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Radioaktive Gefahr in Verzug

Engagiert: MISEREOR-Beraterin Susanne Fries dreht gerade in Brasilien einen Film zum Thema Uranbergbau.

Während die ganze Welt auf die tragischen Ereignisse in Japan blickt und den Atem anhält angesichts der Gefahr eines nuklearen Super-GAUs im Kernkraftwerk Fukushima, befasst sich MISEREOR-Beraterin Susanne Friess in Brasilien mit den Gefahren des Uranabbaus. Im MISEREOR- Blog berichtet die Beraterin für „Bergbau und Entwicklung“, die momentan an einem Dokumentarfilm mitarbeitet, über ihre Erfahrungen.

Auf den ersten Blick wirkt es friedlich und beschaulich in der Gemeinde Caetité. Die Menschen wirken freundlich, lachen einen an. Beeindruckend angesichts der Gefahr, der sich tagtäglich ausgesetzt sind. Denn die Bewohner von Caetité leben neben der größten aktiven Uranmine Brasiliens.

Blick auf die Uranmine

In diesen Wochen blickt die Welt nach Japan und erlebt die ungeheuren Gefahren, die mit dem Betreiben von AKWs und der Endlagerung radioaktiven Mülls für die Menschheit einher gehen. Wir lernen hier in Brasilien, dass sich auch schon zu Beginn der atomaren Energiekette alles um radioaktive Verstrahlung, um kranke Menschen und verseuchte Produkte dreht. Brasilien verfügt über die sechstgrößten Uranvorkommen der Welt.

 

Verseuchtes Wasser und Hirntumore

In einem Dokumentarfilm porträtieren wir die Arbeit des MISEREOR-Partners Pater Osvaldino Barboso, der sich in seiner Gemeinde Caititié für die Verbesserung der Umwelt- und Menschenrechtssituation im Umfeld der Uranmine engagiert. Seit 2000 operiert hier die Uranmine der halbstaatlichen INB. Längst sind in Brasilien nicht alle Uranvorkommen erschlossen, doch in der Mine in Caetité lässt sich schon jetzt beobachten, welche Probleme der Uranbergbau mit sich bringt und was in anderen Regionen Brasiliens ebenfalls zu erwarten ist: Wasserquellen sind mit Uran verseucht, überdurchschnittlich viele Menschen leiden an Krebs. Leukämie und Hirntumore sind besonders verbreitet.

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Landgrabbing: „Der neue Hunger nach Land“

MISEREOR-Referent Wilhelm Thees im Interview über ein Phänomen, das nicht neu ist, aber mehr um sich greift denn je.

Herr Thees, was genau verbirgt sich hinter dem Begriff des ‚Landgrabbing‘

Wilhelm Thees

Wilhelm Thees

Wilhelm Thees: Landgrabbing ist ein englischer Begriff; er lässt sich wörtlich übersetzen mit dem „Land Grabschen“ oder „Land krallen“. Er hat sich in den letzten Jahren für den Sachverhalt von großflächigem Landkauf, also Investitionen in große Landflächen in Lateinamerika, Asien und speziell in Afrika etabliert. Dabei werden große Flächen Land von Staaten und privaten Investoren für  unterschiedliche landwirtschaftliche  Nutzung gekauft.

Sie sprechen von großen Flächen. Um welche Größenordnungen handelt es sich hier genau?

Wilhelm Thees: Das Welternährungsinstitut in Washington geht zum Beispiel weltweit von einer Landnahme in der Größenordnung von 15 bis 20 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzungsfläche aus. Für den afrikanischen Kontext geht die FAO davon aus, dass etwa 2,5 Millionen Hektar Landfläche seit 2004 den Besitzer gewechselt haben.

Überwiegen private oder staatliche Investoren bei diesen Landkäufen?

Wilhelm Thees: Sowohl als auch. Oftmals lässt sich das gar nicht so richtig unterscheiden. Denn oftmals sind es ja gerade die politischen Akteure, die die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Wirtschaftsakteure solche Investitionen überhaupt tätigen können. Read more

Der Kampf um das Waldgesetz

Die Rhetorik ist dramatisch: “Wenn wir diese zentrale Schlacht verlieren, dann können wir einpacken, der Regierungsplan zum Klimawandel verkäme zur Farce“, sagt Luiz Zarref, ein junger, bärtiger Aktivist des Kleinbauerndachverbands Vía Campesina.

Seit Jahren arbeitet die prominent in Parlament und Regierung vertretene Agrarlobby darauf hin, das brasilianische Waldgesetz aus dem Jahr 1965, eines der fortschrittlichsten seiner Art, bis zu Unkenntlichkeit zu verwässern. Sie läuft vor allem Sturm gegen die Vorschrift, jedes Privatgrundstück müsse einen bestimmten Anteil als „natürliche Reserve“ erhalten – für das Amazonas-Ökosystem liegt dieser Wert bei 80 Prozent.

In der Praxis wird jeden Tag tausendfach dagegen verstoßen – in den letzten 30 Jahren sind 18 Prozent des Amazonas-Regenwaldes völlig zerstört worden. Noch dramatischer sieht es in anderen Teilen Brasiliens aus: Vom Atlantischen Regenwald beispielsweise sind nur noch 7 Prozent übrig, die artenreiche Waldsteppe Cerrado fällt Soja- oder Zuckerrohr-Monokulturen zum Opfer. Die Entwaldung ist für zwei Drittel der brasilianischen CO2-Emissionen verantwortlich.

