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„Alles, was ich bin, verdanke ich dem Rio Doce.“

Luciana O. Umweltaktivistin. Brasilien. Sie kämpft für ihren Rio Doce, der in der schlimmsten Umweltkatastrophe Brasiliens vor mehr als sechs Jahren von einem Bergbauunternehmen vergiftet wurde.

Luciana O. ist eines der Gesichter der MISEREOR-Kampagne „Mit Menschen“. Foto: Thomas Byczkowski

Das sind meine Wurzeln

Alles, was ich bin, verdanke ich dem Fluss. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich mich im Fluss. Ich sehe meinen Vater mit Barschen aus dem Fluss steigen. Ich erinnere mich, wie wir alle im Fluss gespielt haben. Ich bin das Wasser, ich bin die Kultur, die Tradition, ich bin ein Produkt dieses Schmelztiegels Brasilien, der zurück bis nach Afrika reicht.

Das verleiht mir Flügel

Die Minengesellschaft hat unsere Leben zerstört. Deshalb kämpfe ich, kämpfe für Gerechtigkeit! Nicht nur für mein Volk und für meine Familie, sondern auch für den Rio Doce, denn der ist der Ursprung von allem hier. Was wäre ich denn, wenn ich aufhöre zu kämpfen? Was wäre dann noch von Luciana übrig? Ich kämpfe, um zu leben.

Dafür setze ich mich ein

Ich setze mich ein dafür, dass mein Volk eine Stimme bekommt, mit einem Klang, der in der Welt hallt und der Winde der Veränderung mit sich bringt, der Reparatur und der Regeneration. Ich mache das, damit die Probleme mit den Staudämmen hier in Brasilien zu politischen Diskussionen führen und zu Gesetzen, die allen Opfern helfen.

Meine Arbeit ist beendet, wenn …

… sie wird niemals zu Ende sein! Täglich ist sie ein mühsames Ringen um kleinste Erfolge. Aber wenn ich sehe, dass diese Arbeit der nächsten Generation nutzt, wenn diese Generation meine Arbeit fortsetzt, dann kann ich wenigstens sagen: Ich habe einen guten Kampf gekämpft.

Frauen können …

… die Welt verändern!

Das Interview führte Thomas Byczkowski.


Hintergrund

Am 5. November 2015 brach rund 700 Kilometer von Luciana Os. Wohnort Regência entfernt ein Damm in einer Eisenerzmine des Unternehmens Samarco Mineração. Das Unternehmen ist ein Zusammenschluss der weltweit größten Bergwerkskonzerne Vale S.A. und BHP Billiton. 50 Millionen Kubikmeter giftiger Klärschlamm rollten in einer gigantischen Welle über Bäume, Felder und Häuser den gesamten Rio Doce entlang bis nach Regência und weit in den Atlantik hinein. Während der Katastrophe starben 19 Menschen, viele weitere an den Folgen, Tausende wurden ihrer Existenz beraubt. Der Minenbetreiber wurde zwar u.a. wegen der Missachtung von Sicherheitsstandards verurteilt. Doch während er schon wieder produziert, ist der Fluss noch immer vergiftet, die Opfer längst nicht entschädigt. Bis heute sind Städte, Dörfer und Äcker verschüttet.

Auch für Luciana O. bestimmen die Folgen ihr tägliches Leben: Die zweifache Mutter, Lehrerin und Krankenhelferin kämpft für die Wiederbelebung des Flusses, für die Gemeinschaft in ihrem Ort und für die Entschädigung der Bewohnerinnen und Bewohner, für die Anerkennung von Spätfolgen und Krankheiten in Brasiliens größtem Umweltdesaster.

MISEREOR unterstützt Organisationen wie die AEDAS (Associação Estadual de Defesa Ambiental e Social, die staatliche Vereinigung für Umwelt- und Sozialschutz), die Bewegung MAB (Movimento dos Atingidos por Barragens, die Bewegung der vom Dammbruch Betroffenen) und die Caritas, die sich entlang des 700 Kilometer langen Flusslaufs für die Rechte der Opfer des Dammbruchs einsetzen: Vor allem mit technischem Rat, mit Rechtsberatung, Aufklärung und als Sprachrohr für die Geschädigten, damit die Katastrophe nicht in Vergessenheit gerät.


Sie sind Visionärinnen. Kämpferinnen. Trägerinnen von Entwicklung. Sie setzen sich ein für eine friedlichere Welt. Für den Erhalt der Erde und für eine Ernährung, die nicht nur satt macht, sondern auch gesund ist und umweltschonend angebaut wurde.

Alle Interviews im Überblick


Weitere Informationen zur MISEREOR-Kampagne Mit Menschen und wie sich Luciana O. für ihre Mitmenschen engagiert.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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