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Tiefseebergbau im Südpazifik: Droht dem „Südsee-Paradies“ eine Umweltkatastrophe?

Eine riesige Fläche auf dem pazifischen Meeresboden – vier Mal so groß wie Deutschland – könnte durch Tiefseebergbau zerstört werden. Mit 1,5 Millionen Quadratkilometern sind dies schier unfassbare Dimensionen. Und die Folgen für das gesamte Ökosystem sowie das Klima sind unabsehbar. Gemeinsam mit anderen NGOs aus dem Pazifikraum engagiert sich die Deep Sea Mining Campaign (DSMC) dafür, dass dieses Vorhaben gestoppt wird und die unverhohlene Plünderung der natürlichen Tiefsee-Ressourcen keine Zukunft hat. Die Autorin Dr. Helen Rosenbaum ist Koordinatorin und Sprecherin der MISEREOR-Partnerorganisation DSMC mit Sitz in Australien.

Proteste gegen Tiefseebergbau Solwara Warriors Papua Neuguinea
Proteste gegen den Tiefseebergbau: Jenny Jack (vorne links) und Mitstreiter von der Alliance of Solwara Warriors auf den Duke-of-York-Inseln, Papua-Neuguinea, im Februar 2022. © Alliance of Solwara Warriors

Das gigantische Areal auf dem Meeresgrund des Ozeans ist bereits an private und staatliche Unternehmen verpachtet worden. Mächtige Wirtschafts- und Profitinteressen sorgen dafür, dass eine weitere Exploration des Bodens im Südpazifik vorangetrieben wird. Das Unternehmen, das den Abbau von mineralischen Rohstoffen am Tiefseeboden am aggressivsten vorantreibt, ist The Metals Company, kurz TMC, das ehemals unter dem Namen DeepGreen firmierte.

Lizenzvergabe für internationale Gewässer

Das Unternehmen TMC wurde im September 2021 durch die Fusion von DeepGreen mit einem börsennotierten Unternehmen gegründet. Das Engagement von DSMC konnte dazu beigetragen, dass über 90 % der Aktionäre dieses Unternehmens ihre Gelder nach der Fusion bereits abgezogen haben. Gleichzeitig hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) ein Moratorium für den Tiefseebergbau und eine Reform der International Seabed Authority (ISA, Internationale Meeresbodenbehörde mit Sitz in Jamaica) gefordert, die die Lizenzen für den Tiefseebergbau in internationalen Gewässern vergibt. 

Tiefseebergbau pro und contra: Cookinseln gegen Fidschi

Der Tiefseebergbau wird schwerwiegende Folgen haben. Das hat eine eigene Analyse von mehr als 250 wissenschaftlichen Arbeiten und anderen Veröffentlichungen bestätigt. Nach menschlichen Zeitmaßstäben sind die Folgen unumkehrbar. Der Tiefseebergbau zerstört nicht nur Arten am Tiefseeboden und deren Lebensräume, sondern wirkt sich aufgrund der Bergbauabfälle, des Lichts, des Lärms und der sedimentbedingten Trübungswolken auch auf viele andere Arten negativ aus – einschließlich jener, auf die wir Menschen angewiesen sind.

Die Meinungsverschiedenheiten über den Tiefseebergbau zwischen den Regierungen der Pazifischen Inselstaaten nehmen zu. Die Cookinseln, die bereits an der Mineralienexploration im Pazifischen Ozean beteiligt sind, werden demnächst ein Unternehmen auswählen, das den Meeresboden in ihren nationalen Gewässern erkunden soll. Die Staaten Tonga und Kiribati betreiben Tiefseebergbau in internationalen Gewässern über die TMC-Tochter Tonga Offshore Mining Limited (TOML), ebenso das kiribatische Staatsunternehmen Marawa, das auch Vereinbarungen mit TMC getroffen hat.

Nach der Wahl des ehemaligen Premierministers der Cookinseln Henry Puna zum neuen Generalsekretär des Pacific Islands Forum (Pazifisches Inselforum PIF) werden sich die Meinungsverschiedenheiten wohl kaum verringern. Puna ist ein einflussreicher Befürworter des Tiefseebergbaus. Fidschi hingegen fordert die Regierungen der Pazifischen Inselstaaten dazu auf, ein Moratorium zu unterstützen. Und der Premier des Inselstaats betont immer wieder, dass seine Regierung „den Tiefseebergbau in fidschianischen Gewässern verboten“ hat. Wir, die DSMC, werden weiterhin gemeinsam mit Verbündeten im Pazifik und weltweit die Forderungen Fidschis unterstützen und so hoffentlich die Ausbeutung des Pazifiks für den Profit einiger Weniger stoppen.

