Suche
Suche Menü

„Frauen können die Welt verändern. Sie brauchen nur Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Verbündete!“

Ana Carolina Escoto. Juristin und Sozialpsychologin. Arbeitet seit 1994 als Projektkoordinatorin zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt bei der Caritas der Diözese San Pedro Sula in Honduras. Bereits als Kind litt sie unter sexuellen Belästigungen. Heute setzt sie sich für die Ermächtigung von Frauen ein, die in Abhängigkeit leben.

Ana Carolina Escoto setzt sich in Honduras für Frauen ein, die in Abhängigkeit leben und die geschlechtsspezifische Gewalt erlitten haben. © privat

Das sind meine Wurzeln

Mein Name ist Ana Carolina Escoto. Ich arbeite seit 27 Jahren im pastoralen Dienst in der Caritas der Diözese San Pedro Sula. Zu Anfang war ich Koordinatorin für den Bereich Frauenförderung. Ich habe Maßnahmen zur Stärkung von Frauen vorangebracht, die in Armut leben. Ich habe Frauengruppen organisiert und mich dafür eingesetzt, dass Frauen Schulungen erhalten, um ihre Rechte zu stärken Ich habe mit Frauen gearbeitet, die in ländlichen Gemeinden und städtischen Randgebieten in den Departements Cortes und Atlantida leben. 

Anschließend war ich Koordinatorin für den Bereich Menschenrechte, wo ich Aufklärungsarbeit in Bezug auf Frauenrechte gemacht habe und kostenlose Rechtsberatung für Frauen anbot, die wenig Geld zur Verfügung haben, z. B. bei der Einreichung von Unterhaltsklagen, Scheidungsverfahren oder der Aussetzung der elterlichen Rechte.

In Anbetracht der hohen Zahl von Gewalt gegen Frauen in Honduras hat Caritas ihre Arbeit in diesem Bereich verstärkt. Seit dem Jahr 2000 bin ich für die Koordinierung von Projekten zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt zuständig. Ich plane und begleite Maßnahmen bei denen Frauen, die unter geschlechtsspezifischer Gewalt leiden, rechtliche und psychologische Unterstützung erhalten. Wir fördern außerdem die psychologische Begleitung der Täter, die gewaltfreie Handlungsstrategien erlernen sollen. Die Initiativen werden von befreundeten Organisationen wie Misereor, Manos Unidas und der Stadtverwaltung von Bilbao unterstützt.

Das verleiht mir Flügel

Den größten Einfluss auf mein Leben hatten meine beiden Tanten, die sich seit meinem zweiten Lebensjahr um mich kümmerten und mich durch ihr tägliches Handeln, ihren Glauben an Gott, ihre Demut, Großzügigkeit und Freundlichkeit lehrten. Die Tatsache, dass ich eine Ordensschule besucht habe, hatte einen positiven Einfluss auf mein Leben, da die Nonnen mir als Vorbild im Glauben und sozialen Engagement waren.

Meine größte Motivation bei der Arbeit ist es, denen zu dienen und zu helfen, die es brauchen. Ich freue mich, einer Person durch die Durchführung eines Projekts Hilfe zu leisten, die sie braucht. Für mich ist es eine der größten Befriedigungen, besonders für Frauen da zu sein, die in Armut oder in gefährlichen Situationen leben.

Trotz der vergleichsweise geringen Handlungsmöglichkeiten, die wir bei der Caritas haben, weil unsere finanziellen Mittel extrem knapp sind, treibt mich eine Sache an, immer weiter zu machen: das Vertrauen auf Gott und der Glaube. Ohne das könnten wir den enormen Notlagen um uns herum und dem Leid der Menschen mit ihren tragischen Lebensgeschichten nicht begegnen.

Dafür setze ich mich ein: 

Für die Gleichstellung der Frauen, die volle Anerkennung ihrer Rechte, bessere Möglichkeiten für ihre Entwicklung und ein Leben ohne Gewalt.

Es muss etwas geschehen, weil…

Frauen ungerecht behandelt werden. Sie müssen befähigt werden, sich stärker zu beteiligen, unabhängig zu sein, ihre Rechte einzufordern und zu verteidigen.

Meine Arbeit wird beendet sein, wenn…

die Frauen ihre Rechte in vollem Umfang wahrnehmen können und diese von allen anderen respektiert werden.

Frauen können…

die Welt verändern. Sie brauchen nur das Vertrauen in sich selbst, dass sie es können, ihren Entschluss und andere Frauen als Verbündete, um es zu tun.


Hintergrund

Ana Carolina Escito litt als Kind selbst unter sexuellen Belästigungen und hat durch ihr Umfeld früh mitbekommen, was Gewalt gegen Frauen für diese bedeutet. Sie teilt somit das Schicksal vieler Mädchen und Jungen und schöpft daraus die Kraft und Motivation, sich für die weiblichen Opfer von Gewalt in Honduras einzusetzen. Ähnlich wie auch in anderen lateinamerikanischen Staaten ist die Gewalt gegen Frauen dort allgegenwärtig. Die ungleichen Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen sind tief verankert und zeigen sich in allen Lebensbereichen, ob in Paarbeziehungen, in der Familie, in der Gemeinschaft, bei der Arbeit oder in der Politik. Geschlechterstereotypen werden bereits früh durch das soziale Umfeld in der Familie oder der Schule sowie in den sozialen Medien vermittelt. Frauen werden als Menschen zweiter Klasse dargestellt und oftmals so behandelt.

Die meiste Gewalt erfahren Frauen in ihrem direkten sozialen Umfeld, zum Beispiel durch den Ehepartner oder durch Familienangehörige. Auch kommt es häufig vor, dass Frauen von Männern angegriffen werden, weil sie nicht auf ihre Annäherungsversuche eingehen und sich ihnen verweigern. Der Mord an einer Frau, „Feminizid“ oder „Femizid“ genannt, ist in der Regel das letzte Glied in einer langen Kette von Aggressionen. Feminizide sind zweifelsohne die extremste Erscheinungsform von geschlechtsbezogener Gewalt. Überlebende trauen sich oft aus Angst oder Scham nicht, über die Misshandlung zu sprechen oder sie zur Anzeige zu bringen, wodurch den Tätern nur selten das Handwerk gelegt werden kann. Ebenso begünstigt die Nachlässigkeit bei der Behandlung der Fälle durch die öffentlichen Stellen in Honduras die Straffreiheit der Täter und vermittelt die Botschaft, dass Gewalt gegen Frauen akzeptabel sei.

Besonders zu erwähnen ist eine relativ neue Form von Gewalt gegen Frauen: In der virtuellen Umgebung des Internets können Täter ihre Aggression aufgrund ihrer Anonymität straffrei ausüben und Frauen angreifen. Diese Angriffe treten unter anderem in Form von Beleidigungen oder Spott, Erpressung, Verbreitung intimer Fotos oder auch ausdrücklicher Androhung und Verbildlichung von Gewalt gegen sie auf. Im schlimmsten Fall führen diese Taten zu schweren Angstzuständen, Depressionen oder sogar zum Selbstmord der Opfer.


Sie sind Visionärinnen. Kämpferinnen. Trägerinnen von Entwicklung. Sie setzen sich ein für eine friedlichere Welt. Für den Erhalt der Erde und für eine Ernährung, die nicht nur satt macht, sondern auch gesund ist und umweltschonend angebaut wurde.

Alle Interviews im Überblick


Geschrieben von:

Ina Thomas volontiert in der Abteilung Kommunikation bei MISEREOR.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.