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Eine Reissorte trotzt der Klimakrise – das MISEREOR-Superfood gegen Hunger 2021

In den Philippinen ermöglicht ein Netzwerk Bäuerinnen und Bauern, eigenständig Reis zu züchten und anzubauen. Alte Reissorten werden gesammelt, getauscht und neue Reislinien gezüchtet, die optimal an die lokalen Bedingungen angepasst sind. Das sichert den Bauernfamilien ein gutes Auskommen, macht sie unabhängig von Großkonzernen – und hilft ihnen dabei, sich für die Klimakrise zu wappnen.

Reisanbau Philippinen
Die Menschen in den Philippinen spüren die Folgen der Klimakrise deutlich: die Regenzeiten verschieben sich, immer häufiger gibt es unberechenbaren Starkregen, Überschwemmungen und Wirbelstürme – und damit kommt es auch zu Ernteverlusten. © Azilem Yongbi / Unsplash

Zufrieden schaut Pepito Babasa über sein sattgrünes Reisfeld. Sein bester Reis, PBB 401, wird ihm auch in diesem Jahr wieder eine gute Ernte bringen. Das war nicht immer so. Reisanbau in seinem Heimatort Bato in den Philippinen ist riskant: Seit Generationen nutzen die Bäuerinnen und Bauern dafür unter anderem den fruchtbaren Boden des im Sommer ausgetrockneten Sees. Sobald es stärker regnet, sammelt sich das Regenwasser im See, überflutet die Felder und zerstört den Reis. Das Risiko war lange Zeit kalkulierbar, doch nun spüren die Menschen die Folgen der Klimakrise deutlich. Die Regenzeiten verschieben sich. Es kommt immer häufiger zu unberechenbarem Starkregen, Überschwemmungen, Wirbelstürmen, Dürren und Erdrutschen – und damit zu Ernteverlusten. Für die Landwirt*innen ist das eine Katastrophe: Wer nichts erntet, kann nichts verkaufen und hat im schlimmsten Fall nichts zu essen. Auch Pepito Babasa litt unter dieser Unsicherheit.

Unabhängigkeit durch eigene Züchtung

Zudem bedeutete der Reisanbau für Babasa ein enormes finanzielles Risiko: Saatgut kaufte er jedes Jahr neu und teuer von internationalen Konzernen – oftmals in Verbindung mit speziell abgestimmten, giftigen Pestiziden und Düngemitteln, die hohe Erträge versprachen. Viele Kleinbäuerinnen und -bauern können sich diese Saatgutpakete nur leisten, wenn sie sich verschulden. Fällt die Ernte aus, fehlt das Geld, um den Kredit zurückzuzahlen.

Reisanbau Reiszucht Philippinen Klimakrise
Indem Pepito Babasa eigenständig Reis aussäen und ernten kann, ohne jedes Jahr neues Saatgut kaufen zu müssen, sichert ihm dies nicht nur die Ernährung der Familie und der Dorfgemeinschaft, sondern macht ihn auch unabhängig von Großkonzernen. © MASIPAG / MISEREOR

Das änderte sich, als Pepito Babasa von MASIPAG hörte. Das landesweite Netzwerk, zu dem sich Bäuerinnen und Bauern, Wissenschaftler*innen und Nichtregierungsorganisationen zusammengeschlossen haben, fördert ökologische Landwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen der Schutz und Erhalt von Saatgut. Bei MASIPAG lernte Babasa, Reis zu züchten – mit samenfestem Saatgut. Das bedeutet, dass es nachbaubar ist und aus der Pflanze wieder neues Saatgut gewonnen werden kann. So können Landwirt*innen wie Babasa eigenständig immer wieder Reis aussäen und ernten – ohne jedes Jahr neues Saatgut kaufen zu müssen. Das sichert nicht nur die Ernährung ihrer Familien und der Dorfgemeinschaft, sondern macht sie auch unabhängig, weil die jährlichen Investitionen wegfallen. So haben die Bäuerinnen und Bauern am Ende des Tages oft mehr finanzielle Mittel, können sich zusätzliche Lebensmittel für eine ausgewogene Ernährung leisten oder eine gute Ausbildung für ihre Kinder bezahlen.

Gemeinsam gegen die Klimakrise

Dem MISEREOR-Projektpartner MASIPAG gehören heute in den Philippinen mehr als 50.000 Landwirt*innen an. Das über Jahrzehnte gesammelte Wissen und Saatgut steht allen zur Verfügung, man hilft sich gegenseitig bei Aussaat und Ernte. Alte Reissorten werden erhalten, weiterentwickelt, untereinander getauscht und weitergegeben. So können alle die zu den eigenen Bedürfnissen passenden Sorten nachzüchten oder neu kombinieren. Zudem entstehen überall im Land Saatgutbanken. Auf diese können die Kleinbäuerinnen und -bauern zurückgreifen, wenn Schädlinge oder Unwetter ihre Ernten vernichtet haben. Auf Basis der traditionellen Sorten entstanden so mittlerweile 2.000 neue Reislinien, die optimal an die Bodenbeschaffenheiten und veränderten Klimabedingungen in den jeweiligen Regionen angepasst sind.

Reis PBB 401

PBB 401 ist der Schlüssel

Genauso wie die von Babasa gezüchtete und 2003 erstmals gekreuzte Reissorte PBB 401. Der Name kennzeichnet ihn wie bei MASIPAG üblich als Züchter: Pepito B. Babasa. PBB 401 zeichnet sich durch einen guten Geschmack aus und ist trockenheitstolerant. Dürre kann diesem Reis also nicht so schnell etwas anhaben, genauso wenig die in der Region üblichen Taifune. Die Halme trotzen dem Wind und sollte es sie doch einmal umhauen: PBB 401 liefert selbst dann noch gute Erträge, wenn die Rispe mit den Reiskörnern in Schieflage geraten ist. Manch andere Reissorte wäre dann schnell nicht mehr zu gebrauchen, die Ernte verloren. Heute ernährt Pepito Babasa nicht nur sich selbst und seine Familie zuverlässig und ausgewogen, seine Tochter deckt zudem einen Teil ihres Reisbedarfs für ihr Restaurant von der Überschussproduktion ihres Vaters. Grund genug, zufrieden und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen: PBB 401 ist für Pepito Babasa und viele andere Landwirt*innen der Schlüssel, um sich aktiv gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen, unabhängig von internationalen Konzernen zu bleiben – und ihren Lebensstandard zu sichern.

Dieser Artikel ist Teil der MISEREOR-Publikation Herausforderung Hunger, die am 29.09. 2021 erscheint.


Weitere Informationen:

Helfen Sie uns den Hunger zu bekämpfen | MISEREOR

Wie Vielfalt hilft den Hunger zu bekämpfen | MISEREOR | MISEREOR

Geschrieben von:

Corinna Würzberger ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei MISEREOR.

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