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MISEREOR global: Verbindungsstelle Kongo

In kurzen Selbstporträts stellen wir Menschen vor, die für MISEREOR in den Dialog- und Verbindungsstellen vor Ort den partnerschaftlichen Dialog pflegen und konkret Hilfestellung leisten, wenn es darauf ankommt. Wer sind die Gesichter hinter den Verbindungsstellen? Welche Arbeitsschwerpunkte haben sie? In diesem Beitrag stellt sich Ursula Kölbel vor, sie ist Leiterin der Dialog- und Verbindungsstelle in der DR Kongo.

Feldbesuch Verbindungsstelle Kongo
Auf dem Weg in die Diözese Boma, gemeinsam mit Dr. Adolphine Metamonika: „Meine Besuche bei Partnerorganisationen führen mich auch in entlegene Regionen des Landes, die zum Teil bis zu 2.000 km entfernt sind.“ © DVS Kongo

Ich bin von Beruf Wirtschaftspädagogin. Nach einigen Jahren Lehrtätigkeit habe ich in Deutschland für verschiedene Vereine gearbeitet, die sich in den Bereichen Eine Welt, Anti-Rassismus, Geflüchteten-Arbeit sowie entwicklungspolitische Bildungsarbeit engagieren. Zuletzt war ich bei der evangelischen Kirche in Bayern im Bereich „Menschen mit Behinderung“ tätig. Außerdem habe ich für zwei GIZ-Programme (Trinkwasser / Biodiversität) in der Demokratischen Republik Kongo gearbeitet. Zehn Jahre lang war ich zudem im Vorstand eines Vereins, der basisnahe Projekte in einer sehr entlegenen Region im Kongo unterstützt.

Besuche vor Ort lassen sich wegen der Anzahl von Partnerorganisationen und großer Entfernungen nicht immer verwirklichen. Seit der Pandemie sind sie noch schwieriger zu bewerkstelligen.

Ursula Kölbel

Seit August 2018 leite ich die Dialog- und Verbindungsstelle (DVS) in Kinshasa. Meine Besuche bei Partnerorganisationen führen mich auch in entlegene Regionen des Landes. Einige davon sind bis zu 2.000 km entfernt. Darunter die Provinz Ituri im äußersten Nordosten oder Lubumbashi im Südosten. Nur im Westen des Landes kann ich normalerweise auf das Flugzeug verzichten. Der Kongo ist das Einsatzland meiner Wahl und ich freue mich, über die Zusammenarbeit und Kontakte mit den MISEREOR-Partnerorganisationen immer neue Facetten kennenzulernen.

Schwerpunkte meiner DVS-Arbeit

MISEREOR arbeitet mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die durch finanzielle Zuschüsse, Gespräche und Fachberatung begleitet werden. Ich fungiere sozusagen als Bindeglied und stärke den Dialog zwischen den lokalen Partnern sowie der Geschäftsstelle. Darüber hinaus fördere ich die Vernetzung und den Austausch der Partner untereinander – mit dem Ziel der optimalen Unterstützung. Diese erstreckt sich mitunter vom Erstkontakt bis zum Projektabschluss einschließlich einer Evaluierung. Als MISEREOR-DVS übernehme ich zudem die allgemeine Beratung der Partner, die Vermittlung von Fachberatung und Unterstützung von Partner-Workshops sowie andere Formen der Vernetzung. Besuche vor Ort lassen sich aufgrund der Entfernung und der großen Zahl von Partnern nicht immer verwirklichen. Seit der COVID-19-Pandemie sind sie noch schwieriger zu bewerkstelligen.

Kooperative Kobaltabbau Kongo
Koltanabbau: Kooperativenmitglieder einer Partnerorganisation im Kongo. © DVS Kongo

In der DR Kongo gibt es über 40 Projekte, die MISEREOR fördert. Partnerschaften im Gesundheitsbereich bestehen oft länger als zehn Jahre, weil so Gesundheitszentren im ländlichen Raum ihre Basisversorgung langfristig verbessern und die Bevölkerung leichter erreichen können. Weitere Bereiche sind Bildung für Straßenkinder und Sekundarschulbildung für Mädchen, in der ländlichen Entwicklung sind es Trinkwasserversorgung, nachhaltige Landwirtschaft und ökologisches Bauen sowie Menschenrechte, Good Governance und Demokratisierung. Projekte, die MISEREOR unterstützt, müssen den Ärmsten der Armen helfen.

Wenn man Zeuge wird, wie Menschen ihre Würde zurückgewinnen – sei es durch medizinische Behandlung oder durch das Sichtbarmachen von erlittener Ungerechtigkeit –, dann trägt das dazu bei, immer wieder neuen Elan für die teils schwierige Arbeit zu finden.

Ursula Kölbel

Von der Hauptstadt Kinshasa aus lassen sich Entwicklungen in Kirche und Politik in der Regel gut beobachten. Über die Medien hinaus sind aber die Einschätzungen der Partner entscheidend, um eine differenzierte und realitätsnahe Sicht zu gewährleisten und sie über MISEREOR oder bestimmte Medien der deutschen und europäischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Aufgrund der vielfältigen Sektoren (u.a. ländliche Entwicklung, Gesundheit, Menschenrechte sowie Bergbau) und dem damit verbundenen Bedarf an kompetenter fachlicher Begleitung bin ich Ansprechpartnerin für die Beraterinnen und Berater von MISEREOR, die ein bis mehrmals pro Jahr Partnerorganisationen vor Ort besuchen. Auch Gutachterinnen und Gutachter sowie Politikerinnen und Politiker unterstütze ich logistisch und inhaltlich – je nach Bedarf. Schließlich gilt es, sich mit anderen Akteuren der EZ zu vernetzen. So erfahre ich beispielsweise bei regelmäßigen EZ-Treffen in der deutschen Botschaft oder bei den Besprechungen mit Kolleginnen und Kollegen anderer katholischer Entwicklungswerke von ähnlichen Programmen oder Entwicklungen, die für die Arbeit von MISEREOR bedeutsam sein können.

Der trotz aller Krisen und Probleme vorherrschende Optimismus ist mir immer wieder Quelle der Motivation und Inspiration.

Ursula Kölbel

Seit der Gründung der DVS in Kinshasa 2005 haben drei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattgefunden. Die kongolesische Bischofskonferenz, ein zentraler Partner von MISEREOR, hat als politisches Korrektiv hier stets eine sehr wichtige Rolle gespielt. Die katholische Kirche im Kongo genießt traditionell starken Rückhalt in der Bevölkerung. Sie funktioniert auch dort noch gut, wo staatliche Strukturen abwesend sind. Dennoch bleibt die erste gesellschaftliche Verantwortung beim Staat. Der erweist sich, unter welcher Couleur auch immer, als extrem änderungsresistent und nutzt die Leidensfähigkeit der kongolesischen Bevölkerung schamlos aus.

Meine Motivation

Wenn der Partnerkontakt auf Augenhöhe gelingt und man Zeuge wird, wie Menschen ihre Würde zurückgewinnen – sei es durch angemessene medizinische Behandlung oder durch das Sichtbarmachen von erlittener Ungerechtigkeit –, trägt das dazu bei, immer wieder neuen Elan für die Arbeit zu finden. Die findet oft unter schwierigen und teilweise belastenden Bedingungen statt. Ein persönliches Faible für den Kongo möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen.

Über die Autorin: Ursula Kölbel ist Leiterin der Dialog- und Verbindungsstelle von MISEREOR in der Demokratischen Republik Kongo.


Autor:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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