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Südsudan: 3 Jahre nach der Unabhängigkeit

Am 9. Juli wird Südsudan den Unabhängigkeitstag feiern. Doch nur drei Jahre nach der Ablösung von Sudan steht der jüngste Staat der Welt vor einer Zerreißprobe. Ein Rückblick.

Photo: © Perfect Shot Films

Am 9.Juli 2011 feierten die Menschen im Südsudan euphorisch ihre Unabhängigkeit. Photo: © Perfect Shot Films

Im Dezember 2013 hatten Kämpfe zwischen den Anhängern von Präsident Salva Kiir Mayardit und Anhängern seines ehemaligen Stellvertreters Riek Machar begonnen, nachdem Kiir im Juli das gesamte Kabinett entlassen hatte. Beiden Seiten werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. In den Monaten der Kämpfe wurden Kinder und schwangere Frauen vergewaltigt, kranke Menschen in Hospitälern erschossen.

1,3 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht. In Südsudans Hauptstadt Juba ist die Cholera ausgebrochen. Nach Angaben des Welternährungsprogramms sind 3,7 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Zu viele Bauern sind geflohen oder bestellen ihr Äcker aus Furcht vor Gewalt und Plünderungen nicht.

Im Mai dieses Jahres wurde ein Waffenstillstand beschlossen – und immer wieder gebrochen. Vergangene Wochen gab es einen erneuten Hoffnungsschimmer: Die Konfliktparteien einigten sich in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba auf die Bildung einer Übergangsregierung. Doch die Menschen sind nach Jahrzehnten der Gewalt und Unterdrückung misstrauisch.

Das Erbe des Kolonialismus

Die Zugehörigkeit des heutigen Südsudans zum Sudan war ein Erbe des Kolonialismus. 1947 hatten Vertreter Großbritanniens und des Nordsudans auf der Juba-Konferenz beschlossen, dass der mehrheitlich christlich-animistische Süden des Landes unter der Führung des arabisch-islamisch-dominierten Nordens bleiben sollte.
1955 begann der erste Krieg der Südsudanesen gegen die Dominanz des Nordens. Der „Befreiungskampf“, wie er im Süden heißt, sollte fast 50 Jahre dauern. 2005 unterzeichneten das „Sudan People’s Liberation Movement“ (SPLM) und die sudanesische Regierung in Karthoum ein Friedensabkommen. Es beinhaltete u. a. die Option auf Unabhängigkeit. In einem Referendum stimmten die Südsudanesen im Januar 2011 darüber ab. Das Ergebnis war ein überwältigender Sieg für die Unabhängigkeit. Nur ein halbes Jahr später hatte die Welt einen Staat mehr – und die Südsudanesen ihre Freiheit. Eine Freiheit, die nun von den Kämpfen zerstört wird.

Und doch bleibt Hoffnung. Südsudanesische Partnerorganisationen berichten von Menschen, die inmitten der Gewalt versuchen, Frieden zu leben; die trotz der Zerstörung nicht aufhören, zu hoffen und zu helfen. „Ich bin immer wieder beeindruckt vom Willen der Menschen, ihr Land aufzubauen“, schreibt uns Enrica Valentini, Direktorin des Catholic Radio Network.

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Autor:

Petra Kilian arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR.

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