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Entwicklung wohin? In Bangladesch kollabieren nicht nur Hochhäuser!

Ob Agnes direkt betroffen ist? Agnes, die sich mit einem so wahnsinnig breiten Grinsen über die Schokolade gefreut hat, die sie beim MISEREOR-Besuch in Dhaka Anfang des Jahres aus der Hand von MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel erhalten hat.  Mit ihren 35 Euro Monatslohn verdient die 18–jährige als Textilarbeiterin mehr, als sie auf dem Land, in ihrem Heimatdorf je verdienen könnte, und das ist der Grund, warum Agnes vor drei Jahren nach Dhaka gekommen ist.

Sieben Tage plus Überstunden schuftet Agnes in einer Textilfabrik in Dhaka.

Sieben Tage plus Überstunden schuftet Agnes in einer Textilfabrik in Dhaka.

Aber hier sind 35 Euro echt wenig, also hängt Agnes 3-4 Überstunden an, jeden Tag, sieben Tage die Woche, Monat für Monat. So komme sie auf bis zu 70 Euro monatlich, verrät sie uns mit glitzernden Augen, aus denen auch Stolz spricht, das geschafft zu haben.

Arbeiten ohne Unterlass

Denn 70 Euro, das verdient ihr Vater, der Reisbauer, nicht. „Sind 70 Euro viel?“, fragen wir deshalb den MISEREOR-Projektpartner Dr. Alo, der uns mit Agnes zusammengebracht hat. Er ist Leiter der Caritas in Dhaka, die sich um Bildung und Integration auch der Textilarbeiterinnen kümmert. Für Schokolade reiche der Lohn trotzdem nicht, sagt er, denn Mädchen wie Agnes geben ihr ganzes Geld fürs Telefonieren mit Zuhause aus, und für die Geschenke für die Familie, die sie meist nur zweimal im Jahr besuchen fahren. Was dann noch übrig bleibe, werde eisern gespart. Glücklich sei sie aber deshalb in Dhaka bisher nicht geworden, verrät Agnes uns später weinend. Vor allem das Heimweh nach ihrem Dorf, nach ihren Eltern, Geschwistern und Freunden, trüben die Stimmung: „Das Leben im Dorf war schön, witzig und lustig. Hier in Dhaka haben wir immer Druck, arbeiten ohne Unterlass. Auf Dauer kann ich hier nicht bleiben“. Davon träumen fast alle Textilarbeiterinnen – Geld zu sparen, um in ihre Heimat zurückzukehren und dort ein Geschäft, eine Schneiderei oder Näherei zu eröffnen. Leider kennt Agnes bisher niemanden, der das erfolgreich praktiziert hat.

Bangladesch schon bald im Wohlstand?

Schon in wenigen Jahren sei Bangladesch im Wohlstand angekommen, rechnet uns dagegen Agnes Chef vor, der Textilfabrikant Agshaw Islam. 2000 Textilarbeiterinnen nähen allein für ihn. Frauen wie Agnes, die auf der Suche nach Jobs und Hoffnung auf Geld nach Dhaka kommen. Die auf größtmögliche Expansion ausgerichtete Wirtschaft sorge für Bildung, Entwicklung und Infrastruktur, die Bangladesch so dringend nötig habe, meint Agshaw. Seine Firma will jetzt weiter expandieren. Da das in Dhaka nicht mehr möglich ist, kauft sein Unternehmen Flächen auf dem Land auf. „Das bringt Jobs auch  in die rückständigen Regionen“, sagt er. ‚Das bringt aber die Kleinbauern auf dem Land noch mehr in die Bredouille‘, denke ich. Denn Land ist rar und Landkonflikte das größte Problem an den Gerichten – 80 Prozent aller Gerichtsprozesse beinhalten Landkonflikte.

Was ist richtig?