Bilder: Zuckerrohrschneider in Inhumas (Goiás). Ein junger Arbeiter schafft bis zu 12 Tonnen am Tag, aber selbst Frauen oder über 60-jährige Männer sehen oft keine Alternative zur Knochenarbeit. Fotos: Luiz Henrique da Silva

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Brasiliens Ethanolboom bedroht Kleinbauern

 

Aktivist Padre Antonio Garcia

Aus ganz Brasilien sind sie gekommen, aus den abgelegensten Teilen Amazoniens, aus dem sertão, dem semiariden Hinterland des Nordostens, aber auch aus den Metropolen Rio oder São Paulo: An die 120 AktivistInnen sozialer Bewegungen treffen sich dieser Tage im Fortbildungszentrum Vicente Canhas des Indianermissionsrates CIMI südlich von Brasília. Die meisten von ihnen sind Mitglieder von MISEREOR-Partnerorganisationen.

Es geht um „Klimawandel und soziale Gerechtigkeit”- ein weites Feld. Entsprechend viele Themen werden am ersten Tag des Symposiums angeschnitten, angefangen bei den unkontrollierbaren Risiken der Atomkraft, die durch die dramatischen Ereignisse in Japan offensichtlich geworden sind. „Aber in den großen Medien fällt kein Wort über die neuen Atomkraftwerke, die unsere Regierung  plant“, stellt die Umweltaktivistin Marijane Lisboa fest, „es ist unsere Aufgabe, das auf die Tagesordnung setzen“.

Alte Bekannte sind auch da. Zum Beispiel Padre Antonio Garcia von der Wanderarbeiter-Seelsorge in Guariba, einer Hochburg des Zuckerrohranbaus im Bundesstaat São Paulo. Ihn habe ich vor Jahren bei der Arbeit mit Migranten erlebt (s. Link dazu unten im Text) . Zusammen mit zwei Schwestern des Scalabrini-Ordens und einem engagierten Team von Freiwilligen leistet er psychologischen, rechtlichen und geistlichen Beistand. 3.000 Wanderarbeiter, die meisten aus dem armen Nordosten, ziehen Jahr für Jahr zur Zuckerrohrernte nach Guariba, und Padre Antonio hat die Veränderungen der letzten Jahrzehnte hautnah erlebt. Read more

Stadtgespräch

Architekt Meas Kimseng aus Kambodscha beim Stadtplanungsgespräch in Regensburg.

MISEREOR-Partner besuchen ein Stadtplanungsgespräch in Regensburg. Dabei loben die Sprecherin einer Bürgerinitiative und die Anwohner den Dialog mit dem Investor und der Planerin der Stadt.

Von so viel Kooperation in der Stadtplanung sind die Gäste aus den Südkontinenten beeindruckt. Bei ihnen geht es ganz anders zu.

„Sie lachen, bei uns schreit man.“

„Ich sehe sie hier alle zusammen lachen, das ist beeindruckend“ sagt Meas Kimseng. Er ist Architekt und arbeitet für die Organisation STT in den Armenvierteln Pnom Penhs/ Kambodscha. In seinem Land gibt es selten einen friedlichen Dialog zwischen den einzelnen Akteuren der Stadtplanung: „Bei uns weinen die Leute bei Treffen wie diesen oft, sie schreien sich an und arbeiten gegeneinander statt miteinander.“ In Kambodscha seien die Bewohner von Armenvierteln immer der Gefahr ausgesetzt, für Bauprojekte aus ihren Vierteln an den Rand der Stadt vertrieben zu werden. Interessiert verfolgen Kimseng und Samuel Yáñez aus Peru das Fachgespräch der Regensburger Stadtplaner. Read more

Frieden für Korogocho

Joyce Mwikali lebt im Armenviertel Korogocho in Nairobi.

Fahrt durch das Regensburger Hinterland: Kleine Dörfer hier und da in einer kahlen Landschaft. Noch schläft die Natur: Stoppeln auf den Feldern und braune Böden. „Habt ihr hier Sandböden?“ fragt Joyce Mwikali.

„Was wird hier denn angebaut? Gibt es viele Kleinbauern?“ Die Landwirtschaft interessiert sie sehr, denn die Kenianerin hat lange als Bäuerin in einem kleinen kenianischen Dorf gearbeitet. Heute lebt sie in einem der größten Slums Nairobis, in Korogocho.

Premiere in Beratzhausen

Von ihrem Leben und ihrer Arbeit im Slum berichtet sie heute 50 Frauen in dem kleinen bayrischen Dorf Beratzhausen. Motto des Frauenfrühstücks: „Du bist nicht allein.“ Joyce hat hier ihre Premiere. Es ist der erste Vortrag von Joyce. Sie ist zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal in Europa. Und sie ist auch zum ersten Mal geflogen. „Das ist alles sehr aufregend für mich“ sagt sie. „Aber ich bin dankbar, dass ich den Menschen hier berichten kann wie wir im Slum in Nairobi leben.“ Read more