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Wasser ist Gemeinwohl

Im Kern ging es an diesem Abend um Wasser-Themen in Deutschland – um die Renaturierung von Bächen etwa oder den Einsatz von regenerativen Energien beim Betrieb von Trinkwassernetzen.

Pirmin Spiegel nimmt in seiner Laudatio die Zuhörer mit auf die Fidschi-Inseln © MUEEF

Doch Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR, nahm bei der Verleihung des Umweltpreises Rheinland-Pfalz als Laudator seine Zuhörerschaft im übertragenen Sinne mit ans andere Ende der Welt. Die Reise führte auf die Fidschi-Inseln, wo der Chef des katholischen Werks für Entwicklungszusammenarbeit neulich bei einem Treffen mit dem dortigen Erzbischof Peter Chong selbst erleben konnte, wie man dort mit der Ressource Wasser umgeht. Der Bischof habe ihm den Ausdruck „Vanua“ erklärt – und damit den Herzschlag seiner Kultur. Vanua bedeute: Land im Sinne von Territorium, Wasser und Beziehung zu Mensch und Schöpfung. Diese drei Faktoren seien unmittelbar miteinander verbunden und nähmen gegenseitig Einfluss aufeinander, sagte Spiegel. „Eine tiefverwurzelte indigene Lebenseinstellung, gespeist aus ‚Land, Wasser und Beziehung‘, ist Grundlage der heutigen fidschianischen Gesellschaft und steht für ein Selbstverständnis von Menschen, die sich aus der gelebten Achtung bestimmt: zu Mutter Erde, zu den Mitmenschen, zu dem lebensstiftenden und lebensbedrohenden Meer, das ihre Inseln umgibt, und dem Wasser auf ihren Inseln, als Quell allen Lebens.“

1,8 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser

Wasser stehe in diesem Sinne für Gemeinwohl, und „Vanua“ sei damit als Gegenbegriff zu bloßen Einzel- und Gruppeninteressen zu sehen, bekräftigte Spiegel. „Der Zugang zu sauberem Wasser ist Menschenrecht. Ein Menschenrecht, das noch heute mehr als 1,8 Milliarden Menschen auf dieser Erde vorenthalten wird.“

Spiegel warnte davor, die Wasserversorgung – wo auch immer – zu privatisieren. „Da geht es im globalen Süden schon fast um Fragen von Leben und Tod, wenn darüber gesprochen wird, ob nun der Staat als Teil der Daseinsversorgung dafür einstehen muss, dass Wasser allen zur Verfügung steht, oder ob diese Aufgabe Aktiengesellschaften überlassen wird, die langfristig vor allem den Unternehmensgewinn im Auge haben müssen.“ Ihm seien in seiner Arbeit für MISEREOR oft Menschen begegnet, für die ein gesicherter Zugang zu sauberem Trinkwasser eine schiere Überlebensfrage sei.

Was in unseren Produkten steckt

Und damit schlug Spiegel denn auch einen Bogen zu den Menschen in Deutschland. Wenn in benachteiligten Regionen dieser Erde Wasser zum raren Gut werde, sei es notwendig, sich stärker bewusst zu machen, wieviel Wasser für die Herstellung unserer Konsumgüter aufgewendet werden müsse – 15.500 Liter zum Beispiel für ein Kilo Rindfleisch. Er erwähnte auch den Wasserverbrauch zur Produktion von Kaffee und Orangensaft, Jeans und Plastiktüten und schlussfolgerte: „Mit unserem Lebensstil in Deutschland konsumieren wir das Wasser aus Regionen, in denen es knapp ist. Wir als Konsumenten können viel tun, wenn es darum geht, Wasser zu schützen, zu sparen und richtig zu nutzen.“

Der MISEREOR-Vorstandsvorsitzende lobte die aktuellen Träger des rheinland-pfälzischen Umweltpreises 2018. „Sie tragen dazu bei, dass auch in Deutschland ein neues Bewusstsein für den Wert der Ressource Wasser entsteht. Wir müssen auch bei uns Wasser wieder schätzen lernen. Nur dann können wir von Deutschland aus eine Brücke zum Beispiel in die Länder Afrikas schlagen.“

 Die Preisträger des Umweltpreises Rheinland-Pfalz zum Thema Wasser © MUEEF

Die Preisträger des Umweltpreises Rheinland-Pfalz © MUEEF

Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz folgende Institutionen:

  • Das Clean River Project ist ein gemeinnütziges Umwelt-, Kunst- und Bildungsprojekt, das sich für saubere Flüsse und Meere einsetzt und die Plastikmüllverschmutzung der Gewässer durch aktives Aufräumen der Gewässer und Aufklärung senken möchte.
  • Die Verbandsgemeinde Rhaunen, die Ortsgemeinde Rhaunen und das Planungsbüro BBP in Kaiserslautern für die ökologische Aufwertung und naturnahe Gewässerrenaturierung des Rhaunelbaches in Verbindung mit der Schaffung eines Kommunikationsraumes auf der Freifläche „In den Mühlenbitzen“.
  • SWT — Stadtwerke Trier VersorgungsGmbH, Trier, für den optimalen Einsatz Erneuerbarer Energie in der Trinkwasserversorgung mithilfe „Künstlicher Neuronaler Netze (KNN) )“

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Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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