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„Foodrevolution“ und Corona-Pandemie in Brasilien

Überall auf der Welt setzen sich engagierte Menschen und Initiativen für gesunde und nachhaltige Ernährung ein. Diese soll für alle zugänglich sein. In der zweiteiligen Dokumentation „Foodrevolution – Stadt trifft Land“, die als Kooperationsprojekt zwischen dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) und MISEREOR entstanden ist, werden Protagonisten aus Deutschland und Brasilien vorgestellt.

Márcio Mattos de Mendonça vom MISEREOR-Partner AS-PTA
Einer der Protagonisten des Films ist Márcio Mattos de Mendonça, Koordinator bei der MISEREOR-Partnerorganisation AS-PTA. Er berichtet, wie die Corona-Pandemie die Ernährungssituation der Menschen in Brasilien erschwert. © Florian Kopp / MISEREOR

Wie hat sich die Ernährungssituation der Menschen verändert seit den Filmaufnahmen im Jahr 2019?

Márcio: Die Ernährungssituation in den armen Gemeinden von Rio de Janeiro hat sich seit dem Beginn der Krise dramatisch verschlechtert. Durch die Corona-Krise haben viele Menschen ihre Jobs verloren, standen also plötzlich ohne Einkommen da und konnten ihre Familie nicht mehr ernähren. Es wurde auch schwierig, sich frei in der Stadt zu bewegen und Lebensmittel einzukaufen. Die Probleme begannen bereits im März, noch bevor sich das Virus in den Favelas selbst ausbreitete.

Foodrevolution zeigt: Veränderung ist möglich! Auch in der Corona-Krise. Der Film stellt Menschen vor, die sich für gute Ernährung und einen nachhaltigen Lebensstil engagieren.

Auch die Produzenten, mit denen die AS-PTA Agricultura Familiar e Agroecologia arbeitet, stehen vor einer schwierigen Situation. Viele Bäuerinnen und Bauern verkaufen ihre Bioprodukte auf städtischen Märkten, die abgesagt oder verboten wurden. Sie können ihre Produkte nicht wie gewohnt in die Stadt bringen und verkaufen.

Auf der anderen Seite haben sich die Menschen in den Gemeinden zusammengeschlossen und durch Spendenaufrufe und Solidaritätsaktionen Hilfe organisiert. So konnte z. B. die von Ana Santos mitgegründete Organisation Centro de Integraçao Serra da Misericórdia, CEM, 30.000 Reais (rund 5.000 EUR) Spendengelder sammeln, davon organische Produkte von den Produzenten kaufen und an bedürftige Familien in der Favela verteilen. Wir von AS-PTA haben den Kontakt zu den Produzenten, den Transport in die Stadt und die Verteilung unterstützt und eine Erhebung unter bedürftigen Familien durchgeführt. Außerdem verteilt CEM Samen und Setzlinge. Die Notsituation trägt nämlich auch dazu bei, dass den Menschen die Bedeutung städtischer Landwirtschaft und eigener Produktion deutlicher wird.

Veränderung ist möglich! Auch dank Ana Santos, Sozialarbeiterin, Köchin und Stadtgärtnerin, die gute und bewusste Ernährung in den Favelas von Rio de Janeiro mit Empowerment und Feminismus verbindet.

Wie versuchen Sie die Corona-Krise zu managen?

Márcio: AS-PTA und viele andere Organisationen der Zivilgesellschaft stehen vor großen Herausforderungen. Die Situation ist ja auch für uns neu. Wir können aber auf ein Netzwerk und jahrelange Erfahrung in den Bereichen Ernährung, Agroökologie und städtische Landwirtschaft zurückgreifen. Unsere Rolle sehen wir weiterhin darin, Produzenten und Konsumenten mit unserem Wissen zu unterstützen und zusammenzubringen. Um die schlimmste Not zu lindern, haben wir auch die Verteilung von Lebensmittelpaketen übernommen. Bisher sind es 3.000, davon 1.000 in Rio de Janeiro. Das hilft den Bäuerinnen und Bauern, weil wir ihre Produkte abkaufen – und den Menschen, da sie mit gesunden Lebensmitteln versorgt werden.

Ana Santos setzt sich in Rio für gute Ernährung ein
Die von Ana Santos mitgegründete Organisation CEM konnte rund 5.000 EUR an Spendengeldern sammeln; damit wurden organische Produkte direkt von den Produzenten gekauft und an bedürftige Familien verteilt. © Florian Kopp / MISEREOR

Welche Arbeitsschwerpunkte gibt es derzeit bei AS-PTA?

Márcio: Die Notsituation hat viel ausgelöst und wir sind immer noch in einem Restrukturierungsprozess. Man kann aber bereits jetzt festhalten, dass viele Netzwerke in den Gemeinden stärker wurden und damit auch unsere Partnerstruktur. Sehr aktiv unterstützen wir die kleinen Familienbetriebe aus den städtischen Randzonen, die ihre agroökologischen Produkte auf den Märkten in der Stadt verkaufen. Wir unterstützen sie bei ihrer Lobbyarbeit gegen das Verbot von Märkten und helfen ihnen gleichzeitig dabei, Strukturen für Direktvermarktung und die Belieferung von Haushalten auszubauen. Und natürlich arbeiten wir sehr eng mit Selbsthilfegruppen aus den Favelas wie CEM zusammen, die wichtige Aufklärungsarbeit rund um gesunde Ernährung leisten und die Produktion in eigenen Gärten anregen.

Das Interview führte Florian Kopp.


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