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Kolumbien: „Wir sind die Opfer des Bergbaus!“

In den Kohleregionen Kolumbiens leiden vor allem Kinder unter der hohen Luftverschmutzung. Aber das ist nicht das einzige Problem.

Moises ist ein fröhliches Kind. Die Hustentortur, die er und seine Eltern nächtlich erleiden, sieht man ihm kaum an. Der kleine Junge leidet an einer schweren Atemwegserkrankung, ausgelöst durch die Schadstoffe aus der Steinkohlemine El Cerrejón im Norden von Kolumbien. Denn Moises‘ Dorf liegt nur wenige hundert Meter entfernt von dem größten Steinkohletagebau Lateinamerikas.  Zu den Käufern der Kohle gehören auch deutsche Energieunternehmen.

Haus in der Nähe des Tagebaus

Leben im Schatten des Tagebaus

Kolumbiens größter Tagebau macht krank

Die Menschen im Dorf nennen die Mine den „schlechten Nachbarn“. Denn die Sprengungen, die Tag und Nacht durchgeführt werden, ließen nicht nur die Mauern von Moises Haus bersten. Sie setzen auch hohe Mengen an Feinstaub und Kleinpartikeln frei. So ist Moises nicht der einzige Betroffene. Eine Studie zweier Universitäten hat bestätigt, dass zahlreiche Kinder und ältere Menschen an schweren Atemwegserkrankungen, aber auch Kopfschmerzen, Augen- und Nasenreizungen leiden. Die Messwerte der Luftgütemessstation in der Gemeinde Provincial übersteigen regelmäßig die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation und der EU.

Die Luft verschmutzt, das Wasser versiegt…

Luftverschmutzung ist aber nicht das einzige Problem: „Unser Wassertank ist seit einer Woche leer“, erklärt Moises‘ Vater José. „Seit zwanzig Tagen haben sie uns kein Wasser mehr gebracht“. Früher hatten die Menschen ihr Trinkwasser direkt aus dem nahe gelegenen Fluss bezogen. Inzwischen versperrt ein Zaun ihnen den Zugang. Hinzu kommt: Cerrejón verbraucht täglich etwa 17 Millionen Liter Wasser, was zu einem rapiden Absinken des Grundwasserspiegels geführt hat. Die traditionellen Wasserpumpen können das Wasser nicht mehr erreichen.

… die Menschen verarmt

„Wir sind die Opfer des Bergbaus“, erklärt ein Gemeindevertreter. Die Expansion von Cerrejón habe die Lebensgrundlagen erheblich beeinträchtigt. „Früher besaß jede Familie 200-400 Ziegen, Esel und andere Tiere. Wir sammelten Früchte, jagten Kaninchen, bauten Mais an und angelten Fisch im Fluss.“ All das sei wegen der Eingrenzung ihres Territoriums heute nicht mehr möglich. Das Ersatzland, das Cerrejón der Gemeinde zur Verfügung gestellt hat, liege weit entlegen in den Bergen und sei nur mit Auto oder Motorrad erreichbar. Das könnten sich aber nur ganz wenige Familien leisten.

Tagebau Cerejón

Zu den Abnehmern des größten Tagebaus in Südamerika gehören auch deutsche Kraftwerke.

Auch deutsche Unternehmen in der Verantwortung

Seit vielen Jahren unterstützt MISEREOR die kolumbianische Menschenrechtsorganisation CAJAR. Sie begleitet die Menschen in La Guajira und hat für sie mehrere Gerichtsverfahren gewonnen. Eine Mitverantwortung sieht MISEREOR aber auch bei den deutschen Importeuren der Steinkohle von Cerrejón, zu denen unter anderem STEAG gehört. Gemäß ihrer menschenrechtlichen Verantwortung müssen sie die Folgen des Kohleabbaus untersuchen, darüber transparent berichten und den Betreiber zur Verbesserung der Situation drängen. Wenn dies nicht gelingt, gehört die Geschäftsbeziehung mit Cerrejón insgesamt auf den Prüfstand. Solange deutsche Unternehmen noch Steinkohle importieren, müssen sie wenigstens sicherstellen, dass bei deren Abbau grundlegende Menschenrechts- und Umweltstandards beachtet werden.

Über den Autor: Armin Paasch ist Referent für Wirtschaft und Menschenrechte bei MISEREOR


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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist nicht zu fassen, wieviel Macht die Industrie hat.

  2. Vor lauter Geldgier der Firmen und ein nicht hinschauen und nicht hinhören unserer Politiker werden Menschen in Ländern wie Kolumbien und Südafrika enteignet oder in Gebiete umgesiedelt. Einen finanziellen Ausgleich bekommen diese Menschen aber nicht. Aber das Grundwasser wird verseucht und die Nahrungsgrundlage wird ihnen genommen. Was ist das für eine Moral, nicht nur der Firmen sondern auch unserer Politiker, besonders derjenigen mit einem „C“ der Partei.

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