Sackgasse und dann kehrt man eben um und versucht es auf andere Weise. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie kreativ und hartnäckig unsere Partner sind und dass sie sich auch von widrigen Umständen nicht unterkriegen lassen. Genauso wenig wie die Menschen, für die und mit denen sie arbeiten. Das motiviert mich, ebenfalls nicht aufzugeben und den Weg neu zu suchen, wenn ich ihn einmal verloren habe.

Lohnenswert: eine Wanderung über die Stolberger Kupferroute und ein Gang durch die Stolberger Altstadt. © Petra Gaidetzka

So wie unsere Partner – zum Beispiel in Bolivien, in Brasilien und anderswo – auf die Pandemie-Situation flexibel reagieren: Durch die corona-bedingten Beschränkungen, Kontakt- und Ausgangssperren können die Projektaktivitäten oft nicht so durchgeführt werden, wie sie geplant waren, aber man passt sich an die Rahmenbedingungen an. Man schaut, was geht und was die Menschen jetzt am nötigsten brauchen. Das kann die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Schutzausrüstung sein – in indigenen Sprachen wird über die elementaren Selbstschutzmaßnahmen informiert – oder es werden sogar Sauerstoffgeräte organisiert. Denn das öffentliche Gesundheitswesen ist vielerorts bereits am Ende seiner Kapazitäten angelangt.

Deshalb wandere ich bei jedem Wetter weiter, auch wenn zwischendurch einmal ein Muskel ziept. Nach Tag 14 sind bereits 171 Kilometer gelaufen, zwölf Wandertage liegen noch vor mir. Ich freue mich über jede Art von Unterstützung – auch ideeller Art – und bedanke mich herzlich bei meinen Sponsorinnen und Sponsoren!

Besucht gerne meine Aktionsseite: Eigene Spendenaktion starten | MISEREOR

Auf der Seite Spendenprojekt Brasilien-Bolivien – Landwirtschaft | MISEREOR erfahrt ihr mehr über „mein“ Projekt – „Landwirtschaft in der Stadt“ in bolivianischen und brasilianischen Großstädten – und könnt zwei Filme darüber anschauen.


7. April 2021

Rückblick: Im Frühjahr 2020 war ich drei Wochen lang „für MISEREOR“ zu Fuß unterwegs: zur Unterstützung der Corona-Nothilfe und der Fastenkollekte, die durch den Corona-Shutdown ins Wasser zu fallen drohte. 36 Sponsoren honorierten meine Wanderleistung. Nach 22 Wandertagen und 306 Kilometern betrug die phänomenale Spendensumme am Ende 7.080,40€!

Ein Jahr später befinden wir uns immer noch mitten in der Pandemie. Als die Ostertage näherrückten, meldeten sich einige Sponsoren aus 2020 bei mir und fragten: „Petra, schnürst du auch diesmal wieder die Wanderschuhe? Wann legst du los? Und können wir wieder mitmachen?“

Nach kurzem Nachdenken habe ich mich für eine Neuauflage der Wanderaktion entschieden. Allerdings gibt es einen kleinen, feinen Unterschied zum letzten Jahr: Diesmal laufe ich für ein konkretes Projekt. Zusammen mit meinen Sponsoren möchte ich das Stadtgärtnern in El Alto/Bolivien und verschiedenen brasilianischen Großstädten unterstützen. Auf meiner Aktionsseite, die ich hier verlinkt habe: Eigene Spendenaktion starten | MISEREOR und auf der Seite Spendenprojekt Brasilien-Bolivien – Landwirtschaft | MISEREOR kann man mehr darüber lesen.

Urban Gardening: Landwirtschaft in der Stadt © Petra Gaidetzka

Einkommen sichern und Gesundheit stärken mit Urban Gardening

„Urban Gardening“ liegt weltweit im Trend. In Ecuador habe ich es 2014 während einer Dienstreise kennengelernt und auch bei uns in Deutschland findet das Stadtgärtnern immer mehr Freunde. Auf kleinstem Raum bauen Menschen aus Armenvierteln in Brasilien und Bolivien Obst und Gemüse an: im eigenen Hinterhof, auf Brachen oder an Straßenecken. So verbessern sie die Ernährung ihrer Familien und mit dem, was sie nicht selbst verbrauchen, können sie ein kleines Zusatzeinkommen erwirtschaften. Besonders in Corona-Zeiten ist das eine wichtige Einkommensquelle, da viele andere Möglichkeiten weggebrochen sind. Außerdem haben Menschen, die chronisch mangelernährt sind, dem Virus wenig entgegenzusetzen. Auch hier zahlt sich der positive Effekt des Urban Gardening aus.

