Suche
Suche Menü

Next Step: Friedensenergien in der Praxis

Wie kann die deutsche Energiepolitik einen Beitrag zur Begegnung russischer Aggression in der Ukraine leisten?  

Es ist Zeit, den Hebel umzulegen. © MISEREOR

Die Auswirkungen der russischen Aggression in der Ukraine merken wir alle deutlich – und zwar im Geldbeutel und in unseren Nachrichten. Der Krieg ist nun Teil der europäischen Realität. Das heizt unsere globalen Krisen noch weiter an: Neben der Klimakrise, der Coronakrise und der Kostenkrise für Energie, scheinen wir uns geradewegs in eine Versorgungskrise zu manövrieren. Warum? Nun ja, die europäische Energiepolitik der letzten Jahrzehnte hat die fossilen Abhängigkeiten zu Russland immer weiter verschärft. Nun haben wir den Schlamassel… 

Die europäische Energiepolitik der letzten Jahrzehnte hat die fossilen Abhängigkeiten zu Russland immer weiter verschärft. © MISEREOR

Es gibt Dynamiken, die uns daraus befreien könnten. Aber stiften sie auch Frieden? Auf europäischer Ebene steht das Energieembargo, ein zusätzliches Kostenausgleichsprogramm und Dynamiken zur Beschleunigung des Energiesystem-Reformprogramms (Fit-for-55) auf der Agenda. Das scheint alles ganz super. Wenn wir uns die aktuellen Dynamiken allerdings aus der Perspektive „Friedensenergien“ ansehen, dann fehlt der Blick auf die Entwicklungen und Konsequenzen im Globalen Süden. Denn Friedensenergien müssen global in den Fokus genommen werden. Im globalen Süden stehen aktuell aber durch Covid und die Auswirkungen der Klimakrise bereits überstrapazierte staatliche und Privat-Haushalte neben einem steigenden Druck multinationaler Konzerne, fossile Energierohstoffe immer schneller auszubeuten. „Das kann nicht sein“, sagen unsere Partner*innen besonders in Afrika und wollen an einer Entwicklung ohne fossile Energien festhalten. Wäre ja auch das Schlaueste, sich nicht noch tiefer in die fossilen Abhängigkeitsmuster zu stürzen. 

Damit das möglich ist, müssen europäische Strategien zur Reduzierung der Importabhängigkeit von Russland eben diese Seite der globalen Energiemärkte mit in den Blick nehmen. Sie haben nämlich massive Auswirkungen für den globalen Süden und die dortigen Energieinfrastrukturen. Deshalb: Energiesouveränität ist dann möglich, wenn der Bedarf bei uns im Globalen Norden gesenkt wird und gleichzeitig die erneuerbaren Energien weltweit ausgebaut werden! 

Strommarkt hin zu erneuerbaren Energien reformieren

In unserem Positionspapier mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) haben wir viele Vorschläge gemacht, was nun kurzfristig ansteht, um die beiden strategischen Säulen „Senkung des Bedarfs“ und „Ausbau der Erneuerbaren“ aufzubauen. Dazu gehören ambitionierte und sofortige Maßnahmen in den Reformen zur Energiewirtschaft. Dazu braucht es sinnvolle Rahmenbedingungen zur Beteiligung von Kommunen und Bürgerenergiegesellschaften. Die Ausbauziele in der Solar- und Windenergie können so einfach schneller erreicht werden. Zusammenarbeit ist unter den verschiedenen Akteuren der Energiewirtschaft gefragt, und auch im Energiemix. Es braucht nachhaltige Perspektiven für Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie. Ihre stabilisierenden Rollen müssen klar strategisch eingeplant werden. Damit das wirklich gelingt ist es auch schon längst überfällig, den Strommarkt hin zu erneuerbaren Energien zu reformieren. Es muss attraktiv sein, erneuerbare Energien in das Netz einzuspeisen. Apropos Netzeinspeisung – das gilt natürlich auch für Direktstrom (Strom, der in unmittelbarer Nähe zum/zur Abnehmer*in erzeugt wird). Es braucht endlich eine Gleichstellung von Direktstrom und Eigenverbauch in der EEG-Umlage. Dann haben die Mietshäuser der Zukunft hoffentlich alle kleine Balkonkraftwerke für ihre Eigenstromerzeugung und große Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern.  

Wenn ich in meine eigenen vier Wände sehe, braucht es außerdem den Willen zur Nutzung der massiven Einsparungspotentiale, die wir in unserem Alltag und Konsumverhalten haben. Auch da sind natürlich politische Rahmenbedingungen wichtig, aber auch meine eigene Einstellung und die Motivation zur Veränderung meiner Nutzungsgewohnheiten. Effizientere Technik kann hier helfen, aber eben auch meine persönliche Verpflichtung zum „Weniger ist Mehr“.  

Wir sind alle gefragt beim Umbau unserer Energieversorgungssystem in Richtung Friedensenergien. © MISEREOR

Next Steps in Richtung Friedensenergie

Unsere Energieversorgungssysteme in Richtung Friedensenergien umzubauen erfordert also unser aller praktisches und politisches Handeln. Und die Zeit ist nun schon überreif. Ich glaube daran, dass wir all das zuvor Beschriebene schaffen können. Also los geht’s: Nächster Schritt zur Friedensenergie!  


Lesen Sie auch…

Geschrieben von:

Madeleine Alisa Wörner ist Referentin für Energiepolitik bei MISEREOR.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.