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Viermal bis zum Mond – Buchrezension zu „Vier fürs Klima“

Was bringt uns dieses Buch? Vor allem die Erkenntnis, dass wir das meiste, was man zur Senkung des eigenen CO2-Verbrauchs tun kann, längst wissen. Fast alles ist bewusst lebenden, sich regelmäßig informierenden Menschen sattsam bekannt. Wir müssten es nur noch umsetzen.

Ein Jahr lang Klimaneutral leben: Petra Pinzler, Redakteurin der Wochenzeitung "Die Zeit", und ihr Mann Günther Wessel haben mit ihren beiden Kindern ausprobiert, wie gut das im Alltag funktioniert. Foto: Dirk Hasskarl

Ein Jahr lang klimaneutral leben: Petra Pinzler, Redakteurin der Wochenzeitung „Die Zeit“, und ihr Mann Günther Wessel haben mit ihren beiden Kindern ausprobiert, wie gut das im Alltag funktioniert. Foto: Dirk Hasskarl

Warum geschieht das in den wenigsten Haushalten? Sind wir zu träge? Ja und Nein. Auch wenn wir uns noch so vorbildlich verhalten, gibt es Grenzen dessen, was wir in der Gestaltung unseres Lebens erreichen könnten, um wirksam zur Begrenzung des Klimawandels beizutragen. Ganz klar ist, dass wir strukturelle Änderungen im Alltag brauchen. Dazu müsste auch der Staat viel kräftiger gegensteuern, als er dies gegenwärtig tut.

Petra Pinzler, Wirtschaftsredakteurin der Wochenzeitung „Die Zeit“, hat mit ihrem Mann Günther Wessel und ihren beiden Kindern Jakob und Franziska ein Jahr lang ein spannendes Experiment gewagt. Gemeinsam versuchte die in Berlin wohnende Familie, CO2-neutral zu leben. Wie das vonstattenging und wie erfolgreich sie dabei waren, erzählen die beiden Erwachsenen auf sehr bildhafte und unterhaltsame Weise in ihrem Buch „Vier fürs Klima“, erschienen im Verlag Droemer Knaur.

Erstaunlich selbstkritisch

Der Selbstversuch fällt dabei erstaunlich selbstkritisch aus. Nicht nur, dass die Pinzlers und Wessels zugeben müssen, dass sie ökologisch gar nicht so makellos agieren, wie sie vorher gedacht haben. Auch räumen sie frank und frei ein, wie verführerisch es ist, bei miesem Wetter einfach ins Auto zu steigen und wie schwer, die eigene Bequemlichkeit zu überlisten. Am Ende bleibt ein zwiespältiges Fazit: Zwar habe sich herausgestellt, „dass auch Klimaretter nicht in Jesuslatschen und Kutte leben müssen, sondern gut aussehen, riechen und essen dürfen“. Und dass Veränderung gar nicht so schwer ist. Aber: Die Familie musste sich auch eingestehen, dass das eigentlich zur Eindämmung der Erderwärmung Notwendige, nämlich den persönlichen CO2-Verbrauch auf zwei Tonnen pro Jahr zu begrenzen, nicht zu schaffen ist, wenn sie weiter in Deutschland leben will. „Weil schon die Gesellschaft jedem Bundesbürger einen Sockel von einer Tonne auflädt – dadurch dass sie beispielsweise Straßen baut, Behörden und Schulen betreibt.“

Elf Tonnen pro Jahr

Der durchschnittliche Bundesbürger und natürlich auch die Bundesbürgerin verbraucht im Schnitt elf Tonnen CO2 im Jahr. Bei Pinzler und Wessel waren es vor dem Öko-Testlauf zehneinhalb Tonnen pro Nase. Und nachdem die vier sich zugunsten der Umwelt tüchtig ins Zeug gelegt haben, konnten sie ihre individuelle Bilanz auf knapp über sieben Tonnen je Person reduzieren, 13 Tonnen sparten sie ein. Da geht also was.

Und wie gesagt: Wie man das macht, dürfte den meisten nachdenkenden Menschen sonnenklar sein. Die wichtigsten Faktoren, die beim Einsparen von CO2 halfen, sind schnell ausgemacht: Autofahren. Fliegen. Einkaufen. Wohnen.

Ja, auch der kundige Leser und die nicht minder beflissene Leserin mag über die eine oder andere Info überrascht sein. Dass die Produktion von Rindfleisch zum Beispiel ungefähr viermal so viel Kohlendioxid-Belastung bedeutet wie die Erzeugung von Schweine- oder Geflügelfleisch. Oder dass Elektroautos gar nicht so ökologisch sind, wie gerne behauptet, und die eigentliche Lösung darin bestünde, einfach weniger als bisher zu fahren. Verblüffend auch die Zahlen zu unserem Mineralwasserverbrauch: 982 Millionen Wasserkästen holen die Deutschen jährlich aus dem Supermarkt. Würde man die darin enthaltenen Flaschen übereinanderstapeln, gäbe es einen Turm der Größe von 1.534.000 Kilometern, der vierfachen Entfernung von der Erde zum Mond. Angesichts der Tatsache, dass man sich auch bedenkenlos aus dem Wasserhahn bedienen kann, müsste uns ein solch astronomischer Wert eigentlich ins Grübeln bringen.


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Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Allgaier,
    in Ihrer Besprechung müsste es CO2-Erzeugung und nicht „CO2-Verbrauch“ heißen. Das Familienexperiment kommt zu spät! Frau Pinzler müsste bei ihrem Werdegang schon vor 35 Jahren gewusst haben, dass Energiesparen der beste Klimaschutz ist. Wenn ihr das Weltklima ein ernsthaftes Anliegen gewesen wäre, hätte sie schon vor 35 Jahren die jetzt gemachten Erfahrungen haben können und als Bericht veröffentlichen. So aber hat ihr Buch einen Beigeschmack: Geld verdienen!
    Jeder ab Jahrgang 1965 und älter konnte ab etwa 1986 wissen, dass unser Lebensstil das Klima unwiederbringlich ruiniert und wir den Enkeln die Lebensgrundlagen zerstören.

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