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COP20: Wieso internationale Verhandlungen so wichtig sind

COP 20

Ja, die Verhandlungen auf der COP 20 sind mit einem enttäuschenden Kompromiss zu Ende gegangen. Es gibt viele kritische Stimmen zur Notwendigkeit solcher Verhandlungen in Bezug auf Aufwand und Ergebnis. Und doch sind die internationalen Verhandlungen wichtig.

MISEREOR-Referentin Susanne Breuer war bei den Verhandlungen in Lima dabei.

Gemeinsame Grundlage: Nur bei der UN-Klimakonferenz sitzen wirklich alle 195 Staaten an einem Tisch, um ein Abkommen auszuhandeln – und das mit gleicher Stimme. Wo sonst könnten die so genannten „Least Developed Countries“ ihre Stimme einbringen oder die Gruppe der Inselstaaten, die jetzt schon extrem von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind? Die UN-Ebene bietet eine Plattform, die auch die Industriestaaten in die politische Verantwortung nimmt.

Gerechtigkeit: Klimawandel ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Und diese kann nur auf der internationalen Ebene der UN ausgehandelt werden. Viele Länder des globalen Südens würden womöglich leer ausgehen, wenn sich die Handlungsoptionen nur auf  bilaterale Verhandlungen bezögen. Dabei brauchen besonders diese Länder internationale Unterstützung für die Anpassung an den Klimawandel und darüber hinaus Entschädigung für Verluste und  Schäden, die nicht mehr durch Anpassung zu bewältigen sind. Auf den UN-Konferenzen werden hier die Mechanismen dafür ausgehandelt. Diese bilden dann einen für alle gültigen Rahmen, auf den man sich beziehen kann.

Verpflichtungen: Um das 2-Grad-Limit noch einhalten zu können, müssen massiv Emissionen eingespart werden. Dies ist aber nur zu erreichen, wenn ein Großteil der noch vorhandenen fossilen Rohstoffe im Boden bleibt. Das wiederum wird jedoch nicht allein mit nationalen Reduktionsplänen erreicht, auch wenn diese letztendlich in der Umsetzung ausschlaggebend sind. Aber nur auf der UN-Ebene kann ein System ausgehandelt werden, welches alle Länder nach ihrer Verantwortung und ihren jeweiligen Möglichkeiten in die Pflicht nimmt und eine annähernd gerechte Verteilung der Verpflichtungen zwischen historischen und aktuellen Verursachern des Klimawandels aushandelt.

Schmerzhafte Kompromisse

Zugegebenermaßen kommen am Ende oft schmerzhafte Kompromisse heraus – oder solche, die bei weitem nicht ausreichen. Wie jetzt in Lima.

Ich kann diejenigen daher gut verstehen, die nicht an diese Verhandlungen glauben. Sie dauern oft einfach übermäßig lang und gehen ohne starke Ergebnisse zu Ende – während auf der lokalen und regionalen Ebene bereits sehr viele konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz umgesetzt werden:

  • Lokale Gemeinden betreiben Waldschutz – auch ohne ein internationales Abkommen.
  • Längst werden alternative Lebens- und Wirtschaftsformen entwickelt und umgesetzt.
  • Agrarökologische Landwirtschaft ist ein weiterer wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Zudem ist der Druck der sozialen Bewegungen absolut notwendig, um die Regierungen der Länder daran zu erinnern, ihre Verantwortung auch durch konkrete Maßnahmen zu beweisen. Die Zivilgesellschaft stellt ein wichtiges Korrektiv für das Handeln der Regierungen dar.

Druck muss auch auf die Wirtschaft ausgeübt werden. Die Industrie muss endlich Verantwortung übernehmen. Sie muss durch wirtschaftliche Anreize und gesetzliche Rahmenbedingungen dahin gedrängt werden, auf nachhaltige Produktionsmethoden umzustellen sowie auf fossile Energieträger zu verzichten.

Klimaschutz ist nur zu erreichen, wenn auf allen Ebenen gehandelt wird. Der IPCC-Bericht zeigt allen deutlich: Wir müssen jetzt handeln, wenn wir noch das 2-Grad-Ziel einhalten wollen. Und wir müssen Verantwortung übernehmen für die, die jetzt schon extrem unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Die Rettung des Klimas ist auch Armutsbekämpfung! Und umgekehrt verstärkt Armut die Anfälligkeit für die negativen Folgen des Klimawandels. Daher müssen wir alle aktiv werden, auch in unserem persönlichen Umfeld, in unseren Verbänden und Gemeinden. Und das sobald wie möglich.


Weitere Informationen

  • Alternativ zu COP 20: Der Gipfel der Völker. Zum Bericht
  • COP 20: Mehr zur Karawane aus Cajamarca anlässlich der Proteste am Tag der Menschenrechte finden Sie hier.
  • Einen Überblick über die Finanzierungsmittel für den Klimaschutz gibt es hier

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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