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Neue Perspektiven für Kindersoldaten im Kongo

 „Das Problem der Kindersoldaten ist sehr komplex und insbesondere in der Region Haut Uele im Nordosten des Landes zerstörte eine verheerender und jahrelanger Konflikt die Gesellschaft in diesem Teil des Kongo. Darunter mussten vor allem Kinder am meisten leiden: Sie haben ihre Eltern verloren, sie haben die Schule abgebrochen, und genau aus diesem Grund zielen unsere Maßnahmen nicht nur darauf ab, denjenigen Hilfe zu bieten, die Kriegserfahrungen als Soldaten gemacht haben, sondern allen Kindern, die wir als besonders anfälligsten betrachten, das heißt auch diejenigen, die unter den indirekten Folgen des Krieges gelitten haben: Kinder, die verstümmelt wurden oder der Gewalt in ihren Gemeinden ausgesetzt waren“, so Pater Georges Mizingi, Leiter des Vikariats des Augustinerordens in der Demokratischen Republik Kongo, über das Projekt zur Wiedereingliederung schutzbedürftiger Kinder der Augustiner-Missionare in der Stadt Dungu.


In den letzten Jahren wurden die Einwohner von Dungu Opfer von wiederholten Übergriffen der ugandischen Lord’s Resistance Army (LRA) von Joseph Kony, bei denen unschuldige Zivilisten Opfer von Gewalt, Vergewaltigungen und Massakern wurden und Kinder entführt wurden, um sie als Soldaten in den eigenen Reihen zur rekrutieren. Schätzungsweise 30.000 Kindersoldaten wurden in diesem Gebiet des Landes rekrutiert, und viele befinden sich noch immer in den Händen verschiedener paramilitärischer Gruppen. Die meisten von ihnen sind zwischen 8 und 15 Jahre alt und 40% sind Mädchen.

„Viele Kinder stellen sich als Soldaten zur Verfügung“, so Pater Georges, „weil sie getäuscht wurden, andere, weil ein Familienmitglied getötet wurde oder Opfer des Krieges wurde. Sie beschließen daher, sich bewaffneten Gruppen anzuschließen, um sich zu rächen“. „Mit unserem Projekt“, so der Ordensmann weiter, „wollen wir die Sensibilisierung der lokalen Gemeinschaften für das Problem der Bildung und des Schutzes von Kindern fördern. „
Zusammen mit den kongolesischen Augustinermönchen wirkt die Stiftung „Fondazione Agostiniani nel Mondo“ an dem Projekt mit, das nach einer ersten Studienphase im Februar 2020 mit dem Bau eines Wohnheims begann, das heute vielen Kinder betreut und rund 100 jungen Menschen Untekunft bietet und mit täglichen Programmen und Aktivitäten mindestens 1000 junge Menschen pro Jahr begleitet.


„Im Allgemeinen kommen alle Kinder unter katastrophalen physischen, psychischen und gesundheitlichen Bedingungen in unsere Einrichtungen“, so Maurizio Misitiano, Exekutivdirektor der Stiftung, „Es kommen Kinder, deren Füße von den langen Märschen der Flucht gezeichnet sind. Sie laufen tagelang ohne Schuhe durch den Wald. Andere“, fährt er fort, „kommen stattdessen dehydriert an, weil sie schlecht essen, keinen Zugang zu Trinkwasser haben, wenn sie in bewaffneten Gruppen kämpfe, wo sie unmenschlich behandelt werden, aber der heikelste Aspekt betrifft das Trauma, das jeder erlitten hat. Es gibt Fälle, in denen kognitive Störungen und Kommunikationsstörungen auftreten. Der erste Schritt ist in der Tat die körperliche Rehabilitation“, so der Geschäftsführer, „dann begleiten wir sie zum Zentrum und dort beginnen die Kinder einen Weg der sozialen Rehabilitation. Hier greifen die Psychologen ein und mit ihrer Unterstützung folgen die Kinder einem Rehabilitationsprozess mit einem wöchentlichen Programm. Neben der Unterkunft, erklärt er, „bietet das Zentrum auch Berufsbildung in Schreinerei und IT an. Es ist geplant, eine Farm mit Rindern, Schweinen und Fischzucht zu eröffnen. Darüber hinaus wird ein Dienst zur Wiedereingliederung in Schule und Beruf garantiert“. Ein neuer Weg, den man begonnen habe, erklärt er abschließend, „sieht die Unterbringung in Gastfamilien Familien vor, die sich freiwillig zur Verfügung gestellt haben: es handelt sich um eine vorübergehende Unterbringung, wobei alle einzelnen Komponenten darauf vorbereitet sind, sich den Problemen dieser Kinder zu stellen und sie zu schützen“ .

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.fides.org


Hintergrund

MISEREOR unterstützt in der Kleinstadt Dungu in der Diözese Dungu-Doruma die soziale und wirtschaftliche Integration von ehemaligen Kindersoldaten. In dieser entlegenen Gegend an der südsudanesischen Grenze treibt nach wie vor die Miliz „Lord’s Resistance Army“ ihr Unwesen und bringt regelmäßig Kinder und Jugendliche in ihre Gewalt, darunter viele Mädchen. Diejenigen, die der Gewalt entkommen können, haben es danach sehr schwer, sich in der Gesellschaft oder in ihrer Herkunftsfamilie wieder zurechtzufinden. Anfang des Jahres 2020 haben die Augustiner mit dem Bau eines Berufsausbildungszentrums mit angeschlossenem Internat begonnen, welches den Jungen und Mädchen neue Perspektiven eröffnet. Dort können sie einen aussichtsreichen Beruf erlernen, zum Beispiel in der Landwirtschaft, im IT-Bereich, in der Gastronomie oder der Schneiderei. Das Gebäude wurde im Februar 2021 fertiggestellt und der erste Jahrgang konnte, betreut durch psychologisch und sozial-therapeutisch qualifiziertes Personal, starten. Über das Tages- und Freizeitprogramm werden bis zu 50 % Mädchen erreicht. Zudem nehmen auch viele Kinder aus besonders armen Familien der angrenzenden Dörfer teil an der Qualifizierung.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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