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Klimaverhandlungen in Paris: Was sind unsere Prioritäten?

Zur Halbzeit der Klimaverhandlungen in Paris sind viele Minister angereist; gestern und heute gaben sie im Rahmen des „High Level Segment“ der COP21 ihre Erklärungen ab. Auch der Vatikan ist bei den Klimaverhandlungen vertreten, darunter Kardinal Peter Turkson, Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche und Präsident von Iustitia et Pax.

Kardinal Peter Turkson bei einer Pressekonferenz des Vatikan bei COP21 in Paris. Foto: CIDSE

Kardinal Peter Turkson bei einer Pressekonferenz des Vatikan bei COP21 in Paris. Foto: CIDSE

Beim „Leaders Event“  vergangene Woche trat bereits Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin vor die Konferenz. Heute hielt Kardinal Turkson eine Rede – vor fast leerem Plenarsaal. Viele der hochrangigen Vertreterinnen und Vertreter der 195 Mitgliedsstaaten kommen nur, um ihre Reden schlichtweg „abzuliefern“; sie sind selbst zu stark eingebunden in die Verhandlungen. Ich werte den Auftritt vieler wichtiger, auch kirchlicher Vertreter, als ein Zeichen für den Willen und das Engagement auf höchster Ebene, in Paris zu einem erfolgreichen und ambitionierten Abkommen zu finden.

„Verlieren wir uns nicht selbst, indem wir unsere gegenwärtigen Interessen schützen!“

In seiner Rede mahnte Turkson an, dass die zentrale Frage nicht sei, ob die Wirtschaft sich den Kampf gegen den Klimawandel leisten könne, sondern vielmehr um die Frage: „Was sind unsere Prioritäten?“ Das Ergebnis der COP21 müsse ambitioniert sein. Dazu gelte es, ein „faires, völkerrechtlich bindendes und wirklich transformatives Abkommen“ sicherzustellen. Er forderte die Konferenz auf: „Verlieren wir uns nicht selbst, indem wir unsere gegenwärtigen Interessen schützen!“ Niemand habe das Recht, so Turkson, die zukünftigen Generationen ihrer Lebensmöglichkeit zu berauben. Neben dem Gedanken der intergenerationellen Gerechtigkeit hob auch er hervor, dass Umwelt- und soziale Fragen nicht getrennt voneinander betrachtet und auch gelöst werden können.

Mit Blick auf den aktuellen Entwurf des Abkommens und die Verhandlungen betonte Turkson, dass der Mangel an ethischen Leitlinien und Motivationen die Verhandlungen erschwere. Als Beispiel führte er an, dass das Wort und Konzept der „Solidarität“ aus dem Text des Klimaabkommens gestrichen wurde und wertete dies als negatives Zeichen dafür, dass sich das Verständnis der Rio-Grundsatzes der gemeinsamen aber unterschiedlichen Verantwortung geändert habe, obwohl alle Staaten gleichermaßen darauf Bezug nähmen.

Die Welt hat sich in Sachen „Armut“ nicht verändert

Damit sprach er an, was Hauptstreitpunkt der Verhandlungen bisher war und derzeit noch immer ist: Das Thema der „Differenzierung“. Während die in der Klimakonvention 1992 als Industrieländer bezeichneten Staaten fordern, die Klassifizierung in Industrie- und Entwicklungsländer aufzuheben, beharren viele Entwicklungsländer darauf, dass sich die Welt in Punkto „Armut“ nicht verändert habe. Sie fordern Zusagen für finanzielle Hilfen, insbesondere für Anpassungsmaßnahmen. Darüber hinaus haben sie Sorge, dass die „ökologische Schuld“ – wie Papst Franziskus die historischen Emissionen nennt – durch die Aufweichung der Differenzierung ZWISCHEN den Staaten reduziert wird.


Weitere Informationen

MISEREOR-Blog „1,5 Grad: Wie das Langfristziel nach COP21 erreicht werden kann“

MISEREOR-Blog „Klimaverhandlungen COP21: Menschenrechte müssen in den Vertrag!“

MISEREOR-Blog „Klimaverhandlungen in Paris: Der Blick durch’s Schlüsselloch“

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