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Martins Freiwilligendienst in Bolivien

Abfahrt nach Frankfurt am 30.Juli.2019

Ankunft in Cochabamba und erster Tag, Mittwoch 31. Juli 2019

Flughafen und Hotel

Ein letztes Bild vor dem Abflug (Aufregung macht sich breit)

Ich werde um 4 Uhr Morgens (Bolivianischer Zeit) von Marcello und Irma (zwei Mitarbeitern von KAWSAY mit denen ich schon Skype Kontakt hatte) vom Flughafen mit dem Auto abgeholt.

Sie fahren mich ins Hotel Regina und ich kann 2 Stunden sehr gut schlafen. Dann stehe ich eine Stunde zu früh auf, was ich feststelle, als ich Marcello anrufe und ihn frage, warum er noch nicht da ist. Das liegt nämlich daran, das ich mich in der Zeitumstellung um eine Stunde vertan habe.

Erstes Essen in Bolivien

Nachdem ich meinen kurzen Hotel-Aufenthalt bezahlt habe fahren wir mit dem Auto praktisch auf die andere Straßenseite und essen in einem der vielen aber guten Restaurants in Cochabamba zu Mittag (Hühnchen, Gemüse, Reis, Kartoffeln und keine Getränke zum Essen).

Geld abheben

Als nächstes versuche ich Bolivianos (Die Währung in Bolivien/1Euro=7,7544 Bolivianos) abzuheben. Es klappt aber nur an den Automaten der Bolivianischen Nationalbank.

Ankunft bei KAWSAY im Centro de Culturas Originarias

Ich entscheide mich im Oficina de KAWSAY zu Leben, nachdem ich eine Mietwohnung abgelehnt habe und richte mich mit Marcelos Hilfe (er schraubt eine Lampe ein) häuslich ein.

Ich vor meinem neuen vorläufigen Zuhause/meiner Arbeitsstelle

Erster Abend im neuen vorläufigen Zuhause

Ich bekomme mit, wie eine Frau und ihr Sohn Geschirr waschen, welches vorher von ihnen an KAWSAY vermietet wurde. Danach kommen zwei weitere Mitarbeiter von KAWSAY, Viktor und Eulogia, an und wir stellen uns vor. Nachdem Viktor nach Hause gefahren und Eulogia sich auch hingelegt hat, denn sie wohnt ebenfalls auf dem großen Grundstück vom Officina de KAWSAY, falle ich endlich, unter meinem Mückennetz, in einen unruhigen Schlaf.

Tag 2 in Cochabamba, 01. August 2019

Morgens

Ich wache auf und stelle fest, dass ich in der Nacht mein Mückennetz ein Stück weit verlassen habe, was für mich ein Desaster ist, weil ich ja von einem Haufen nicht vorhandener Malaria-Mücken hätte gestochen werden können. Bolivien liegt nämlich auf der Südhalbkugel. Das bedeute, es ist hier grade Winterzeit, nachts also sehr kalt. Es gibt keine Heizung und ich befinde mich sowieso auf 2500 Metern über dem Meeresspiegel. Das bedeutet auch, dass die Luft hier sehr trocken ist. Deshalb habe ich auch etwas Schnupfen. Die nicht vorhandenen Mücke haben dafür keine Möglichkeit zu überleben. Und trotzdem habe ich meinen empfindlichen Körper dieser Gefahr ausgesetzt, vor welcher wir auf unseren Vorbereitungsseminaren so oft und eindringlich gewarnt wurden. Tja, dafür habe ich dann halt Schnupfen. Aber was ist schon schnupfen, wenn ich da an andere Misereor-Freiwillige in Timor-Leste denke, welche sich meines Wissens nach in einem Gebiet befinden, wo es ein erhöhtes Malaria-Risiko gibt. Da hab ich ja fast noch Glück mit meinem Schnupfen. Vielleicht ist das ja auch die Vorhersage des K´oa Rituals, welches später noch stattfindet. Ich habe Glück in Bolivien, auf 2500 Metern zu sein und nicht in einem Malarianest, vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall sind das zu viele Gedanken für einen Morgen und deshalb stehe ich jetzt auf.