Ich weiß nicht, was richtig ist. Aber ich spüre, dass der Weg, den der Unternehmer Agshaw und die Näherin Agnes eingeschlagen haben, offensichtlich auf Dauer zu viele Verlierer produziert, nicht nur wegen einstürzender Hochhäuser. Viele Menschen in Bangladesch und in vielen anderen Billiglohnländern kommen einfach mit dieser rasanten Veränderung nicht mit. Wer  auf dem Dorf bleibt, wird abgehängt, wer in die Stadt kommt, muss damit rechnen, zermahlen zu werden – von der Arbeit in wackeligen Fabriken, vom Moloch Großstadt, von seiner eigenen Sehnsucht. „Wir brauchen viel mehr Begegnung und Austausch mit  anderen Kulturen, mit anderen Menschen, damit wir wissen, was wir wirklich wollen“, sagt uns Dr. Alo beim Abschied. So viel ist klar – außer ihm und seinen Mitarbeitern haben die Textilarbeiterinnen hier keine Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte. Unseren Dank dafür nimmt er lächelnd entgegen.   „Wir wollen voneinander lernen und erfahren, welche Lösungen denkbar sind. Sagen Sie das Ihren Freunden in Deutschland.“

Über Bangladesch…

Wer Bangladesch besucht, ist fasziniert oder irritiert, je nachdem, über die ungeheure Diskrepanz zwischen Stadt und Land. Hier das eher ruhige Leben auf dem Dorf, die harte Arbeit auf den Reisfeldern, Dörfer ohne Strom und Straße, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Dort die Metropole Dhaka, mehr Moloch als Großstadt, rund 16 Millionen Menschen, ein wahnsinnig machendes Verkehrschaos und aberwitzige Arbeitsstätten – vom kleinsten Straßenhändler bis zu unzählbar vielen, weltweit operierenden Textilfabriken. Jetzt ist dort schon wieder ein Hochhaus eingestürzt, das viele hundert oder sogar tausend Menschen unter sich begraben hat, Sicher ist, dass es auch viele Textilarbeiterinnen getroffen hat, denn im eingestürzten Gebäudekomplex Rana Plana wurden auch Textilien hergestellt, und diese Arbeit erledigen in Bangladesch vor allem Mädchen und junge Frauen.

Autor:

Gottfried Baumann

Gottfried Baumann arbeitet als Medienreferent bei MISEREOR.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  9. Selber steuern ist richtig und wichtig. Infos zu Marken, die sich zumindest ein bißchen kümmern findet ihr bei der Clean Clothes Kampagne und der Fair Wear Foundation.
    Letztendlich geht es nicht nur um Kinderarbeit und die Preise hier (die Gewinnspannen der Marken sind oft so hoch, dass ein höherer Preis nichts an den Herstellungsbedingungen und Löhnen der Arbeiterinnen ändert – leider), sondern um die Arbeitsbedingungen unter denen die Klamotten hergestellt werden.

  10. Lieber Gottfried,

    im Grunde weiß jeder, dass die billigen Klamotten, die es auch bei uns zuhauf gibt, von Kindern und jungen Menschen unter oft schlimmen Bedingungen hergestellt werden. Aber den meisten ist es egal. Oder sie verdrängen es. Daher ist es wichtig, die Leute mit Artikeln wie deinem wach zu rütteln. Damit man sich wieder vor Augen hält, was dahinter steckt. Denn ich finde, bei Anziehsachen kann man recht gut steuern, was man kauft. Und wir müssen es auch unseren Kinder beibringen. Lieber nur eine Hose, als drei aus Kinderarbeit!

    Liebe Grüße, Uta

  11. Sehr guter Beitrag!

    Ja, wir müssen uns Gedanken machen, was wir mit unserem Lebensstil dort anrichten. Billige Klamotten hier, Katastrophen dort. Von der Globalisierung mit menschlichem Antlitz, von den berühmt-berüchtigten trickle-down-Prognosen sind wir weiter entfernt denn je. So geht es nicht weiter!
    Danke Gottfried Baumann, danke Misereor! Jeder muss sich an die eigene Nase – oder sollte ich sagen: Jeans – fassen!

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