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Es geht! Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung

Der Mensch und die von ihm geschaffenen Systeme sind die Hauptursache für die ökologische Krise. Aber die Menschheit ist auch der Schlüssel zur Umkehr. Dafür müssen wir mit mehr Leidenschaft, Mitgefühl und Hoffnung handeln. Damit alle in einem gemeinsamen Haus leben und gedeihen können. Es geht! Gerecht. Ein Zwischenruf von Yolanda Esguerra, Leiterin des Netzwerks Philippine Misereor Partnership (PMPI).

Schokoladenhügel Bohol Philippinen
„Wir brauchen eine stärker erdzentrierte Perspektive der Gerechtigkeit, wenn wir die derzeitige ökologische Krise abwenden wollen.“ © Eduardo Casajus Gorostiaga / Unsplash

Wir sind mit einer ökologischen Krise konfrontiert. Das Ökosystem unseres Planeten zerfällt. Das Ausmaß dieser Krise gibt meiner Arbeit für Gerechtigkeit eine neue Bedeutung. Sie fordert mich heraus, über das hinauszugehen, was ich seit vielen Jahren tue. Mein Verständnis von Gerechtigkeit hat sich geweitet. Es geht immer noch darum, die Menschen zu schützen und ihnen zu helfen, ihre Rechte einzufordern, insbesondere die Armen, aber ein wesentlicher Bestandteil der Gerechtigkeit ist die Erkenntnis, dass auch die gesamte Schöpfung Rechte hat – nicht nur die Menschen – und dass sie Seite an Seite mit den Menschenrechten verteidigt werden muss. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Existenz und die Lebensqualität des Menschen vom Gesundheitszustand der Umwelt abhängen, in der er sich befindet. Wir brauchen eine stärker erdzentrierte Perspektive der Gerechtigkeit, wenn wir die derzeitige ökologische Krise abwenden wollen.

Klimakrise verschärft Ungerechtigkeit

Der Einsatz für Klimagerechtigkeit ist wichtig. Die Klimakrise führt zu mehr Ungerechtigkeit in der Gesellschaft, auch durch ihre Auswirkungen auf die ärmsten Menschen in den Ländern des globalen Südens, die die Hauptlast der Auswirkungen des Klimawandels tragen. Und dies, obwohl sie im Vergleich zu den reicheren bzw. westlichen Ländern nur einen geringen oder gar keinen Beitrag dazu leisten. Gerechtigkeit muss eine alltägliche Erfahrung für alle Menschen sein. Die Mehrheit der Filipinos hat jedoch keinen Zugang zu Gerechtigkeit, da sie von einem autoritären Präsidenten unterdrückt wird, während die 17,6 Millionen ärmsten Filipinos – Fischer, Bäuerinnen und die arme Stadtbevölkerung – nicht einmal die grundlegendsten Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Bildung, Arbeit, eine gesunde Umwelt und Zeit für Erholung haben. Die Auswirkungen der Klimakrise verschärfen dieses Leid noch.

Gemeinsame, aber differenzierte Verantwortung

Genau darum geht es bei der Klimagerechtigkeit: Die wohlhabenden Länder, die am stärksten zur globalen Erwärmung beitragen und über mehr finanzielle und technische Ressourcen verfügen, um den gefährdeten Ländern zu helfen, sollten neue politische Maßnahmen ergreifen, die die ökologische Krise aufhalten können, und die gefährdeten Länder des globalen Südens verstärkt unterstützen, da sie am meisten für die Krise verantwortlich sind.

Schlüssel zur Umkehr

Wir müssen mit mehr Leidenschaft, Mitgefühl und Hoffnung handeln. Ich bin überzeugt, dass der Mensch und die von ihm geschaffenen Systeme zwar die Hauptursache für diese ökologische Krise sind, dass aber die Menschheit auch der Schlüssel zur Umkehr dieses Schicksals ist.

Gegen die Unersättlichkeit

Auch der Einzelne muss seinen Lebensstil überprüfen. Wir müssen unsere vielfältigen Bedürfnisse zügeln und erkennen, dass diese Bedürfnisse ein System nähren, das die Natur massiv ausbeutet, sie in ein Produkt verwandelt, das wir konsumieren, und die Abfälle dann auf Mülldeponien, in Ozeanen und Flüssen entsorgt. Da der Konsumismus von profitorientierten Unternehmen und Konzernen propagiert wird, müssen wir erkennen, dass dieses System von den unersättlichen materiellen Wünschen der Menschen getragen wird.

Verbundenheit mit der Schöpfung

Die Maßnahmen der Menschheit zum Schutz der Umwelt sind wichtig. Der Aufruf an die Hüter des globalen Systems und die Wiederherstellung unserer persönlichen, innigen Beziehung zur Natur und zur gesamten Menschheit sind Schlüsselhandlungen. Wir müssen unser verlorenes Gefühl der Ehrfurcht, der Ehrerbietung, des Respekts und der Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung zurückgewinnen.  Und dies erfordert unseren tiefen Sinn für Umkehr in einer modernen industriellen Welt, die uns das Gegenteil lehrt.



Ökologische Umkehr

Ich glaube, es besteht Hoffnung, denn sowohl die Wissenschaft als auch unser Glaube fordern eine Umkehr zur Umarmung der Natur. Der IPCC-Bericht bekräftigt, dass wir die Art und Weise, wie die globale Gesellschaft im Verhältnis zur Natur funktioniert, ändern müssen, wenn wir eine nachhaltige Zukunft wollen. Die Kirche ruft einerseits in Laudato si’ zu einer ökologischen Umkehr auf und ermahnt alle Menschen, unser gemeinsames Haus zu schützen, „den Schrei der Armen und den Schrei der Mutter Erde zu hören“ und auf beides in ganzheitlicher Weise zu reagieren. Gott sieht die Schönheit seiner gesamten Schöpfung und die ihr innewohnende Weisheit und Güte, einschließlich der Menschen. Ich glaube, dass die gesamte Schöpfung die Fähigkeit hat, einander Fürsorge und Großzügigkeit entgegenzubringen. Damit alle in einem gemeinsamen Haus leben und gedeihen können. Das ist meine Überzeugung. Das ist mein Glaube. Gerechtigkeit für die gesamte Schöpfung.

Über die Autorin: Yolanda Esguerra ist Leiterin des Netzwerks Philippine Misereor Partnership (PMPI).


Weitere Informationen zum Thema und den Ländern der Fastenaktion 2022.

Fastenaktion 2022 Es geht! Gerecht.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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