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Wie eine Frau den Regenwald rettet – Lesung und Konzert von Patricia Gualinga mit Grupo Sal

Der Regenwald rund um den Amazonas ist die „grüne Lunge“ der Welt. Sie ist unersetzlich. Auch als Heimat für Menschen, die den Wald mit ihrer Lebensweise schützen wollen. Gegen die Zerstörung des Regenwalds durch Brandrodung, Staudämme und Viehweiden wehren sich Menschen weltweit. Patricia Gualinga lebt im Regenwald von Ecuador. Sie ist Umweltaktivistin und engagiert sich vehement für den Erhalt des Regenwaldes.

Patricia Gualinga Ecuador
Patricia Gualinga ist Umweltaktivistin in Ecuador und engagiert sich vehement für den Erhalt des Regenwaldes. © Archiv Sarayaku

Patricia Gualinga ist die Hauptperson des Konzert- und Vortragsabends im November 2021 in Aachen. Wegen der Corona-Pandemie ist sie nicht persönlich anwesend, sondern tritt über einen Bildschirm vor ihr Publikum. Ihre Verbundenheit mit dem Regenwald in ihrer Heimat Ecuador zeigt sie bei vielen ihrer öffentlichen Auftritte, auch über ihre Kleidung und Gesichtsbemalung. An diesem Abend trägt sie Ohrringe aus Federn.

Einblicke in die indigene Lebensweise

Im Mittelpunkt des Konzert- und Vortragsabends steht nicht Patricia Gualinga selbst, sondern ihr Einsatz als Umweltaktivistin. Begleitet werden ihre Erzählungen von dem Musikduo Grupo Sal, das auf Gitarre und Schlaginstrumenten lateinamerikanische Lieder spielt. Die Politologin Riccarda Flemmer übersetzt die Worte von Patricia Gualinga ins Deutsche und stellt immer wieder Fragen, die den Zuhörer*innen Einblicke in die Lebenswelt einer indigenen Gemeinschaft geben.

Patricia Gualinga Lesung und Konzert online
Live-Schalte aus Ecuador: Patricia Gualinga war via Internet zugeschaltet. © Karina Kirch

Ihre Erzählungen beginnen mit der Beschreibung ihrer Heimat Sarayaku im ecuadorianischen Regenwald. Das Dorf mit seinen knapp 1.000 Einwohner*innen, die sich Kichwa nennen, ist seit den 1990er-Jahren weltweit bekannt. Die Regierung von Ecuador erlaubte einer Erdölfirma, auf dem Land nach Öl zu bohren. Das Dorf wehrte sich dagegen mit Erfolg und brachte den Fall vor den lateineramerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte. Daraufhin erhielt die Dorfgemeinschaft Recht – und schließlich eine Entschädigung von der Regierung.

Mit dem Kanu nach Paris

Im Gespräch mit Riccarda Flemmer erzählt Patricia Gualinga davon, wie es die Menschen in ihrem abgeschiedenen Dorf bis heute schaffen, auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen und das begehrte Land zu schützen: „Wenn es darum geht, aufzufallen, sind wir kreativ. Wir haben uns vorgenommen, mit einem Einbaum nach in Paris bei der Klimakonferenz 2015 anzukommen. Da wir keine Erlaubnis erhielten, über den Fluss Seine zu einem zentralen Ort zu fahren, fuhren wir über einen Seitenarm und konnten so die Öffentlichkeit aufmerksam machen auf unsere Anliegen zur Erhaltung des Regenwaldes.“

Bewegung der Frauen des Amazonas

Im zweiten Teil des Vortragsabends geht es weiter mit der Gemeinschaft vor Ort, die sich vor allem auf die Förderung der Frauen fokussiert, und der Frage, wie „Frauen in einem von Männern dominierten Land ihre Anliegen durchbringen,“ so Riccarda Flemmer. Patricia Gualinga beschreibt die Strategie, dass sie häufig gemeinsam in Frauengruppen auftreten und sich so gegenseitig stärken: „Wir sind dadurch niemals schutzlos, sondern bauen unsere Bewegung der Frauen des Amazonas stetig auf. Wir nennen uns selbst die Wespen. Wer eine Wespe verärgert, stellt sich gegen den ganzen Wespenschwarm.“

Grupo Sal
Das Grupo-Sal-Duo „tourt“ mit Patricia Gualinga durch Deutschland. © Fabian Freiberg

Technologien nutzen, ohne sich abhängig zu machen

Im dritten Teil stellt Patricia Gualinga ihre Einstellungen zu Nachhaltigkeit vor. Die Gemeinschaft in Sarayaku nutze eine Fluglinie, Solarkollektoren zur Stromerzeugung und Internet. Auf die Frage von Riccarda Flemmer, ob die Technik in Sarayaku „im Widerspruch zu einem Leben im Einklang mit der Natur“ stünde, entgegnet Patricia Gualinga: „Wir könnten eine Straße bauen, damit unser Dorf zugänglich wird. Wenn wir das machen würden, könnte die Straße aber auch zur Abholzung genutzt werden. Das möchten wir nicht fördern, daher haben wir uns für das Flugzeug entschieden. Ich finde es nicht gerechtfertigt, unsere Nutzung von Technologie mit dem Ressourcenverbrauch von multinationalen Unternehmen zu vergleichen. Wir gehen ganz bewusst mit Technologie um und nutzen sie zum Schutz des Waldes. Wir werden nicht zu Sklaven der Technik.“

Der Wald als Lebewesen

Der Vortragsabend kommt schließlich zum Ende mit Patricias Erzählungen über ihr Prinzip der Nachhaltigkeit, das den Wald als Lebewesen ansieht und ihm so ein Recht auf Erhaltung zugesteht. Riccarda Flemmer: „Wie erklären die Kichwa das Prinzip des lebendigen Waldes?“ Patricia Gualinga: „Der Begriff kawsak sacha steht für die Rechte der Natur, und damit für den Erhalt des Lebensraums der indigenen Sarayaku und kommt letztlich uns allen zugute. Denn indem wir den Regenwald schützen, schützen wir auch die Lunge der Welt, die uns vor den Folgen der Klimakrise schützt.“

Über die Autorin: Karina Kirch ist Referentin für Marketing und Werbung bei MISEREOR.


Für den Erhalt des Amazonas

MISEREOR steht an der Seite vieler Organisationen im Amazonas-Gebiet, die sich dieses Ziel gesetzt haben und für ihre Rechte einstehen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern um den gemeinsamen Weg hin zu einer sozial und ökologisch gerechten Welt. Mehr Informationen zu Spendenprojekten in Brasilien finden Sie hier.


Über die Veranstaltung: Die Konzert-Lesung „Die Welt im Zenit“ fand statt im QuellPunkt, Katholisches Hochschulzentrum des Bistums Aachen, und wurde gefördert vom Klima-Bündnis und der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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