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Quo vadis Kaffee

Die Kaffeebauern in Peru haben schwer zu kämpfen. Der Klimawandel macht den Anbau schwieriger, ganze Ernten sind von Plagen befallen und die Preise auf dem Weltmarkt sind durch globale Spekulation sehr niedrig. Der Faire Handel und die Nachfrage nach individuellen Geschmacksrichtungen eröffnen den Kaffeebauern jedoch neue Perspektiven. Ein Projektbesuch in den Dörfern Chonta und San Cristobal im Norden Perus.

© Florian Kopp | MISEREOR

Kaffee ist anspruchsvoll. Er wächst nur in bestimmten Höhenlagen, braucht intensive Pflege und der Verarbeitungsprozess ist aufwendig: die Bohnen müssen geschält, fermentiert, gewaschen und mehrere Tage getrocknet werden. Die äußeren Umstände machen den Kaffeeanbau nicht einfacher: Die Kaffeepreise sind niedrig, veränderte Klimabedingungen führen zu stärkerer Sonneneinstrahlung und Wassermangel und die Kaffeerostplage hat ganze Ernten und damit überlebenswichtige Einkommen vernichtet.

© Florian Kopp | MISEREOR

Die Bauern versuchen, den Schwierigkeiten mit anderen Bewässerungstechniken und Anbaumethoden zu begegnen. Manche setzen auf Agroforst und Mischkulturen, andere auf die Züchtung widerstandsfähiger Pflanzen. Hugo Guerrero Alvaro, ein junger studierter Landwirt in Chonta, experimentiert mit nährstoffreichem Kompost aus eigener Herstellung. Man brauche Geduld mit dem Kaffee, sagt der 33-jährige.

Hugo Guerrero Alvaro, ein junger studierter Landwirt in Chonta © Florian Kopp | MISEREOR

Guerrero ist eines von sieben Kindern des Kleinbauern Segundo Guerrero Mondragon, Mitgründer der Kooperative Norandino, die heute eine große Kaffeeverarbeitungsanlage in Piura besitzt. 95.000 Tonnen Kaffee produziert die Kooperative jährlich, davon gehen 70 Prozent über den Fairen Handel ins Ausland. Für Guerrero und die Kaffeebauern in der Ortschaft San Cristobal bedeutet das ein sicheres Einkommen. Sie arbeiten in Gemeinschaften von kleinbäuerlichen Produzenten, sogenannten Appagrops, und verkaufen ihre Ernte an die Kooperative für einen fairen Lohn von 140 US-Dollar pro 56-Kilo-Sack. Auf dem globalen Markt gäbe es dafür nur 95 US-Dollar. Der Faire Handel macht sie damit unabhängiger von Preisschwankungen. Seitdem die Kleinbauern außerdem vermehrt Früchte und Gemüse für den Eigenbedarf anbauen, ist ihre Abhängigkeit von Schuldnern gesunken, an die sie früher ihre kompletten Ernten im Voraus verkauft haben, um in den regenreichen und ertragsarmen Wintermonaten von dem Geld Lebensmittel kaufen zu können.

Segundo Guerrero Mondragon, Mitgründer der Kooperative Norandino © Florian Kopp | MISEREOR

Über die Autorin: Eva Tempelmann lebt und arbeitet als freie Journalistin und Fotografin in Lima, Peru.


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misereor.de/informieren/fairer-handel

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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