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Staudammprojekt am Tapajós: Unterstützt den Kampf der indigenen Völker

João Carlos Portes ist Priester und Mitarbeiter der Landpastoral von Itaítuba in Brasilien. Als Gast der Fastenaktion 2016 hat er vielen Menschen in Deutschland die Probleme rund um das Staudammprojekt am Fluss Tapajós nahe gebracht. Dort droht die Heimat des indigenen Volkes der Munduruku in den Fluten eines Stausees zu versinken. Gemeinsam mit Greenpeace und anderen Nichtregierungsorganisationen setzt sich Misereor dafür ein, dass das Projekt gestoppt wird. Warum das so wichtig ist, erklärt João Carlos im Interview.

Pfarrer Joao Carlos Portes aus Brasilien setzt sich für die Rechte der indigenen Völker in seinem Land ein. Foto: Florian Kopp/Misereor

Pfarrer Joao Carlos Portes aus Brasilien setzt sich für die Rechte der indigenen Völker in seinem Land ein. Foto: Florian Kopp/Misereor

Was bedeutet der Fluss Tapajós für die Menschen, die dort leben?

Der Tapajós-Fluss ist für viele, die hier leben, die Straße vor der Haustür. Mehr als das, er ist Teil ihres Zuhauses. Er liefert Nahrung für die Familie, sei es in Form von Fisch oder von Jagdbeute aus dem Wald. In der Umgebung gibt es viele Naturschutzgebiete. Hier gibt es einige Fischarten, zum Beispiel Rochen oder Zierrochen, die nur in dieser Gegend existieren. Wenn der Staudamm kommt, werden diese und andere Fischarten verschwinden. Dieser Verlust ist auch für die Pflanzenvielfalt zu befürchten. Viele der heimischen Pflanzen benutzt die indigene Bevölkerung für medizinische Zwecke. Meiner Meinung nach hat sie viel für diese Region geleistet, indem sie den Wald erhält oder verschiedene Pflanzenarten, die sie bis heute in Ihrem Alltag als Nahrungsmittel benutzt, kultiviert. Speziell für die Munduruku ist der Fluss ein heiliger Ort. Von ihnen lernen wir etwas sehr wichtiges; nämlich den Kontakt mit der Natur, dem Wald, dem Fluss und der Welt. Denn alles ist ein Teil davon, und wir brauchen diesen Kontakt.

Beschreiben Sie uns die Lage um das Staudammprojekt am São Luiz do Tapajós; wer hat besonderes Interesse am Damm, was ist das Ziel?

Der Damm ist der Beginn eines großen Entwicklungsprojektes in der Region. Mit dem Staudamm kommen die Wasserstraßen, die Eisenbahn und die Bergbauindustrie, denn unsere Region ist sehr reich an Rohstoffen. All dies ist in verschiedenen Gebieten des Amazonas bereits passiert: Allein hier gibt es 42 Großprojekte. In der Region der Prälatur sind neun Projekte in Planung, im Tal von Tapajós und in unserem kleinen Gebiet sind sieben Staudamm-Projekte vorgesehen. Das größte davon ist São Luiz do Tapajós. Insgesamt gibt es in Brasilien mehr als 2.000 Staudämme, die insgesamt das Leben von mehr als 1 Million Personen beeinflussen. Davon sind nur 30 Prozent in irgendeiner Form entschädigt worden oder haben Mitspracherecht bekommen.

Der Fluss Tapajos im Distrikt Itaituba ist für die Menschen Nahrungsmittelquelle, Treffpunkt und Heimat. Foto: Florian Kopp/Misereor

Der Fluss Tapajos im Distrikt Itaituba ist für die Menschen Nahrungsmittelquelle, Treffpunkt und Heimat. Foto: Florian Kopp/Misereor

Und welche Auswirkungen erwarten Sie für die Menschen am Fluss und in der Region?

Wir reden von einem Staudamm, der acht Kilometer lang, 53 Meter tief ist und eine Fläche von ungefähr 730 Quadratkilometern überfluten wird. Mehrere Ortschaften werden die gravierenden Auswirkungen zu spüren bekommen – von São Francisco-Periquito, wo die Großbaustelle für den Damm entsteht, über Pimental mit ungefähr 850 Einwohnern, weitere Gemeinden am gegenüberliegenden Flussufer bis zu den Munduruku-Dörfern, die keine rechtliche Absicherung ihres Territoriums haben. Das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, (Anm. der Redaktion: wonach indigene Völker vor Beginn von Bauprojekten auf dem von ihnen besiedelten Land beteiligt werden müssen), hat die Regierung unterzeichnet. Und dennoch ist sie wie eine Dampfwalze über die Gemeinschaften hinweg gefahren. So wurden z. B. bei der Erkundung des Baulandes nationale Sicherheitskräfte, schwer bewaffnete Männer und Hubschrauber, in der Region positioniert. Während dieser Zeit war auch das Fischen im Fluss verboten. In unseren Augen ist das ein Machtmissbrauch! Einige Dörfer werden schließlich ganz von der Erdoberfläche verschwinden. Im Wasserkraftwerk Belo Monte, ebenfalls ein Amazonas-Projekt, gibt es derzeit soziale und umwelttechnische Probleme durch das Volllaufen des Sees. Wir weisen auf derartige Projekte hin um zu zeigen, dass es mit dem Projekt São Luiz do Tapajós nicht anders kommen wird.