Auf dem Laufenden bleiben beim Spendenlauf

Und es gibt noch einen weiteren, nicht gerade kleinen Unterschied bei meiner Spendenwanderung im Vergleich zum letzten Jahr: Damals startete ich mit 14 Sponsoren; nach und nach kamen weitere 22 hinzu. Nun sind es gleich zu Anfang 37, die ich jeden Abend mit meinem Wanderbericht per WhatsApp oder E-Mail auf dem Laufenden halte. Und es dürfen gern noch mehr werden! Wer interessiert ist, kann über meine Aktionsseite spenden oder sich auch direkt bei mir melden, um das „tägliche Wanderbulletin“ anzufordern: gaidetzka[at]t-online.de.

Unterwegs bei jedem Wetter

Der dritte, auch nicht gerade kleine Unterschied, ist (leider) das Wetter: Man wird sich erinnern, dass der Frühling 2020 wettermäßig einfach gigantisch war (allerdings auch viel zu trocken) – bei angenehmen Temperaturen und strahlend blauem Himmel wandert es sich natürlich ganz anders als bei Schneeregen und schneidendem Wind. Nachdem der Frühling in der Karwoche 2021 ein kurzes Gastspiel gab, ist nun der Winter zurückgekehrt und wenn man den Meteorologen glauben darf, wird er uns und damit auch mir auf meinen Wanderungen bis über die Monatsmitte hinaus treu bleiben. Doch das wird mich nicht vom Wandern abhalten, es grenzt nur meinen Bewegungsradius etwas ein.

April 2021: Blütenpracht mit Schneehaube © Petra Gaidetzka

Unterwegs auf dem Krönungsweg von Aachen nach Bonn

In diesem Jahr plane ich unter anderem die zehn Etappen des Krönungsweges zu gehen. Dieser nördlichste Ost-West-Weg des Eifelvereins vollzieht den Weg nach, den die deutschen Könige des Mittelalters bis zu ihrem Krönungsort, der Aachener Marienkirche, zurücklegten. Eigentlich ist der Startpunkt Bonn; ich werde den Weg jedoch andersherum gehen und habe bereits die erste Etappe von Aachen nach Kornelimünster zurückgelegt. Es hat etwas Meditatives, bei dichtem Schneetreiben durch den Wald zu wandern! Heute werde ich allerdings durch die zunehmend sibirischer werdenden Wetterverhältnisse ausgebremst – denn die zweite Etappe hätte mich nach Zweifall in der Eifel geführt und es ist ungewiss, ob die Busverbindung Zweifall-Stolberg-Aachen nicht dem Schneechaos zum Opfer fällt. Daher wird heute eine kleinere Wanderung an die Stelle der zweiten Krönungsweg-Etappe treten. Aber gewandert wird jeden Tag: vor meiner eigenen Haustür, im Wurm- und Indetal, in der Voreifel, überall da, wo sich schöne Wege entdecken lassen. Denn wie heißt es so treffend: Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung!

Auf dem Krönungsweg des Eifelvereins © Petra Gaidetzka

Wandern im „Geh-Bet“

Streckenweise gestalte ich meine Wanderung als Geh-Bet. Dabei begleitet mich ein kleines Büchlein, das mich schon seit ein paar Jahren inspiriert: „Wie Beten geht, wenn man geht“ – es ist ein Wegweiser, wie sich die sportliche und die spirituelle Dimension beim Wandern verbinden lässt, im Sinne einer ganzheitlichen „Body-and-Soul-Fitness“.


Gehmeditation ist kein Mittel zum Zweck. Sie ist selbst der Zweck. Jeder Schritt ist Leben, jeder Schritt ist Frieden und Freude.“

Thích Nhåt Hanh

Beim Wandern kann ich die Menschen in Bolivien und Brasilien, die durch das Projekt „Landwirtschaft in der Stadt“ eine wirtschaftliche Perspektive erhalten, ins Gebet – oder besser: „Geh-Bet“ – nehmen. Und natürlich alle, die mich virtuell begleiten: meine Sponsoren, Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, alle, die mich finanziell oder moralisch unterstützen.


Spendenwanderung unterstützen

Hier geht es zur Spendenaktionsseite von Petra Gaidetzka ►

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Du schreibst so schön: Alle Wetter!
    Jetzt muss ich aber doch noch eine Kleinigkeit für Boliviens Urban Gardening.

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