Die Anderen

Die anderen Mitarbeitenden trudeln ein und wir frühstücken alle zusammen. Nach dem Frühstück beginnt reihum die Vorstellungsrunde. Irma, verantwortlich für Praktikanten und verrückte Freiwillige wie mich, Marcello, verantwortlich für alles Technische, Marlen, verantwortlich für die Verteilung des Geldes bei KAWSAY, Kiviel, verantwortlich für alle Produktionsabläufe, welche KAWSAY betreffen, Eulogia, verantwortlich für „Genero“ in den Außenstellen von KAWSAY, also unter anderem Arbeit mit Frauen und Viktor, verantwortlich für die Arbeit der Produktion, aber vor allem für den Honiganbau in den einzelnen Pueblos (Dörfern) mit denen KAWSAY arbeitet. Leonel Cerrutol, der erste Vorsitzende von KAWSAY, ist gerade in Urlaub in Finnland und wird mir deshalb später über Skype vorgestellt.

Planung August

Nach der Vorstellungsrunde wird der August mit Excel geplant und ich soll eine kleine Powerpoint-Vorstellung über mich erarbeiten. Das nimmt meine Zeit bis Mittags ein, dann gehe ich mit Kiviel und Marcelo Mittag Essen. Wir essen in einem kleinen netten Restaurant ein paar Häuser weiter zu Mittag und ich arbeite danach weiter an meiner Powerpoint. Abends kaufe ich mir mit Marlens Hilfe Abendessen in einem anderen Restaurant um die Ecke und falle eine weitere Nacht in Embryo-Stellung- Schlaf, denn kein Milimeter meines Körpers darf den nicht vorhandenen Malaria-Mücken ausgesetzt werden, vor denen wir auf unserem Ausreiseseminar so vehement gewarnt wurden.

Tag 3 in Cocha 02. August 2019

Anstrengender Morgen

Aufstehen, frühstücken, Geld abheben, für die Abreise abends packen, meine Vorstellung vorbereiten und mich mit einer gerade erstellten Präsentation dem Team vorstellen.

K´OA Ritual

Vorbereitung des K´oa Rituals

Als nächstes bereiten wir das K´oa Ritual vor, in dem wir verschiedene Gegenstände im Kreis auf ein Papier legen und uns die Zukunft deuten lassen. Ich werde anscheinend, so sieht es aus, Glück haben. Danach wird alles verbrannt.

Brennspiritus zum Verbrennen

Mittagessen

Hiernach gehe ich mit Marcello und Kiviel Mittagessen.

Jacke

Am Nachmittag kaufe ich mit der Hilfe von Marlen, nachdem wir zu erst wieder einen Haufen Bankautomaten abgeklappert haben, um an Geld zu kommen, eine Jacke für die Reise nach Ivitipora. Als ich wieder bei KAWSAY bin, verabschiede ich mich von Marlen, packe zu Ende, esse bei einer meiner Lieblingsserien zu Abend und skype mit meinen Eltern.

Abreise nach Ivitipora

Danach werde ich von German, einem sehr netten Taxifahrer, den Irma kennt, abgeholt und zur Universität San Simon gefahren, denn Irma (Mitarbeiterin von KAWSAY) ist auch noch Professorin für Architektur und Ingenieurwesen. Wie sie zwei Jobs unter einen Hut kriegt, weiß ich nicht, aber sie schafft es auf jeden Fall. Nachdem wir sie und ihre Referendarin abgeholt haben, geht es in einem Affenzahn zu irgendeiner Straßenecke in Cochabamba. Die bolivianischen Taxis und Busse haben nur vorne Anschnallgurte und dementsprechend interessant ist die Fahrt. An besagter Straßenecke winken wir mit den Taschenlampen an unseren Handys so lange Bussen, bis der Richtige anhält, wir mit unserem Gepäck einsteigen und ich mich im Bus einem Haufen Ingenieursstudenten vorstelle. Die Straßen sind zwar gewöhnungsbedürftig für deutsche Verhältnisse, aber das ist mir grade ziemlich egal. Endlich falle ich in einen unruhigen Schlaf in dem doch sehr komfortablen Sitz des Busses.

Tag 4, 03. August 2019

Im Bus

Ich wache auf und bin immer noch im sehr komfortablen Sitz des Reisebusses. So langsam stellt sich mir die Frage, wo Ivitipora eigentlich liegt. Da ich jedoch keine lust habe, aus meinem gemütlichen Reisebus-Sessel aufzustehen, muss die Frage nach dem Wohin aufgeschoben werden. Also erstmal frühstücken. Ich hole eine Tüte Nüsse aus dem Rucksack und gebe den beiden Studenten Christian und Christian vor mir auch was ab.

