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Auf der Suche nach Frieden für Cabo Delgado

Die mosambikanische Bischofskonferenz Comissão Episcopal de Justiça e Paz (CEJP) und weitere zivilgesellschaftliche Organisationen (CSOs) veranstalteten am 23. August 2019 in der Katholischen Universität in Pemba eine Konferenz zum Thema „Konflikte und Zugang zur natürlichen Ressourcen in der Provinz Cabo Delgado“. Das Zusammentreffen ist ein wichtiger Schritt zur Verständigung in einem Umfeld, das zunehmend von Gewalt und geschwächten staatlichen Strukturen geprägt ist. Anabela Belo von MISEREOR war vor Ort und berichtet.

Ende August kamen Vertreterinnen und Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, um sich über Konflikte und den Zugang zu natürlichen Ressourcen in der Proviz Cabo Delgado auszutauschen. Foto: Belo/MISEREOR.

Die Provinz Cabo Delgado ist zwar reich an natürlichen Ressourcen wie Gas, Rubin, Graphit und Marmor, gehört gleichzeitig aber zu den ärmsten Regionen Mosambiks. Seit 2017 wird sie von einer Welle militärisch-terroristischer Gewalt heimgesucht, die bereits Hunderte unschuldige Opfer gefordert hat. Immer wieder wird dabei von Gruppierungen versucht, Religion für diesen Verteilungskonflikt zu instrumentalisieren und die Menschen gegeneinander aufzubringen. Bis jetzt ist weder bekannt, wer hinter dieser Gruppe steht, noch wurden Forderungen gestellt.

Akademische Studien beziehen sich auf die historischen Quellen des Konfliktes, zu denen auch alte Feindseligkeiten zwischen den Völkern des Inneren und der Küste der Provinz gehören. Aber auch der jüngste Abbau internationaler Netze im Zusammenhang mit der illegalen Ausbeutung und dem internationalen Handel mit Rubinen oder Holz wurde als Quelle der Unzufriedenheit für die Bevölkerung erwähnt, die ihre Einkommensquellen verloren hat.

Erstmals fand nun die Konferenz Konferenz „Konflikt Mensch und natürliche Ressourcen“, in einem großen, öffentlichen Rahmen statt. Unter den Teilnehmenden waren auch Vertreterinnen und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, Mitglieder der Provinzregierung und Bewohnerinnen und Bewohner von Gemeinden, die von der Gewaltsituation betroffen sind. Ziel der Konferenz war es, die Auswirkungen von Großinvestitionen und Ressourcenabbau auf die Bevölkerung in Regionen mit schwacher Infrastruktur aufzuzeigen.

Der Journalist Tomás Vieira Mário verweist in seinem Artikel zur Konferenz „Conflitualidade humana em Cabo Delgado: quem chama as balas?“ auf die Vielschichtigkeit des Konflikts und auf die erkennbare Strategie des Schweigens Seitens der mosambikanischen Regierung, die systematisch den Zugang zu Informationen für Journalistinnen und Journalisten, Forscherinnen und Forscher verhindert. Mutmaßlich steht der Versuch dahinter, Aufruhe unter den großen multinationalen Unternehmen zu vermeiden, die in Gas, Rubin, Graphit und Marmor investieren.

Die Großinvestitionen in Rohstoffabbau-Projekte von Firmen wie Anadarko, Eni, Montepuez Ruby Mining etc. hatten vor allem bei der Jugend Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt wurden. „Die Nichterfüllung dieser Erwartungen macht die Menschen anfällig für anti-staatliche Diskurse, insbesondere eine Jugend ohne Zukunftsperspektiven“. Versöhnungsansätze müssen also vor allem die Verbesserung der sozio-ökonomische Situation der Menschen in der Region in den Blick nehmen und Teilhabemöglichkeiten an politischen Prozessen und wirtschaftlichen Erfolgen schaffen. Religionsführerinnen und Religionsführer sowie die Religiosität der Menschen kann dabei eine wichtige Rolle zukommen, wenn es gelingt, die Gemeinsamkeiten im Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenwürde, das verschiedene Religionen verbindet, herauszustellen anstatt die eigene Religion zur Manipulation und zur Aufstachelung zu Hass zu missbrauchen.

In der Abschlusserklärung versuchen die Teilnehmenden, Arbeits- und Handlungslinien auf den Weg zu bringen, die Bürger(innen), Unternehmen und die Regierung einbeziehen, um Wege zur Überwindung der Gewalt im Norden des Landes zu finden. Als Abschluss der Konferenz haben der Bischof von Pemba, Dom Luiz Fernando Lisboa, und das Oberhaupt des islamischen Rates, Eduardo Música, gemeinsam ein neutrales (nicht kirchliches) Gebet aus Laudato Sí gebetet. Mit diesem symbolkräftigen Akt wollen die Religionsvertreter darauf aufmerksam, dass die Gewaltursachen komplex und nicht religiös motiviert sind, analysiert und in der Öffentlichkeit diskutiert werden müssen.

Insgesamt war die Konferenz ein wichtiger Schritt zur zivilgesellschaftlichen Verständigung in einem Umfeld, das zunehmend von Gewalt und geschwächten staatlichen Strukturen geprägt ist. Die CSOs der Region konnten sich gemeinsam und offen mit dem Klima der Gewalt in Cabo Delgado befassen, Empfehlungen an die Regierung richten und einen besseren Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen über die Krise fordern.

Über die Autorin: Anabelo Belo ist verantwortlich für die inhaltliche Begleitung von Projekten in Mosambik.


Weitere Informationen

Die Abschlusserklärung (auf Portugiesisch) können Sie hier einsehen.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Muito obrigada! Um bom resumo do que foi aquele encontro. Esperemos que dei como fruto o respeito da vida e da dignidade humana a pesar de ter de reconhecer que por agora, parece que os próprios insurgentes não ouviram nem escutaram nada do dito no Seminário… os ataques continuam cada vez pior…

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