Brasilien lädt zur COP 30 im Amazonasgebiet – und steht selbst vor einer Bewährungsprobe. Zwischen Wahlkampf, Waldschutz und wiedererwachter Zivilgesellschaft entscheidet sich, ob der Gastgeber glaubwürdig für Klimagerechtigkeit eintreten kann.

Brasilien lädt zur COP 30 im Amazonasgebiet – und steht selbst vor einer Bewährungsprobe. Zwischen Wahlkampf, Waldschutz und wiedererwachter Zivilgesellschaft entscheidet sich, ob der Gastgeber glaubwürdig für Klimagerechtigkeit eintreten kann.

Zehn Jahre Pariser Klimaabkommen – ein Grund zum Feiern? Kurz vor dem Jubiläum kommt die Welt in Belém zur COP 30 zusammen. Auch Misereor ist mit vielen Partnerorganisationen dabei. Gemeinsam fragen wir: Was hat das Abkommen in einem Jahrzehnt wirklich bewegt? Und gibt es bei aller Krisenstimmung überhaupt Anlass für Optimismus?

Nach zwölf Jahren Leitung des von Misereor unterstützten Al-Mouna-Zentrums im Tschad kehrt Schwester Aida Yazbeck nun in ihr Heimatland Libanon zurück. Sie prägte das Zentrum maßgeblich – eine Zeit, in der ich als Länderreferent für Kamerun und Tschad eng mit ihr zusammenarbeitete. Schwester Aida hat sich ihr Leben lang engagiert und eine beeindruckende Geschichte: So wurde sie etwa vom tschadischen Geheim- und Sicherheitsdienst bespitzelt – ein kleiner Einblick in die mutigen Momente, die ihre Arbeit prägten.

Als ich vor 20 Jahren für ein mehrmonatiges Praktikum ins brasilianische Amazonas-Gebiet aufbrach, freute ich mich darauf, richtig tief in den Regenwald einzutauchen. Tatsächlich habe ich nur wenige Schritte durch den Wald gemacht, aber endlose Stunden auf den unzähligen weit verzweigten Bächen, Flüssen und Seen zwischen den großen Strömen Solimoes und Rio Negro. Flüsse und Wald sind hoch bedroht. Mit ihm die Menschen, die von ihnen abhängen. Ob die UN-Klimakonferenz im Amazonas ihr Kippen verhindern kann?

Am 12. Oktober wählt Kamerun. Der amtierende Präsident Paul Biya wird dann zum sechsten Mal antreten. Seit über 40 Jahren ist er im Amt – in keinem anderen Land war ein Staatschef länger an der Macht. Kamerun gilt als autoritär geführter Staat, in dem es Demokratisierungsbemühungen schwer haben. Und die wahren Probleme packt die Regierung nicht an: von der Schaffung neuer Arbeitsplätze für junge Menschen über die Beseitigung von Korruption bis hin zur Anpassung an den Klimawandel.

Es hätte alles so schön sein können: damals als Ursula von der Leyen in ihrer zweiten Kommissionspräsidentschaft im Europäischen Parlament das Ziel verkündete, den CO2-Ausstoß bis 2040 um 90 Prozent zu mindern. Eine Verheißung auf ein europäisches Klimaziel für 2035 (EU-NDC 3.0) von 79 bis 82 Prozent, dachte man damals noch. Spieglein, Spieglein, wer ist der beste Klimaschützer im Weltenland? Auf diese Frage hätte man Europa antworten können. Doch so weit kam es nicht.
