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Menschenrechte in Kamerun: UNESCO-Auszeichnung für Partnerorganisation

In Kamerun wurde die MISEREOR-Partnerorganisation Action Locale pour un Développement Participatif et Autogéré (ALDEPA) am „Internationalen Tag des Sports für Entwicklung und Frieden“ von der UNESCO-Kommission mit einem Preis für ihr Engagement zur Förderung von sozialer Gleichheit und Frieden ausgezeichnet. Anlässlich der Verleihung sprach Frank Kahnert, Leiter der Dialog- und Verbindungsstelle Tschad, mit Marthe Wandou, der Koordinatorin von ALDEPA, in der Stadt Maroua, im Norden Kameruns.

Kamerun ALDEPA UNESCO Preis
Marthe Wandou von ALDEPA nimmt den Preis der UNESCO entgegen. © ALDEPA

Herzlichen Glückwunsch, liebe Marthe, Ihr Verein hat gerade einen Preis der UNESCO gewonnen. Können Sie uns sagen, wofür Sie ausgezeichnet wurden?

Marthe Wandou: Seit der Gründung im Jahr 1998 kämpft ALDEPA für die Menschenrechte in Kamerun. Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf den Norden. Das ist die ärmste Region mit der geringsten Bildungsquote. Nur 40% der Mädchen gehen hier zur Schule! Viele Menschen haben nicht einmal eine Geburtsurkunde. In den letzten Jahren waren die Angriffe von Boko Haram verheerend: Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Wasserstellen und sogar ganze Dörfer sind zerstört worden. Boko Haram hat Väter getötet, und deren Frauen und Kinder sind die größten Opfer: Sie sind traumatisiert und haben keine Ressourcen und keinen Zugang zu Land. Es sind die Frauen, die nun die Familie ernähren müssen; eine Rolle, auf die sie kulturell nicht vorbereitet sind.

Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie persönlich und für Ihr Team?

Marthe Wandou: Es ist eine große Genugtuung für uns, dass unsere Arbeit anerkannt wird. Es war eine große Überraschung: Zwar hatten wir schon mit Organisationen der Vereinten Nationen zusammengearbeitet, noch nie aber mit der UNESCO oder dem kamerunischen Sportministerium, die uns nun diesen Preis verliehen haben.

Worin besteht die Arbeit Ihres Vereins?

Marthe Wandou: Wir kämpfen dafür, gefährdeten Frauen und Kindern sowie denjenigen, die die Gewalt von Boko Haram überlebt haben, eine Zukunft zu geben. Die Opfer werden in Schneiderei, Schreinerhandwerk, Automechanik oder Informatik ausgebildet, damit sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. Aber wir tun auch viel, um das Zusammenleben zu stärken. Wissen Sie, im Norden Kameruns leben Muslime, Christen und Animisten. Junge Menschen lernen, interreligiöse Spannungen in ihren Gemeinden abzubauen. Wir schulen aber auch Richter, Polizisten und Sozialarbeiter in Jugendrecht sowie im Schutz von Kindern.

Partner ALDEPA Kamerun
In einer von ALDEPA geförderten Werkstatt können junge Frauen das Schneidern erlernen und so ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen. © ALDEPA

Wie hat MISEREOR Sie bisher unterstützen können?

Marthe Wandou: Dass wir den UNESCO-Preis erhalten haben, verdanken wir auch Ihnen. MISEREOR ist seit 2012 ein treuer Partner für uns. Mit dem Projekt, das Sie fördern, schützen wir Kinder, verhindern sexuelle und sexualisierte Gewalt und kümmern uns in rund 20 Gemeinden der Region Extrême-Nord um die Opfer. Mädchen sind am häufigsten betroffen. Wir profitieren zudem sehr von der MISEREOR-Dialog- und Verbindungsstelle im Tschad: regelmäßige Besuche sowie Workshop-Angebote für uns und andere Partnerorganisationen in der Region, zum Beispiel zu den Themen Advocacy-Arbeit und Kinderschutz, unterstützen unsere Arbeit nachhaltig.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen für ALDEPA?

Marthe Wandou: Abgesehen von den Organisationen liegt die größte Herausforderung in der Vulnerabilität junger Frauen. Schon die Tradition im Norden Kameruns spielt gegen sie. Mädchen werden im Alter von 13 oder 14 Jahren verheiratet, mit schwerwiegenden Folgen für ihre Gesundheit und ihr gesamtes Leben. Boko Haram hat alles nur verschlimmert. Können Sie sich vorstellen: Einige der entführten Mädchen wurden vergewaltigt, aber wenn sie es schaffen, in ihre Gemeinschaft zurückzukehren, werden sie stigmatisiert! Die Leute verstehen nicht, dass man nicht über seinen Körper bestimmen kann, wenn man Opfer von Entführung geworden ist. Eine weitere Herausforderung: Wegen der Gefahr von Boko Haram haben wir nicht immer Zugang zu den Orten, an denen wir handeln wollen. Sie sehen: Es gibt noch so viel zu tun!

Das Interview führte Frank Kahnert, Leiter der MISEREOR-Dialog- und Verbindungsstelle Tschad.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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