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Agel Ring Machar: Der Südsudan wird die Gewalt überwinden

Agel Ring Machar © von Schroeder/Perfect Shot Films

Agel Ring Machar ist Protagonist des Films „Wir waren Rebellen“ © von Schroeder/Perfect Shot Films

Am 9. Juli 2011 wurde der Südsudan unabhängig. Agel Ring Machar, ehemaliger Kindersoldat, Ex-Kapitän der ersten südsudanesischen Basketball-Nationalmannschaft und Protagonist der Doku „Wir waren Rebellen“ war zur Berliner Premiere des Films angereist. Im Interview spricht er über die aktuelle Lage und die Zukunft seines Landes.

Wie war es für Sie, den Film in einem deutschen Kino zu sehen?
Es war wunderschön. Die Geschichte meines Landes, die Herausforderungen und Anstrengungen einem internationalen Publikum zeigen zu können, ist eine große Chance. Die beiden Filmemacher haben tolle Arbeit geleistet und sehr gute Botschaften ausgesandt.

Wie ist die derzeitige Lage im Südsudan?
Es wurden Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, aber die Kämpfe gehen weiter. Jede Seite glaubt, sie habe genug Kraft, die andere zu besiegen. Aber die Wahrheit ist: Keiner wird es schaffen, weil die Kämpfe mittlerweile ethnische Dimensionen angenommen haben. Je schneller die Führer erkennen, dass sie sich an einen Tisch setzen und den Konflikt friedlich lösen müssen, desto besser für das Land.

Was muss nun geschehen?
Die USA, Norwegen, Großbritannien und andere versuchen, die Führer davon zu überzeugen, die Kämpfe einzustellen. Aber das ist nicht genug. Tausende Menschen wurden getötet, Hass geschürt. Wir brauchen eine groß angelegte Kampagne, wir brauchen so etwas wie Versöhnungskommissionen, wie etwa in Südafrika oder Ruanda. Es gibt viele Frauenrechtsgruppen, Jugendgruppen, kirchliche Gruppen, die sich schon jetzt für Versöhnung und Frieden einsetzen.  Sie versuchen, Druck auf die Kampfparteien auszuüben, damit diese so schnell wie möglich das Kämpfen beenden. Und sie verbreiten Friedensbotschaften im Radio und klären die Öffentlichkeit auf, damit die Menschen sich nicht von Politikern instrumentalisieren lassen, die die ethnische Zugehörigkeit dazu benutzen, Macht zu gewinnen oder ihre Macht zu sichern. Und dann benötigen natürlich die Flüchtlinge Unterstützung: Nahrungsmittel, Unterkunft, Medikamente…Wir sind der deutschen Regierung und der deutschen Bevölkerung dankbar für ihre Hilfe. Ich selbst habe einer deutschen Mitarbeiterin von JRS meine Schulausbildung zu verdanken: In den 1990ern lebte ich in einem Flüchtlingslager in Kenia. Dank JRS konnten ich und einige andere Kinder ein Internat in Nairobi besuchen. Wir waren gewalttätig, traumatisiert. Wir taten Dinge, die in normalen Schulen nicht akzeptiert sind. Aber diese Deutsche erzählte den Lehrern unsere Geschichten. Ohne sie wären einige von uns von der Schule geflogen und zurück ins Flüchtlingslager gekommen – und von dort aus als Soldaten wieder in den Krieg. Dank ihr aber konnten wir bleiben und lernen. Als ich ein Basketball-Stipendium erhielt, bekam ein anderes Kind meinen Platz in der Schule. Ich ging nach Australien, studierte und kehrte zurück in den Südsudan.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Sind Sie hoffnungsvoll?
Ja. Schauen Sie sich die Geschichte Berlins an: All die politischen Interessen, die Konflikte, die Mauer, die Gewalt. Und heute? Heute ist die Stadt offen für jeden. Wieso sollten wir das im Südsudan nicht hinbekommen? In Angola herrschte 20 Jahre lang Krieg. Jetzt wächst die Wirtschaft kontinuierlich. Südsudan wird die Gewalt überwinden.


Film anschauen

Den Film „Wir waren Rebellen“ in der ZDF-Mediathek ansehen
Der Film wird am 15.7., 0:10 Uhr im ZDF gezeigt (Montagnacht)

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Durch den Bürgerkrieg im Südsudan mussten über eine Million Menschen ihre Heimat verlassen. Und auch in den Nuba-Bergen im Süden des Sudans sind Hunderttausende auf der Flucht.
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Autor:

Petra Kilian arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR.

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