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Bangladesch: „Unser Engagement geht weiter“

Vor fünf Jahren begannen brutale Vertreibungen der Bevölkerungsgruppe der Rohingya aus Myanmar. Ein Großteil floh nach Bangladesch. Zeitweise fanden über eine Million Rohingya Zuflucht im Nachbarland, das zu einem der ärmsten der Welt zählt. In Kutupalong, eine der größten Flüchtlingssiedlungen der Welt, engagieren sich seitdem Partnerorganisationen von Misereor. Dazu gehören Uttaran und Caritas Bangladesch. Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel ist in Bangladesch, um zu sehen und zu lernen, sich ein Bild vom Leben in Kutupalong zu machen, um den Geflüchteten Solidarität auszusprechen – und weitere Unterstützung durch Misereor und seine Partnerorganisationen vor Ort zuzusagen.

Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel zu Besuch in einer der informellen Siedlungen Balur Mart © Lobo-Bader | Misereor
Misereor Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel zu Besuch in einer der informellen Siedlungen Balur Mart © Lobo-Bader | Misereor

Aus ihrer Heimat Myanmar wurden sie wegen ihres muslimischen Glaubens brutal vertrieben. Tausende wurden misshandelt oder getötet. Die große Mehrheit lebt in Bangladesch, in Kutupalong, einem Zufluchtsort für eine Million Menschen auf 13 Quadratkilometern. Die Umstände sind schwierig, sie schmerzen. Es fehlt den Menschen in den Camps, die sie nicht verlassen dürfen, an Arbeit, an Bildungsmöglichkeiten, an gesundheitlicher Versorgung, an Wohn- und Lebensräumen. Der Winter steht bevor – Matratzen zum Schlafen sind aufgebraucht, Kleider gegen Kälte fehlen. Menschen, die in Gemeinden nahe der Camps leben, teilen, soweit sie das können. Partnerorganisationen Misereors wie Uttaran und Caritas Bangladesch versuchen die Hoffnung aufrecht zu erhalten und Perspektiven für die geflüchteten Rohingya zu schaffen.

Besuch bei den Geflüchteten in Kutupalong

Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel dankte bei einem gemeinsamen Besuch mit Vertreter*innen von Uttaran und Caritas Bangladesch in Kutupalong für ihren Einsatz zum Wohle der Geflüchteten. Sie setzen sich unermüdlich für ein besseres Leben für die Vertriebenen und Ausgegrenzten ein. „Wenngleich es in den vergangenen Jahren Verbesserungen gegeben hat – auch dank des Engagements unserer Partnerorganisationen – ein Ende der humanitären Krise ist kaum absehbar“ so Spiegel. „Das Engagement mit unseren Partnern geht weiter.“

Treffen mit Caritas in Kutupalong © Caritas Bangladesch
Treffen mit Caritas in Kutupalong © Caritas Bangladesch

50 Jahre Caritas in Bangladesch

Pirmin Spiegel nutzte seine Präsenz ebenfalls, um der Caritas in Bangladesch Glückwünsche zum 50-jährigen Bestehen zu überbringen und ihr Engagement zu würdigen. Bei einem Zusammentreffen mit dem Direktor von Caritas Bangladesch, Sebastian Rozario, und der gesamten Equipe hob Spiegel den Einsatz der Caritas Bangladesch hervor – sowohl im Bereich der Katastrophenhilfe als auch der Entwicklungszusammenarbeit: In zahlreichen Projekten erreicht Caritas 1,6 Millionen Menschen in Bangladesch. Sie betreibt Ausbildungszentren, technische Schulen und Kindertagesstätten. Zudem engagiert sie sich in Tuberkulose-, Lepra- und Drogenbehandlungszentren für die gesundheitliche Versorgung der Menschen. Spiegel und Direktor Rozario trafen sich in dem von Misereor geförderten Trainingszentrum Caritas Development Institute (CDI), in dem Mitarbeitende zahlreicher NGOs in Bangladesch Fortbildungen und Schulungen absolvieren: „Misereor ist der größte und längste Förderer von Caritas Bangladesch und dafür möchten wir uns herzlich bedanken“, so Rozario. Caritas Bangladesch wurde 1972 offiziell von der Regierung anerkannt – damals noch unter dem Kürzel CORR (Christian Organization for Relief and Rehabilitation). Sie hat ihren Sitz in der Hauptstadt Dhaka.