Wie steht es den speziell um die Rechte der Ureinwohner in Brasilien? Sie sagten, die Munduruku haben keine rechtliche Absicherung ihres Gebietes?

Zurzeit erleben wir in Brasilien einen starken Rückgang in Bezug auf die Territorien der Ureinwohner. Die Ausweisung ihrer Gebiete wird zunehmend schwieriger. Im Laufe der letzten zehn Jahre wurden 750 Häuptlinge der Ureinwohner in Brasilien ermordet. Im vergangenen Jahr gab es verschiedene Konflikte. Mehrere Ureinwohner wurden in Mato Grosso ermordet. Immer wieder versucht der Kongress, die Abgrenzung der Territorien der indigenen Völker zu verhindern. Auch wird die verantwortliche Behörde für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen mit Bezug zu indigenen Völkern – die FUNAI – nicht gefragt, wenn ein Unternehmen in einem der Indigenen-Gebiete Rohstoffe abbauen möchte. Die Auslöschung der Ureinwohner droht, wenn sich die Politik der Regierung nicht ändert.

Die indigene Bevölkerung in Brasilien verliert durch Großbauprojekte wie den Staudamm immer häufiger ihre Heimat - ohne aber Mitspracherecht zu haben. Foto: Florian Kopp/Misereor

Die indigene Bevölkerung in Brasilien verliert durch Großbauprojekte wie den Staudamm immer häufiger ihre Heimat – ohne aber Mitspracherecht zu haben. Foto: Florian Kopp/Misereor

Was können wir europäische Bürgerinnen und Bürger tun, um die Heimat der Menschen am Amazonas zu schützen?

Internationale Unternehmen brauchen für ihre Arbeit Energie. Sie sind an Amazonien insbesondere aufgrund des Bergbaus und Exportgütern wie Soja und Mais interessiert. Ihr Europäer könnt uns helfen, indem ihr darauf aufmerksam macht, wie heute schon im Rahmen der von der Regierung geplanten Projekte die Menschenrechte einfach missachtet werden. Ihr könnt Druck ausüben auf jene Unternehmen, die ihre Geschäfte in Amazonien machen und auf die so genannten „energieintensiven“ Unternehmen. Es gibt sicher auch europäische Firmen, die Baumaterial für die Staudämme in Brasilien liefern. Darüber hinaus ist es wichtig, den Kampf der indigenen Völker an der Basis zu unterstützen. Wir brauchen dringend mehr Geld für die Unterstützung der Mobilisierung und für Demonstration in der Region.

Was sind die nächsten Schritte in Ihrer Kampagne?

Wir möchten alle zu einem klaren Nein gegen den Staudamm vereinen – und sind dafür auf einem guten Weg. Wir planen mehrere Versammlungen, Seminare und öffentliche Anhörungen in der Region Itaituba, um unterschiedlichste Bewegungen der zivilen Gesellschaft, und damit nicht nur die der Flussufer-Einwohner, der Landarbeiter und der indigenen Völker, zu vereinen. Zusätzlich werden Experten ihre Ergebnisse zu den Umweltfolgen, die zu erwartenden Schäden, die Auswirkungen für die Region und die sozialen und umwelttechnischen Folgen präsentieren. Zudem laden wir auch weitere Interessierte, z. B. Politiker, Unternehmer oder Kaufleute der Region, ein. Wir wollen ein allgemeines Bewusstsein in den Köpfen der Menschen schaffen, dass der Damm für die Entwicklung der Region nicht so positiv ist, wie offiziell behauptet wird.

Das Interview führen Martina Borghi von Greenpeace International und Thomas Schmidt von MISEREOR.

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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eine Schande, menschenverachtend!!

  2. Es ist ein Skandal, daß die EU und die Banken das skandalöse Staudammprojekt Amazonas finanzieren wollen.
    Die dortigen Menschen werden zwangsweise vertrieben die Tier- und Pflanzenwelt vernichtet.
    Europäische Banken finazieren die Vernichtung des Amazonas, welch eine Schweinerei

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