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“Grüne Hölle”- oder wie grün ist die grüne Wirtschaft wirklich?

Beim Landeanflug aus dem kleinen Flugzeugfenster sieht alles ganz nach Naturromantik aus: Landschaft soweit das Auge reicht, kleine Flüsse schlängeln sich durch säuberlich abgegrenzte riesige grüne Wälder, dazwischen grüne Wiesen. Wir sind kurz vor der Landung in der brasilianischen Stadt Vitoria, eine Flugstunde nördlich von Rio de Janeiro. Denn wir möchten uns anschauen, was Brasilien unter „Green Economy“ – einer grünen Wirtschaft versteht.

Solche Bäume müssen den Holzplantagen weichen.

Solche Bäume müssen den Holzplantagen weichen.

„Green Economy“ ist eines der Hauptkonzepte, die gerade bei der UN-Konferenz Rio+20 diskutiert werden soll. Sie verspricht ökologisch verträgliche Energieerzeugung und Landwirtschaft sowie effizientere Technologien. Soweit so gut!  Die riesigen grünen Wälder, die wir vom Flugzeug aus gesehen haben, sind Eukalyptus Monokulturen. Und jetzt auf dem Boden keine Spur mehr von Romantik. Im Gegenteil: Kilometerlang fahren wir mit dem Auto an endlos langen Baumreihen entlang. Gespenstisch stehen die dünnen Eukalyptus-Bäume mit ihren hohen lichten Kronen militärisch korrekt in Reih und Glied, so dass einem schwindelig wird, wenn man zu lange aus dem Fenster schaut. Read more

Dunkle Wolken über Rio

Protest in Rio

Protest in Rio: Die weltweite Zivilgesellschaft sagt „Nein zur Grünen Ökonomie“

Doch Sambaklänge vertrieben zumindest meine verdunkelte Stimmung. Tausende zogen im Regen durch Rio zum Protestmarsch: Gewerkschaftler, Indigene, Staudammgegner, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen und selbst Bischöfe waren unterwegs, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Dabei beherrschten drei Themen die Aktionen:

-Nein zur Grünen Ökonomie!

-Nein zum neuen Forstgesetz in Brasilien!

-Nein zum Waldschutz durch REDD!

Wie das zur fröhlichen Stimmung passen soll? Tausende haben in den letzten Tagen parallel zum offiziellen Gipfel auf dem sogenannten „peoples summit“ diskutiert, welche Alternativen es zum vorherrschenden Entwicklungsmodell geben könnte und wie man „Die Zukunft, die wir wollen“ Wirklichkeit werden lassen kann. Sie glauben fest daran:

Eine andere Welt ist möglich!

Was hinter den zentralen Botschaften steckt und was MISEREOR dazu sagt, das lesen Sie in den nächsten Tagen.

Rio+20: Einigung zu Lasten der Armen?

Rio +20 endet für Viele enttäuschend. © CIDSE/Kopp

Für viele Beobachter geschah es wie aus heiterem Himmel: In einer langen Verhandlungsnacht einigten sich die Staaten  auf eine gemeinsame Abschlusserklärung; und das bereits vor Beginn des offiziellen Gipfels! Das frühzeitige Ergebnis kam vor allem durch den Druck des Gastgeberlandes Brasilien zustande. Dabei war der Entwurf in vielen Passagen umkämpft. Doch dann herrschte innerhalb weniger Stunden Einigkeit. Wohl dadurch, dass gnadenlos der letzte Rest von Verbindlichkeit und neuen Impulsen aus dem ohnehin schwachen Dokument herausgestrichen wurde. Read more

Regeln des Marktes außer Kontrolle

Bischöfe und Vertreter der Zivilgesellschaft finden am Sonntag vor dem Rio+20 Gipfel deutliche Worte.

Heilige Messe mit Mitgliedern der CIDSE und MISEREOR in der Kathedrale von Rio de Janeiro, Brasilien

Heilige Messe mit Mitgliedern der CIDSE und MISEREOR in der Kathedrale von Rio de Janeiro, Brasilien

Es war scheinbar ein gewöhnlicher Sonntag, gestern in Rio. Bei milden 26 Grad und wolkenlosem Himmel füllten sich morgens die Kirchen und mittags die Strände der Copa Cabana. Doch weder der Strandbesuch, noch die Gottesdienste waren wie sonst. Direkt an der Küste, am Aterro do Flamengo, brodelte der „Peoples Summit“, eine riesige, bunte Zeltstätte, durchdrungen von Diskussionen, Erklärungen und Musikeinlagen allerorten.

Und auch in den Kirchen blieb es nicht leise: viele Messen waren geprägt vom anstehenden Rio+20 Gipfel. Read more

Gartenzeit – Kinderleid

Wer will schon seinen Garten auf Kosten von Kindern verschönern? Leider bleibt vielen Menschen in der Region Aachen nichts anderes übrig, wenn die Pflasterung der Einfahrt oder der neuen Sommerterrasse ansteht.

Was Pflastersteine und Kinderarbeit miteinander zu tun haben, darüber berichtete Ende Mai in Würselen/Nordrhein-Westfalen der Kinderarbeitsexperte Benjamin Pütter. Die drastischen Bilder von verletzten und an Steinstaub erkrankten indischen Kindern sowie deren Arbeitsbedingungen in indischen Steinbrüchen  ließen mich und die anderen Zuschauer des Vortrags erschauern. In vielen indischen Steinbrüchen müssen schon Kleinkinder mit schweren Hämmern in sengender Hitze Pflastersteine für deutsche Steinhändler per Hand zerkleinern, obwohl laut indischem Gesetz Kinderarbeit offiziell verboten ist.  Die Bilder von unabhängigen Beobachtern beweisen jedoch leider immer wieder das Gegenteil. Read more

Wir haben leider zu viele fossile Rohstoffe…

…überrascht Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates gestern wieder einmal seine Zuhörer: Die Kohlevorräte reichten für die nächsten paar hundert Jahre. Statt der vielbeschworenen Energiewende sei daher weltweit vor allem eine Renaissance der Kohlenutzung zu beobachten.

Grüne Ökonomie ist kein Allheilmittel

Das viel gelobte Konzept des grünen Wachstums allein werde daher bei Weitem nicht ausreichen. Um sie geht es auf dem großen Umweltgipfel „Rio +20“ nächste Woche. Edenhofer betont, dass grüne Ökonomie ein Baustein, nicht aber ein Ersatz für Klimapolitik sein dürfe. Denn wenn der Eine effizienter produziere, sinken die Preise für fossile Rohstoffe für Andere. Und dann verbrauchen andere wieder viel mehr Rohstoffe und dem Klima ist nicht geholfen. Es sei eine Illusion, das allein als Klimapolitik zu bezeichnen. Vielmehr bedarf es einer Definition von Obergrenzen für den Verbrauch fossiler Rohstoffe.  Read more