Begegnungen, die zornig machen…

Bangladesch hat eine der höchsten Urbanisierungsraten Asiens. Bis 2030 wird Dhaka die voraussichtlich viertgrößte Megacity weltweit sein. Die Auswirkungen der Klimakrise schwächen die Lebensgrundlagen der Menschen auf dem Land und führen zu erheblichen Migrationsströmen in die Städte. Jeden Tag fliehen bis zu 1.700 Menschen in die Stadt, oft sind es Fischer- oder Kleinbauernfamilien. Die Hauptstadt Bangladeschs hat mittlerweile eine Bevölkerung von etwa 9 Millionen Menschen – im Großraum Dhaka leben gar an die 21 Millionen Menschen. Circa 30 bis 40 Prozent der Einwohner*innen leben in informellen Siedlungen. Menschen wohnen in kleinen Unterkünften in Armenvierteln, haben keinen dauerhaften Zugang zu Lebensmitteln, zu Arbeit oder einem festen Dach über dem Kopf. Es mangelt an sanitärer und gesundheitlicher Versorgung, teils gibt es nur eine Toilette für 100 Personen. Das heißt, die Folgen der Klimakrise sind auch – und gerade – in der Stadt zu spüren, was einen Neuanfang und das Leben enorm erschweren.

… aber auch Mut machen

Der Misereor-Geschäftsführer besuchte die informellen Siedlungen von Balur Mart im Süden von Dhaka. Dort leben 2.600 Familien auf engstem Raum zusammen. Sie berichteten Spiegel von den Erschwernissen ihres Alltags und dass sie ihre Heimatdörfer sehr vermissen. Wenn sie dort keine Bedrohungen durch den Klimawandel und genügend Infrastruktur bzw. Arbeit hätten, würden sie gerne wieder zurückkehren. Auf eine Frage, was das mit mir mache: „Es macht mich zornig! Niemand auf diesem Planeten muss so leben. Es gibt genügend Ressourcen, so dass alle Menschen ein Leben in Würde führen könnten“, so Spiegel bei seinem Besuch. Durch die Unterstützung von Misereor steht BARCIK Familien zur Seite, Zugang zu Sozial- und Gesundheitsdienstleistungen zu erhalten. Gemeinsam mit privaten Krankenhäusern organisiert BARCIK regelmäßig Gesundheitscamps. Diese beraten in gesundheitlichen Fragen und verteilen notwendige Medikamente. Darüber hinaus unterstützt BARCIK Familien dabei, sich durch Bepflanzung ihrer Dächer besser vor der Hitze zu schützen und so über eine zusätzliche Nahrungs- und Einnahmequelle zu verfügen.


Treffen von P. Spiegel mit Vertreter*innen von Caritas Bangladesch

Pirmin Spiegel bei einem Treffen mit Vertreter*innen von unserer Partnerorganisation Caritas Bangladesch in deren Zentrale. Der ausführlich Bericht von Caritas Bangladesch>


Eine Frau sitzt vor ihrer selbstgeschneiderten Kleidung

Auf ihrer Flucht aus Myanmar mussten die Rohingya alles zurücklassen. Im Flüchtlingslager in Bangladesch können sie einen Neuanfang wagen: zum Beispiel mit der Gründung einer Schneiderei oder einer Gärtnerei. Helfen Sie mit Ihrer Spenden Menschen, die alles verloren haben und geben Sie Ihnen damit Hoffnung und Würde zurück. Zum Spendenprojekt >


Geschrieben von:

Pirmin Spiegel ist Hauptgeschäftsführer bei Misereor. Bevor er 2012 zu Misereor kam, war er 15 Jahre in Brasilien als Pfarrer tätig und bildete in verschiedenen Ländern Lateinamerikas Laienmissionare aus.

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