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Deir El Ahmar – Ein kleines Dorf mit einem großen Herz für Flüchtlinge aus Syrien

Mit herzlichem Lachen werden wir von Schwester Micheline Lattouf begrüßt. Sie lacht, wie wir schnell merken, wirklich gern und herzhaft. Dass auch sie manchmal von der Last der Aufgaben niedergedrückt wird, wie sie später zugibt, glaubt man kaum.

Ein Beitrag von MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon

Martin Bröckelmann-Simon, Kamal Abdel Nour vom Misereor- Partner PMP und Schwester Micheline Lattouf, der guten Seele des Flüchtlingsdorfes.

Martin Bröckelmann-Simon, Kamal Abdel Nour vom Misereor- Partner PMP und Schwester Micheline Lattouf, der guten Seele des Flüchtlingsdorfes.

Hier in Deir El Ahmar in der libanesischen Bekaa- Ebene ist sie die gute Seele, nicht nur der inzwischen schon 7.000 syrischen Flüchtlinge, sondern auch des diese aufnehmenden  Dorfes. Schon seit 2005 kümmert sie sich  um die Kinder aus den hiesigen armen  Bauernfamilien und  hilft ihnen zusammen mit ihren beiden Mitschwestern  „Vom Guten Hirten“ und weiteren Freiwilligen,  in der Schule zurecht zu kommen. Als dann vor knapp zwei Jahren mitten im Winter auf einmal die ersten 200 Flüchtlinge aus dem 60 km entfernten Syrien an ihre Tür klopften – verfroren, ohne Habe und ohne Dach überm Kopf – fackelte sie nicht lang. Sie organisierte Unterstützung von überall her, schaffte Zelte und Hilfsgüter heran und begann mit der schulischen Betreuung der vielen Flüchtlingskinder in ihrem Zentrum. Kein unproblematisches Unterfangen in einer Gegend, in der der blutige libanesische Bürgerkrieg tobte und  die verschiedenen Religionsgruppen streng voneinander getrennt leben.

Wir dürfen bei der Hilfe keinen Unterschied machen

Rundgang im libanesischen Dorf Deir El Ahmar, wo mittlerweile über 7.000 syrische Flüchtlinge eine erste Zuflucht gefunden haben.

Rundgang im libanesischen Dorf Deir El Ahmar, wo mittlerweile über 7.000 syrische Flüchtlinge eine erste Zuflucht gefunden haben.

So ist Deir El Ahmar mit seinen rund 5.000 Familien ein rein maronitisch-christliches Dorf,  nur wenige Kilometer weiter beginnt schiitisches Gebiet.  Die stetig mehr werdenden Flüchtlinge wiederum sind jedoch zu 90% (sunnitische) Muslime. Und dennoch hatte Schwester Micheline nach anfänglichem Zögern mancher christlichen Familien auch diese bald hinter sich. Mittlerweile sind viele der Gruppen in ihrem Zentrum gemischt – Flüchtlingskinder und Kinder aus dem Dorf drücken gemeinsam die Bänke und löffeln ihr Mittagessen zusammen. Das ist Schwester Micheline auch wichtig:  „Wir dürfen bei der Hilfe keinen Unterschied machen und müssen auch die Notleidenden in unserem eigenen Dorf mit einbeziehen, um Konflikte, aber auch Ungerechtigkeit zu vermeiden“, sagt sie.

Nur wenig Hoffnung auf baldigen Frieden

Flüchtlingskinder bei der Schulspeisung

Flüchtlingskinder bei der Schulspeisung

Dennoch ist allen klar – die Lebensbedingungen der Flüchtlinge sind besonders erbärmlich: Im eiskalten Winter in Zelten, zum Teil zu zwei Familien, im Schlamm hausen zu müssen, ist wirklich elend. Hilfe wird also weiterhin unbedingt nötig sein. Aber zumindest ist es hier für die Menschen sicher – oder wie die 58jährige Suleimane es formuliert: „Hier geht es uns besser als in der Heimat – denn wir müssen nachts keine Bomben mehr hören“. Auch sie erwartet aber, wie die allermeisten Flüchtlinge nicht, dass bald wieder Frieden herrscht in ihrem Land. Die Hoffnung darauf hat sie dennoch ebensowenig verloren wie den Lebensmut.

 

Ein Lächeln zum Abschied

Martin Bröckelmann -Simon im Gespräch mit Azzedine Suleimane.

Martin Bröckelmann -Simon im Gespräch mit Azzedine Suleimane.

Und wie wir am Morgen mit Schwester Michelines Lachen begrüßt wurden, so verabschiedet uns nun am Nachmittag das freundliche Lächeln von Suleimane.

 

 

 

 

 

 

 


Lesen Sie mehr…

in Teil I: Verfolgt und gefoltert: Aus dem Flüchtlingslager Domiz im Nordirak

Teil II: Im Flüchtlingslager Domiz im Nordirak: Schicksale verbinden

Teil III: “Wir müssen helfen, wo wir können – unabhängig davon, um wen es sich handelt, offen für alle in Not” – Hilfe für Binnenflüchtlinge in Syrien

Teil IV: Tolerant und sicher: Die Stadt Erbil in der Autonomen Region Kurdistan

Teil V: Die Angst bleibt – mit Sicherheit | Zu Besuch im Karagheuzian-Center in Beirut

 

Autor:

Martin Bröckelmann-Simon

Dr. Martin Bröckelmann-Simon verantwortet als Geschäftsführer für Internationale Zusammenarbeit die Entwicklungszusammenarbeit mit Partnern in Afrika, Naher Osten, Asien, Ozeanien und Lateinamerika.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Julia Frielinghausen

    Sehr geehrter Herr Behr,

    wir freuen uns, dass Sie die Arbeit von Schwester Micheline berührt hat und Sie unsere Hilfe für syrischer Flüchtlinge so engagiert begleiten.

    MISEREOR unterstützt Projekte für syrische und irakische Flüchtlingskinder mit einer Vielzahl an Projekten, die wir aus einen Sonderfonds für den Nahen Osten finanzieren, in den alle zweckgebundenen Spenden für die Region fließen. Dieses Verfahren hilft uns, unbürokratisch und mit geringem Verwaltungskosten den Menschen zu helfen. Eine über diese Zweckbindung hinausgehende konkrete Projektbindung wäre für uns mit einem unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand verbunden, da wir dann genau aufrechnen müssen, ob und ab wann ein Projekt überfinanziert ist. Die uns anvertrauten Gelder müssten wir dann rücküberweisen, weil die Projektbindung für uns bindend wäre.

    Angesichts der Not vor Ort möchten wir den bürokratischen Aufwand so niedrig wie möglich halten. Wir versichern Ihnen: Ihre Spende kommt bei den Flüchtlingen an. Vielleicht nicht 1:1 im Projekt von Schwester Micheline, aber auf jeden Fall in einem Projekt der Flüchtlingshilfe im Nahen Osten. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihr Vertrauen!

  2. Ich spende für Misereor jedes Jahr. Die Initiative von Schwester Micheline u. a. im Dorf Deir el Ahmar finde ich aber besonders bewundernswert. Gibt es eine Möglichkeit, Schwester Micheline direkt eine Spende zukommen zu lassen?

    MfG
    Harry Behr

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