Santa Cruz

Nachdem wir ziemlich lange immer weiter gefahren sind, erreichen wir endlich ein urbanes Ballungszentrum und kommen auf dem Busbahnhof an. Dieser Busbahnhof könnte auch ein kleiner Flugplatz sein, wenn nicht überall Busse und Menschen stehen würden. Also raus aus dem Bus, ich glaube ich habe mich wund gesessen. Erkenntnis des Morgens: ich brauche mehr Sitzfleisch. Nachdem wir ausgestiegen sind und uns gesammelt haben, frage ich endlich mal nach, wo ich hier überhaupt bin und bekomme die Antwort: Santa Cruz, die größte Stadt Boliviens. Aha, denke ich, und wo ist Santa Cruz? Als ich auf eine Karte in meinem Bolivien-Reiseführer sehe, stelle ich fest: im Osten von Cochabamba. Macht ja auch irgendwie Sinn, denn im Westen wären wir jetzt in den Anden und hier ist das Land doch etwas flacher, mal von der Mega City abgesehen. Im Norden wäre es deutlich grüner und weniger besiedelt (Amazonasgebiet) und im Süden wäre es deutlich trockener und weniger besiedelt, Pampa. Tja, denke ich, da hätte ich auch so drauf kommen können, aber es ist ja noch früh morgens und mein Hirn läuft noch nicht auf Hochtouren. Also rein ins Reisezentrum, Zähne putzen und raus aus dem Reisezentrum, dann rein in die Mega City. Hier suchen wir uns erstmal ein Restaurant und essen zu Mittag.

Mittagessen in Santa Cruz mit Irmas Studenten

Umsteigen

Mit Taxi und Bus zum Markt fahren.

Einkaufen

Nach dem Essen gehen wir auf den bislang größten Markt, den ich je gesehen habe und wo es praktisch alles zu kaufen gibt. Von 9 verschiedenen Reis-Sorten über 19 verschiedene Kartoffel-Sorten bis hin zu Motorrädern… einfach alles. Wir kaufen allerdings nur die Vorräte für die nächsten 2 Tage ein. Dazu noch Getränke und ich hebe noch Geld ab. In in einem deutlich kleineren Bus fahren wir weiter nach Ivitipora, diesmal in südlicher Richtung.

Aus dem Bus nach Ivitipora

Also weiter

Es geht mal wieder schnurstracks gerade aus. Erkenntnis während der Busfahrt: Bolivien ist ein riesiges Land, in dem man von Morgens bis Abends im Auto oder Bus bleiben kann, wenn man die Nahrungsmittel der Straßenhändler, die ihre Ware an jeder Baustelle und Zollstation zwischen den Autos und Bussen anpreisen, mag.

Also weiter

Mein Hintern tut weh, ich brauche echt mehr Sitzfleisch. Zur Ablenkung gucke ich aus dem Fenster und sehe eine Rauchwolke, was natürlich sofort das Klischee Brandrodung in mein Hirn schnellen lässt. Ich spreche Octavio neben mir darauf an und erwarte so etwas wie: ,,Das ist aber ungewöhnlich“. Stattdessen bekomme ich mit einem Schulterzucken mein Klischee bestätigt. Brandrodung. Als ich nachfrage, ob das legal ist, sagt Octavio: ,,Wahrscheinlich nicht, aber wer soll das hier draußen kontrollieren?“ Na, ganz toll,denke ich mir.

Ankunft in Ivitipora

Was ich bis jetzt am meisten gebraucht hätte, wäre Sitzfleisch. Street Food Abendessen, Ankunft in Ivitipora bei sternenklarer Nacht und ohne Handyempfang. Verteilung und Unterbringung in den Hütten der Bewohner Ivitiporas und noch sehr lange am Feuer sitzen und Tee trinken. Tja, Bolivien ist doch ganz schön. Schlafen im Schlafsack.

Lehmhaus

Tag 5 Sonntag, 04. August 2019

Morgens aufwachen und im Wald Holz hacken gehen. Es ist zwar kalt, aber schön. Brot, heißes Wasser mit Haferflocken und Zucker frühstücken und arbeiten. Wir tapezieren eine noch unfertige Lehmhütte mit Lehm, besprechen das Muster für den Anstrich mit den Einheimischen, denn das ist wichtig, und zeichnen einen Plan vor. Zum Mittag gibt es das, was wir eingekauft haben, aber es wurde von den Frauen des Dorfes zubereitet. Nach dem Mittagessen werden weiter die Lehmwände bearbeitet. Abendessen. Die Bewohner Ivitiporas sind nett und zuvorkommend. Wieder im Schlafsack schlafen.

