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MISEREOR stellt COVID-19-Observatory vor

Vor wenigen Wochen hat MISEREOR das COVID-19-Observatory ins Leben gerufen. Das Projekt soll dazu dienen, gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort die Ernährungssituation in verschiedenen ländlichen Regionen Subsahara-Afrikas in der Corona-Pandemie zu dokumentieren und so sichtbarer zu machen. Die Ergebnisse sollen MISEREOR und dessen Partnern zugutekommen.

Corona-Maßnahmen im Senegal
Frauen im Senegal bei landwirtschaftlichen Arbeiten mit Mund- und Nasenschutz: Durch die Schließung der Märkte sowie mangelnde Lagerkapazitäten erleiden viele Bäuerinnen und Bauern erhebliche Ernteverluste. © ENDA Pronat

Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es aus Afrika eine Vielzahl von Berichten zu den negativen Auswirkungen der verhängten Restriktionen. Maßnahmen der nationalen Regierungen wie die Einschränkung von Mobilität und Transport oder die Schließung der Wochenmärkte wirken sich nicht nur auf den Alltag der Bevölkerung aus – auch die Ernährungssituation wird schwieriger. Bislang richtete sich das Augenmerk der Berichterstattung über die Pandemie vor allem auf die städtische Bevölkerung. Hingegen waren die Folgen für ländliche Gebiete in den Regionen bislang nur schwer zu erfassen. Es kommt erschwerend hinzu, dass die Arbeit der meisten MISEREOR-Partnerorganisationen in den Projektregionen seit Inkrafttreten der Maßnahmen stark eingeschränkt ist.

Was bedeuten die Maßnahmen für die Menschen?

In Zusammenarbeit mit 9 Partnerorganisationen aus Äthiopien, Burkina Faso, Nigeria, Südafrika, Uganda und dem Senegal wird das COVID-19-Observatory die Folgen der COVID-19-Präventionsmaßnahmen über einen Zeitraum von drei Monaten erheben und beobachten. Dabei sollen auch andere Krisen (etwa ökonomische) mit berücksichtigt werden, die bereits vor Corona das Leben in einigen der betroffenen Länder erschwerten. Auf Grundlage eines gemeinsam entwickelten Leitfadens wird die Situation in den Projektregionen über Telefoninterviews oder persönliche Gespräche mit Kontaktpersonen vor Ort kontinuierlich erfasst.

Preise steigen

Aus manchen Partnerländern liegen bereits erste Bestandsaufnahmen vor. So bereiten die im Vergleich zum Vorjahr extrem gestiegenen Nahrungsmittelpreise das größte Problem in den Projektregionen. In Tataguine, einer ländlichen Gemeinde im Westen Senegals, lassen sich für einige Produkte wie Fleisch und Fisch Preissteigerungen zwischen 80 und 100 % verzeichnen. Doch auch Reis und andere Grundnahrungsmittel sind erheblich teurer geworden oder oftmals nicht in ausreichender Menge verfügbar. Lagen die Preise für Hirse im Juli 2019 noch bei 200 CFA-Francs pro Kilo, sind sie heute bei etwa 300. Für andere Produkte wie Erdnüsse lassen sich sogar noch drastischere Veränderungen von 750 zu teilweise 1300 CFA-Francs feststellen.

Bei einigen Produkten wie Fleisch und Fisch sind Preissteigerungen zwischen 80 und 100 % zu verzeichnen.

Gesundheit leidet

Insgesamt führt dies vielerorts zu einer deutlich einseitigeren Ernährung der Bevölkerung, wie Herr F. ausführt: „Seit es COVID-19 gibt, konnten wir kein Gemüse und keine anderen Lebensmittel mehr bekommen, also mussten wir die gleichen Lebensmittel essen. Wir diversifizieren unsere Ernährung nicht, und aus gesundheitlicher Sicht stellt das ein Problem dar.“

Corona-Maßnahmen in Südafrika
Verteilung von Lebensmitteln an die ländliche Bevölkerung in Südafrika: Durch enorme Einkommensverluste und einer mangelhaften Verfügbarkeit von Nahrung ist die Ernährungssicherheit oftmals gefährdet. © Mdukatshani

Ernteverluste und sinkende Einkommen

Gleichzeitig hat sich die finanzielle Situation in vielen Haushalten dramatisch verschlechtert. Vor allem in der Landwirtschaft werden niedrigere Einkommen erzielt. Denn Marktschließungen und Transporteinschränkungen beeinträchtigen den Absatz der Produkte erheblich. Zudem entstehen durch geringe Lagerkapazitäten hohe Ernteverluste. Davon sind beispielsweise Kleinbauern in Osogbo (Nigeria) betroffen. Sie bauen leicht verderbliche Produkte wie Tomaten, Okra oder Paprika an; diese sind aufgrund der hohen Temperaturen jedoch nur sehr kurz haltbar.

In den nächsten Wochen sollen die ersten Ergebnisse weiter vertieft und neue Erkenntnisse aus dem Projekt kontinuierlich geteilt werden.

Autor Tim Bosch studiert an der Freien Universität Berlin im Master-Studiengang Geographische Entwicklungsforschung (M.Sc.) und ist für die Koordinierung und Planung der Erhebung sowie die Analyse der Daten verantwortlich.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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