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Südsudan: Bildung mit aller Kraft (Teil 3)

Moses Kopurot kümmert sich in der Diözese Rumbek mit seinem Team darum, dass über 12.000 Kinder in die Schule gehen und viele hundert Männer und Frauen einen Schulabschluss nachholen können. Das ist nicht selbstverständlich.

Schule im Südsudan

Der Bürgerkrieg hat Generationen von Analphabeten hinterlassen. Moses Kopurot setzt all seine Kraft dafür ein, dass die Menschen nun Zugang zu Bildung erhalten.

Zur Schule gehen, einen Schulabschluss nachholen – was sich für uns so selbstverständlich anhört, ist nach 50 Jahren Bürgerkrieg der Aufbruch in eine bessere Zukunft für jeden einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt. Denn der Krieg hat drei Generationen an Analphabeten hinterlassen.

Obwohl die Regierung des Südsudan die Entwicklung des Bildungssystems als vordringliches Ziel ansieht, fehlen dafür Geld und Infrastruktur an allen Ecken und Enden. Das Land befindet sich an einer der untersten Positionen in der Rangliste des Human Development Indexes. Seit März 2013 leitet Moses Kopurot das Grundbildungsprogramm der Diözese Rumbek. Mir erzählte er seine Geschichte.

Moses geriet als Zehnjähriger in die Fänge der Rebellen

Moses setzt all seine Kraft und Arbeit dafür ein, Bildung in Rumbek voranzubringen. Dies war nicht immer so: Wie viele seiner Altersgenossen geriet auch Moses als Zehnjähriger in die Fänge der SPLA-Rebellenarmee. Tage, manchmal Wochen war mit seiner Einheit im Land unterwegs – immer mit der Waffe im Anschlag. Er erinnert sich gut daran, wie Bischof Taban ihn und eine Reihe anderer Jungs damals aus dem Rebellencamp „befreit“ hat. In den Bürgerkriegswirren war überhaupt nicht daran zu denken, dass er seine Familie wiederfinden könnte. Erst viele Jahre später schloss er seine Eltern wieder in die Arme, Gott sein Dank hatten sie den Krieg überlebt.

„Ich wusste damals nicht mal mehr meinen Namen“

Mehr als drei Jahre lang irrte Moses als Straßenkind durch das Land, immer getrieben von der Suche nach etwas Essbarem und ein wenig Wärme und Geborgenheit. „Ich wusste damals nicht mal mehr meinen Namen, denn wir hatten alle Spitznamen in der Gruppe“, sagt Moses. In Kitgum, einer Grenzstadt in Uganda, erhielt er den Tipp, dass er sich doch besser nach Kampala durchschlagen solle. Er hatte Glück: Über die Kirche fand er Hilfe und in ein „geregeltes“ Leben zurück. Nach dem Besuch der Primarschule besuchte er als Erwachsener die Sekundarschule und arbeitete schließlich im Bildungsbereich im Ministerium.

Nur so hat der junge Staat eine Chance

Später einmal traf er Bischof Taban wieder. „Erkennst du mich? Ich bin einer deiner Jungs, die du damals befreit hast …“ fragte Moses den Bischof. Doch Bischof Taban konnte sich nicht an Moses‘ Gesicht erinnern, zu viele Kinder hatte er damals aus den Lagern der SPLA gerettet. Auf meine Frage, ob Moses jemals Hilfe bei der Aufarbeitung seiner schlimmen Erlebnisse erhalten habe, lacht er und wird schnell wieder ernst: „Was wir mitgemacht haben, ist unbeschreiblich und es wundert mich, dass ich da heil raus gekommen bin.“

Jetzt setzt Moses all seine Kraft dafür ein, dass die Menschen die Bildung erhalten, die ihnen der Krieg vorenthalten hat. „Nur so hat unser neuer Staat eine Chance.“

Erwachsene haben endlich die Chance auf Bildung

Erwachsenenbildung in der Diözese Rumbek im Suedsudan

Lesen, Rechnen, Schreiben lernen – für Abraham ein wichtiger erster Schritt in eine bessere Zukunft.

Auch Abraham ist einer der Jungen gewesen, die mit 10 oder 12 Jahren als Kindersoldat von der Rebellenarmee SPLA rekrutiert wurden. Sein älterer Bruder war bereits eingezogen worden, jetzt sollte sein Vater Soldat werden. Da dieser aber wegen seiner kranken Frau dringend zuhause bleiben musste, nahmen sie kurzerhand Abraham mit. Er sagt mir nicht, wie lange er Kindersoldat gewesen ist und auch nicht, welchen Terror er während dieser Zeit erlebt hat – ich erahne dies nur wegen seiner zittrigen Stimme.
Ich treffe Abraham im Erwachsenenkurs an der Primary School in Agangrial, etwa drei Stunden Autofahrt von Rumbek entfernt. Der 29-jährige Mann sitzt mit einigen anderen Frauen und Männern im Klassenraum und lernt gerade Bruchrechnung, als wir eintreten. Neben dem formalen Schulunterricht in zehn Orten der Diözese, an dem Tausende Jungen und Mädchen teilnehmen, bietet das Education-Team auch Männern und Frauen, die wegen des langen Bürgerkrieges im Sudan nie eine Schule besuchen konnten, an, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen.

Ein „zweites Leben“ nach dem Sekundarschul-Abschluss

Abraham will bald die Abschlussprüfung in der Grundschule ablegen, anschließend die Sekundarschule besuchen und später dann, so erklärt er uns mit sichtbarem Stolz in den Augen, wolle er Arzt werden. Denn in seinem „zweiten“ Leben, wie er sagt, würde er gerne seinem Land helfen, wo es dort doch nur so wenige Ärzte gäbe.
Ich weiß nicht, ob Abraham sein großes Ziel erreichen wird – für mich ist Abraham jetzt schon ein Held. Er hat nicht aufgegeben nach dem Leid und Unrecht, was ihm widerfahren ist. Er hat sich viel vorgenommen für seine Zukunft.


Weitere Informationen…

Wenn Sie das Bildungsprogramm im Südsudan unterstützen möchten, erhalten Sie hier mehr Informationen zum Projekt „Schulen für eine bessere Zukunft“


Lesen Sie auch…

Teil 1: Südsudan: 2 Jahre nach der Unabhängigkeit
und
Teil 2: Mary soll es einmal besser haben

Autor:

Michael Stahl

Michael Stahl ist Referent bei MISEREOR für Partnerschaften und Spenderkontakte.

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