Bewohner Ivitiporas kennenlernen
Besprechung der Zeichnung
Erde für Naturfarben und Naturmörtel sieben
Naturmörtel anrühren
Spielende Kinder aus Ivitipora
Arbeiten bis in die Nacht

Tag 6 Montag, 05. August 2019

Aufwachen

Ich habe die letzten Nächte mit Christian und Christian in zwei zusammengeschobenen Betten geschlafen. Aufstehen, schnell anziehen, weil wir zu spät aufgestanden sind. Frühstücken, weiter arbeiten, Vorführung an der Schule miterleben/machen, denn heute ist in Bolivien Nationalfeiertag und alle, außer uns, haben sich rausgeputzt. Nach dem das Haus fertig gestrichen ist, werden noch viele Fotos gemacht, gegessen und mit dem mittlerweile wartenden Bus überstürzt, glücklich und dreckig abgereist. Eigentlich gibt es nicht viel in Ivitipora und der Plastikmüll wundert mich doch sehr, da die Bewohner so naturverbunden leben. Doch da es höchstwahrscheinlich keine Müllabfuhr gibt, bleibt der Müll halt liegen.

Rückreise

Die Rückreise ist deutlich kürzer als die Hinfahrt, da wir nicht mehr in Santa Cruz einkaufen. Eigentlich verläuft die Rückreise wie die hinfahrt nur Rückwärts und ohne Brandrodung.

Tag 7 Dienstag, 06. August 2019

Als wir in Cochabamba ankommen, werden wir von German abgeholt und ich werde bei KAWSAY abgesetzt. Ich bin froh, endlich nach 3 Tagen wieder mal zu duschen und meine Sachen waschen zu können. Heute bin ich froh, einen Tag zum Entspannen zu haben.

Tag 8 Mittwoch, 07. August 2019

Ich versuche Backpulver, levadura, zu bekommen, um etwas gegen die Ameisen in der Küche zu unternehmen, aber wie sich herausstellt, ist das Backpulver zu grobkörnig für die Ameisen, weshalb es nichts bringt, wenn es den welches war.

Cosmovision

Nach dem Mittagessen mit Kiviel und Marcelo lerne ich, dass die indigenen Völker nicht direkt einen Gott haben wie die 90% Christen im Land, sondern an Cosmovision glauben. Hier geht es mehr um das Zusammenleben aller Dinge und das der Mensch nur ein winziger Bestandteil in einem riesigen Universum ist und nicht die Krone der Schöpfung. Außerdem hat alles Energie. Vom kleinsten Stein bis zum größten Berg lebt alles. Die Erde heißt auf Quechua (einer indigenen Sprache) Pachamama. Dann gucken wir uns noch weitere Videos über KAWSAY an. Ich kann sie nur empfehlen:

https://www.youtube.com/channel/UCbWCh46acKYxJW9l3DVqyNw

Tag 14 Dienstag 13. August 2019

Ich begleite Irma in die Universität und erfahre, dass die Universität staatlich ist und dass das Studieren deshalb sehr billig ist. Die Studenten lernen hier, sich gut zu präsentieren und wir stellen hier den anderen Studenten die paar Tage in Ivitipora vor. Die anderen Studenten haben eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet.

Tag 15 Mittwoch 14. August 2019

Um meine Aufenthaltsbestätigung zu bekommen, muss ich mich am Uniklinikum in Bolivien durchchecken lassen und das bedeutet vor allem Warten. Von Irma habe ich ein Buch über die indigenen Völker Boliviens bekommen mit der sich die Wartezeit jedoch sehr verkürzt. Danach frühstücke ich erstmal, da ich das vor dem Uniklinikumsbesuch nicht durfte.

Fiesta de la Virgen de Urkupina en Quillacollo

Die Fiesta de la Virgen de Urkupina ist ein katholisches Fest zu Ehren der Jungfrau von Quillacollo. Jedoch werden hierbei auch sehr viele traditionelle Tänze aus ganz Bolivien aufgeführt.

Autor:

Martin absolviert seinen Freiwilligendienst in Bolivien.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ein toller Blog – frisch, fröhlich, mit klarem Blick, Ironie und Realismus – sehr schön! Wir wünschen dir weiterhin eine gute, spannende Zeit und tolle Begegnungen!

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