Suche
Suche Menü

Deutsch-Französischer Menschenrechtspreis für Delphine Djiraïbé

Etwa 40.000 politische Morde und ungezählte Folterungen sind die Bilanz des ehemaligen tschadischen Präsidenten Hissène Habré, der das Land von 1982 bis 1990 mit unfassbarer Grausamkeit regierte. Wie viele Menschen im Tschad begriff Delphine Kemneloum Djiraïbé das Ausmaß dieser Katastrophe erst, als die Tore der politischen Polizei DDS geöffnet wurden und verwesende Leichen sowie ausgemergelte Überlebende zum Vorschein kamen. Das Ende des Terrorregimes von Hissène Habré war der Anfang von Delphine Djiraïbés Einsatz für die Menschenrechte: Nie mehr sollten die Menschen ihres Landes solches Leid erfahren.

Dr. Jakob Haselhuber, Delphine Djiraïbé und Bertrand Cochery (v. l. n. r.) in der Residenz des deutschen Botschafters in N’Djamena/ Tschad. © Frank Kahnert

Nun, dreißig Jahre später, wurde Frau Djiraïbé am 9.3.2020 für ihr Engagement mit dem „Deutsch-Französischen Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit“ 2019 in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, ausgezeichnet.

Die Botschafter beider Länder, Jakob Haselhuber und Bertrand Cochery, überreichten ihr gemeinsam Medaille und Urkunde. In ihrer emotionalen Dankesrede widmete Delphine Djiraïbé ihren Preis zwei vor wenigen Wochen in N’Djamena vergewaltigten und ermordeten Frauen. Sie stünden stellvertretend für die Gewalt, der Frauen im Tschad in ihrem Alltag bis heute ausgesetzt sind.

Auch darin erwies die Ausgezeichnete sich als Advokatin für die Menschenrechte. Anwältin, das ist außerdem ihr bürgerlicher Beruf. Nach einem Jura-Studium in Kongo-Brazzaville kehrte die 1960 Geborene 1989 in ihre Heimat Tschad zurück und arbeitete dort zunächst im öffentlichen Dienst. Nach zwei Jahren Referendariat wurde sie 2004 in einer männlich dominierten Profession eine der ersten Rechtsanwältinnen ihres Landes.

Ihren Kampf für die Menschenrechte aber begann sie weit früher, nämlich indem sie 1991 die Association tchadienne pour la Promotion et la Défense des Droits de l’Homme (ATPDH) ins Leben rief, den sie zehn Jahre lang leitete. (Die aktuelle Präsidentin des Vereins, Jacqueline Moudeina, erhielt im Übrigen 2016 ebenfalls den in diesem Jahr zum ersten Mal vergebenen deutsch-französischen Menschenrechte-Preis.)

2006 gründete sie das ebenfalls in N’Djamena angesiedelte Public Interest Law Center (PILC). Dessen Innovation bestand in der Ausbildung sogenannter „Para-Juristen“, die als Laien mit juristischen Grundkenntnissen solchen Menschen helfen, die nur schwer Zugang zur Justiz finden, wie z. B. Dorfbewohnern. Derzeit gibt es 220 solcher Rechtsberatenden, die etwa bei Gewalt gegen Frauen oder bei Erbstreitigkeiten eingreifen.

MISEREOR ist stolz, ein Partner von Delphine Djiraïbé zu sein. Mit unserer Unterstützung hat sich das PILC den Ungerechtigkeiten bei der Erdölförderung im Tschad widersetzt. Die Menschenrechts-Vereinigung ATPDH aber zählt zu den langjährigen Partnern von MISEREOR im Tschad.

Über den Autor: Frank Kahnert leitet die MISEREOR-Dialog- und Verbindungsstelle Tschad.


Weitere Beiträge zu
‚Menschenrechte im Tschad‘

Autor:

Frank Kahnert leitet die MISEREOR Dialog- und Verbindungsstelle Tschad.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.