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Schule in Zeiten der Pandemie: ein Blick in afrikanische Partnerländer

Bildung. Ein großes Wort, das Hoffnung, Zukunftsmöglichkeiten und neue Perspektiven verheißt. Doch seit gut einem Jahr ist Bildung aufgrund der COVID-19-Pandemie weltweit drastisch eingeschränkt. Über 1,6 Milliarden Kinder konnten zeitweise oder können immer noch nicht zur Schule gehen. Ihnen bleibt damit ein grundlegendes Menschenrecht verwehrt. Bildungsmöglichkeiten waren schon vor COVID-19 sehr ungleich verteilt. Die Pandemie hat diese Asymmetrien nun weltweit verschärft. Ein Blick in unsere Partnerländer auf dem afrikanischen Kontinent zeigt, welche Folgen dort die Schulschließungen haben.

Klassenzimmer Afrika
Gerade in Afrika bedrohen Schulschließungen die Zukunft von Millionen von Kindern; laut UNICEF haben Schulkinder in den ärmsten Ländern seit Beginn der Pandemie fast vier Monate Schulzeit verloren. © Hennie Stander / Unsplash

Laut UNICEF haben Schulkinder in den ärmsten Ländern seit Beginn der Pandemie fast vier Monate Schulzeit verloren. Gerade in Afrika bedrohen Schulschließungen die Zukunft von Millionen von Kindern. Neben der oftmals mangelhaften Versorgung mit Nahrungsmitteln fehlt es im Besonderen an technischer Ausstattung für den Fernunterricht und am Internetzugang – vor allem in ländlichen Regionen und den Vororten der großen Städte. So muss der Unterricht oft komplett ausfallen. Die potenziellen Verluste, die für die junge Generation bei der Entwicklung ihres Lebensweges entstehen, sind kaum zu ermessen.

Malawi: mehr Kinderehen

Ganz besonders leiden Mädchen und junge Frauen. Partnerorganisationen berichten, dass die Anzahl der Teenager-Schwangerschaften und Kinderehen seit Beginn der Pandemie dramatisch gestiegen sei – die Familien befinden sich in einer wirtschaftlich noch schwierigeren Situation als ohnehin schon. Viele werden es sich auch nach Wiedereröffnung der Schulen nicht leisten können, ihre Kinder zurück in die Schule zu schicken – und die Töchter werden dabei zuletzt berücksichtigt. Eine von der malawischen Regierung geleitete COVID-19-Untersuchung zeigt, dass das Land während des ersten Lockdowns (von März bis Juli 2020) über 40.000 Fälle von Teenager-Schwangerschaften registriert hat – ein Anstieg um 11 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2019.

Kongo: Kinder ohne Obdach

Im Osten Kongos haben zahlreiche Kinder kein Zuhause. Sie leben ohne Obdach. Nach Berichten unserer Partnerorganisation Don Bosco sind viele Minderjährige aufgrund der Schließung der unterstützenden Zentren zur Prostitution gezwungen, um zu überleben. Sie haben durch den Ausfall der Schule nicht nur ihre Chance auf einen Bildungsabschluss verloren, sondern auch auf die Unversehrtheit ihrer Körper. Der tägliche Schulbesuch schützt Kinder sonst davor, den Tag auf der Straße verbringen zu müssen – ohne Obdach und Schutz. Ohne Bildungsmöglichkeiten können sich auch Konfliktdynamiken in den Ländern verschärfen, weil Armee und Milizen in diese „Lücke“ stoßen und Heranwachsende rekrutieren. Davon sind Jugendliche im Ostkongo und im Südsudan betroffen.

Katastrophale Situation im Südsudan

Im Südsudan bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. Nach Angaben unserer Partnerorganisation in der Diözese Rumbek ist die Zahl der Straßenkinder im letzten Jahr rapide gestiegen. Das ist auf die Schließung der Schulen zurückzuführen. Der Hunger hat sich katastrophal auf das Leben dieser Kinder ausgewirkt: Einige konnten mit den bereitgestellten Schulmahlzeiten überleben, aber mit der Schließung der Schulen stehen Tausende ohne eine einzige Mahlzeit am Tag da.  

Schulbildung Afrika Corona
Mit vereinten Kräften muss die internationale Staatengemeinschaft jetzt darauf hinarbeiten, dass nach der Pandemie allen Kindern der Zugang zu Grundbildung (wieder) ermöglicht wird. © Precious Makochera / Unsplash

Bildung hat Priorität!

All die erschütternden Berichte zeigen, dass Schulschließungen durch COVID-19 eine dramatische Zäsur bedeuten, die die Gesamtsituation in vielen Ländern verschärft. Mit vereinten Kräften muss die internationale Staatengemeinschaft jetzt darauf hinarbeiten, dass nach der Pandemie allen Kindern der Zugang zu Grundbildung (wieder) ermöglicht wird. Sonst wären jahrzehntelange Bemühungen und Investitionen in die Herstellung von Chancengleichheit verloren. Und die ohnehin Marginalisierten würden noch größerer Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit ausgesetzt. Das hätte zur Folge, dass sich Armutslagen verschärfen, soziale Gräben sich vertiefen und die Partizipationsmöglichkeiten an Politik und Wirtschaft sowie der Einfluss auf die eigene Lebensgestaltung langfristig negativ beeinflusst würden.

MISEREOR setzt sich mit seinen Partnerorganisationen dafür ein, dass Bildung höchste Priorität bekommt und unterstützt Lobbyaktivitäten, insbesondere in Ländern des globalen Südens, für vulnerable Schulkinder, vor allem Mädchen. Denn die sozial-ökologische Transformation ist nur durch einen gleichberechtigten Zugang aller Menschen zu Bildung möglich – weltweit.

Autorin: Kira Häring ist Sachbearbeiterin bei MISEREOR in der Abteilung Afrika/Nahost für das südliche Afrika.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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