Offener Brief gegen Tiefseebergbau Papua Neuguinea
Jonathan Mesulam, Mitbegründer der Alliance of Solwara Warriors (ASW) in Papua-Neuguinea, und sein Sohn William halten einen Offenen Brief der ASW, der Kirchen und der Zivilgesellschaft, in dem sie fordern, alle Lizenzen zur Erschließung für den Tiefseebergbau in den Gewässern von Papua-Neuguinea zu annullieren und den Tiefseebergbau zu verbieten. © Alliance of Solwara Warriors

Die Deep Sea Mining Campaign

Die Kampagne gegen den Tiefseebergbau Deep Sea Mining Campaign (DSMC) arbeitet mit Nichtregierungsorganisationen und Individuen auf der ganzen Welt zusammen, die besorgt sind wegen der verheerenden Auswirkungen des Tiefseebergbaus auf Meeres- und Küstenökosysteme sowie auf die lokalen Gemeinschaften, die von dem leben, was die Ökosysteme ihnen „bieten“ und daher auf sie angewiesen sind. Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass sich der Tiefseebergbau als Industrie durchsetzt. Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf den pazifischen Raum. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten wir mit Akteur*innen auf den Pazifischen Inseln, in Australien, Neuseeland, Kanada, den USA und Europa zusammen.

Deep Sea Mining Südpazifik
Hydrothermale Quellen bieten Lebensraum für vielfältige, sich ständig verändernde Gemeinschaften von Organismen. © Stephen Low Productions

Unsere Advocacyarbeit

Unsere Lobby- und Advocacyarbeit zielt darauf ab, Entscheidungsträger*innen, politische Analyst*innen, Studierende und die Zivilgesellschaft über die Gefahren des Tiefseebergbaus aufzuklären. Zudem machen wir Banken und Versicherungsgesellschaften auf die Risiken aufmerksam, die Investitionen in den Tiefseebergbau mit sich bringen können. Dank unserer Aufklärungsarbeit haben bereits fünf Banken Richtlinien erstellt, die die Finanzierung von Tiefseebergbau-Aktivitäten ausschließen.

Unsere Ursprünge

Startschuss für unsere Kampagne war 2011 in Australien – wo zwei Mitarbeitende unseres kleinen Teams ansässig sind –, nachdem die Regierung des nahegelegenen Papua-Neuguinea eine Explorationslizenz für die Metallsulfid-Lagerstätte Solwara 1 vergeben hatte. Solwara 1 drohte damals zur ersten kommerziellen Tiefseemine der Welt zu werden. Geplant war der Abbau von Sulfiderzen rund um hydrothermale Quellen in der Bismarcksee, einem kleinen Randmeer in Papua-Neuguinea, nur 30 Kilometer von einer Küstengemeinde entfernt. 

Kampagnenerfolge in Papua-Neuguinea

Der gemeinsame jahrelange Einsatz der lokalen Gemeinschaften, der Alliance of Solwara Warriors und der DSMC haben sich ausgezahlt. Nachdem Finanzinstitutionen vor den ökologischen, sozioökonomischen und finanziellen Risiken sowie Reputationsrisiken gewarnt wurden, die eine Beteiligung an der kanadisch-australischen Aktiengesellschaft Nautilus Minerals Inc. nach sich gezogen hätte, wurde Nautilus Minerals 2019 liquidiert. Der multinationale Bergbaukonzern Anglo American wurde ebenfalls von einer Veräußerung überzeugt, wodurch ein deutliches Signal an andere potenzielle Investoren gesendet wurde. Unsere Partner in Papua-Neuguinea fordern die dortige Regierung weiterhin dazu auf, die an Nautilus Minerals erteilten Lizenzen zu annullieren, und vor den Gerichten ist ein Gerichtsverfahren anhängig, in dem Auskunft zu den Lizenzen verlangt wird.

Über die Autorin: Dr. Helen Rosenbaum ist Koordinatorin und Sprecherin der MISEREOR-Partnerorganisation Deep Sea Mining Campaign.


Weitere Informationen zu unserer Partnerorganisation Deep Sea Mining Campaign (DSMC):

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im Misereor-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hoffen wir, dass selbst wenn was passiert, es keine großen Probleme bereiten wird.

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