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Sojaanbau, Viehfutter und Biodiesel

Es ist schon ziemlich dunkel an diesem Abend mitten in der argentinischen Provinz Chaco, und ich kann nur sagen: Selten bin ich in einer derart einsamen und menschenleeren Landschaft gewesen. Die schnurgerade Landstraße und der sie säumende Wald wollen kein Ende mehr nehmen und jetzt nach Sonnenuntergang muss unser Fahrer höllisch aufpassen, dass er nicht mit zu hohem Tempo in die vielen tückischen Schlaglöcher poltert und unseren Kleinbus ruiniert.

Sojaanbau in Argentinien / Florian Kopp

Hier ist so mancher Farmer erst nach einer kleinen Ewigkeit erreichbar. So mussten wir uns auf der Fahrt zu einer Hofanlage von sieben Familien nach der Abzweigung von der Landstraße geschlagene 40 Minuten über eine huckelige Schotter-Graspiste quälen, bis das Ziel in der trocken-stacheligen Savannenlandschaft endlich auftauchte. Und ich lerne: Nach dem Amazonas-Gebiet ist der Chaco die größte zusammenhängende Waldfläche Lateinamerikas.

Wenn der Wald irgendwann dann doch aufhört, ist die Perspektive nicht minder eindrucksvoll: Bis zum Horizont Felder von gigantischen Ausmaßen mit Baumwolle und vor allem Sojabohnen. Was auf den ersten Blick beinahe idyllisch wirkt, lässt einen bei genauerer Betrachtung mehr als nachdenklich werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Hier wird in extrem industrialisierter Anbauweise die Voraussetzung auch für unseren Konsumstil in Deutschland geschaffen. In rauen Mengen wandert argentinisches Sojamehl als Viehfutter in deutsche Tiermastfabriken, damit unser Fleisch auch stets zu Spottpreisen im Überfluss vorhanden ist.  Und der in Argentinien aus Sojaöl hergestellte Biodiesel wird zu einem großen Teil ebenfalls hierzulande in die Autotanks gefüllt.

In Argentinien hat der Sojaanbau einen hohen Preis: In dichten Abständen sprühen Flugzeuge großflächig Pestizide übers Feld. Und verseuchen dabei auch benachbarte Zonen und das Grundwasser. Kleinbauernfamilien, die von MISEREOR-Partnern unterstützt werden, klagen über Gesundheitsprobleme und absterbende Nutzpflanzen in ihren eigenen Gärten. Übrigens  sind bis zu 95 Prozent der argentinischen Soja-Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen bedeckt. Und zugunsten des Sojas verschwindet auch immer mehr Wald mit den bekannt ungünstigen Folgen für Wasserhaushalt, Binnenklima, Flora und Fauna. Am beunruhigendsten ist, dass immer mehr internationale Konzerne riesige Landflächen für den industrialisierten Ackerbau kaufen. Land, auf dem vielfach Einheimische seit Generationen leben und wirtschaften. Und doch von Vertreibung bedroht sind, weil sie nicht über die offiziellen Landtitel verfügen oder ihnen das Land auf  illegale Weise entzogen werden soll.

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für die lebendig geschriebenen Berichte aus Argentinien – und die schönen Fotos! Ich hoffe auf mehr! Und ich wünsche den Bauern vor Ort, dass sie eine reale Chance nicht nur zum Überleben sondern auch zum guten Leben haben!

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